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Mit Rechten reden : Mit der Kraft des besseren Arguments?

  • -Aktualisiert am

Geleitet über den Zebrastreifen der Einsicht

Wie auch immer: Das Kernproblem von „Mit Rechten reden“ liegt in der mit teilweise nur schwer erträglicher Nonchalance vorgetragenen intellektuellen Selbstgewissheit, dass man mit der Macht der Logik den Rechtsrednern den Wind aus den Segeln nehmen könne. Da werden ihnen in immer neuen virtuellen Dialogen fehlende Unterscheidungskriterien, unangemessene Letztbegründungsansprüche und himmelschreiende Zirkelschlüsse nachgewiesen – und die stets wiederkehrende Annahme ist, nach Aussage der Autoren empirisch belegt, dass die so Daherredenden plötzlich argumentativ ins Schwitzen geraten und ihre nur auf den ersten Blick gefährlich anmutenden Waffen strecken würden.

Man stellt sich die Reaktionen der so ausgekonterten, auf dem Diskursfeld besiegten und geradezu peinlich berührten Schaumschläger bildhaft vor: Mein Gott, ja, ihr habt recht, mein Argument ist ja gar nicht schlüssig! Mein Volksbegriff eindimensional, mein Islamkonzept unterkomplex, meine Widerstandsattitüde unhaltbar! Danke, ihr Abc-Schützen des rechten nichtrechten Redens, dass ihr mich über den Zebrastreifen der wenn nicht Einsicht, so doch der Anerkennung des besseren Arguments geleitet habt!

Die politischen Phantasien des nicht-rechten Lesers aber einmal hintangestellt: Es ist der das gesamte Buch tragende und durchziehende Überlegenheitsgestus, die herablassende Attitüde gegenüber Linken und Rechten gleichermaßen, der gegen dieses einnimmt. Wobei die Rechten, all die Gaulands und Kubitscheks dieser Welt, mit Buch und Botschaft gut werden leben können. Schließlich soll es ja auch ein Buch „nicht über Rechte, sondern für Rechte“ sein. Und da man diese allein über die Inhalte nicht kriege, mögen Leo-Steinbeis-Zorn ihnen inhaltlich auch nicht in allem widersprechen. So gebe es durchaus „in der sogenannten Einwanderungsgesellschaft genügend Grund, sich zu fürchten“, und „viele unserer Nachbarn“ wünschten sich gegenwärtig „deutsche Führung“. Aha – hoffentlich nur im Diskursiven, im Sinne einer deutschen Gesprächsleitfadenkultur.

Nein, es ist nicht lustig

So gewiss sich die Autoren allerdings ihrer argumentationslogischen Potenz sind, so widersprüchlich lesen sich ihre eigenen Aussagen zugleich. Denn einerseits attestieren sie den Rechten Vorstellungen und Überzeugungen, die „nie im Leben mehrheitsfähig“ seien und denen daher mit mehr Gelassenheit begegnet werden könne. Zugleich konzedieren sie aber, dass es in der Tat – die Quelle des Befunds bleibt unerwähnt – „ein sehr weit verbreitetes Unbehagen an der deutschen Erinnerungskultur“ gebe. Die These vom „Schuldkult“ finde ebenso „bis weit in die Mitte der Gesellschaft“ Widerhall wie „die eher indirekten Formen des Antisemitismus“, weswegen es „unklug“ sei, die Rechten „allzu aggressiv“ anzugreifen, weil man dadurch nur „unnötig“ Solidarisierungseffekte hervorbringe. Was soll man als Nichtrechter dazu sagen?

„Über die Qualitäten des Buches“, so heißt es dort einleitend, „sollen letztlich andere urteilen, solange sie zugeben, dass es recht lustig ist. Und äußerst klug.“ Nun, dem nur notdürftig als Ironie verkleideten Narzissmus der Autoren wird man wohl antworten müssen: Nein, es ist nicht lustig. Und vornehmlich ungemein altklug. Und es passt schließlich zum gesamten Duktus des Werkes, wenn im Nachklapp zum Text der Verlag für weitere einschlägige Publikationen aus dem Hause wirbt – neben Zorns „Logik für Demokraten“ auch für Carl Schmitts „Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber“ sowie Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“. Zu schade, dass man mit den beiden nicht mehr reden kann. Sie hätten sich so darüber gefreut.

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