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Miranda July : Eine tröstliche Form von komplettem Irrsinn

Die vielseitige Künstlerin Miranda July Bild: Todd Cole

Für ihr Filmdebüt „Ich und du und alle die wir kennen“ wurde sie in Cannes ausgezeichnet, in ihrem neuesten Buch erfindet Miranda July die Kurzgeschichte neu. Niklas Maak portraitiert die vielseitige Künstlerin, die dazu auffordert, das Leben als Kunstwerk zu betrachten.

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          Miranda July ist eigentlich nie die Person, für die man sie gern hielte, wenn man gerade angefangen hat, sich für sie zu begeistern: Vor ein paar Jahren, als sie ihre ersten Performances und Videos zeigte, hieß es, sie sei eine außerordentlich begabte Künstlerin, von der noch viel zu erwarten sei, und die Kritiker, die das schrieben, dachten dabei vermutlich an weitere Performances und Videos.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Was dann allerdings kam, war ein Spielfilm. „Me and You and Everyone We Know“, in dem Miranda July eine erfolglose Künstlerin spielt, wurde 2005 mit der Goldenen Kamera in Cannes ausgezeichnet, und als alle dachten, sie habe mit diesem erstaunlichen Film ihre Bestimmung als Regisseurin gefunden, produzierte sie noch einen sehr kurzen Kurzfilm und schrieb dann einen Erzählungsband mit dem Titel „No One Belongs Here More Than You“, der gerade erschienen ist und von der amerikanischen Kritik als Offenbarung gefeiert wird.

          „Are You the Favorite Person of Anybody?“

          Der Kurzfilm trägt den Titel „Are You the Favorite Person of Anybody?“ und kann im Internet besichtigt werden. Man sieht in diesem Film den Schauspieler John C. Reilly, der auf der Straße steht und eine Umfrage macht, allerdings - und das ist typisch für Julys lakonische, überdrehte, warmherzige Kunst, den traurigen Alltag in einer tröstlichen Form von komplettem Irrsinn aufzulösen - eine Umfrage zu der bösen, existentiellen Frage „Are You the Favorite Person of Anybody?“; und was dabei passiert, ist genauso traurig wie komisch und so absurd wie schön.

          Regisseurin und Drehbuchautorin July bei einer Preisverleihung für ihrem Film „Ich und du und alle die wir kennen”

          Und jetzt das Buch. Der Titel „No One Belongs Here More Than You“ ist typisch für July; erst wirkt er überschwänglich romantisch, bis man darauf kommt, dass er, auf dem Sofa gesagt, ganz anders wirkt, als wenn „here“ ein Friedhof oder ein Gefängnis ist: Das sind die Widerhaken, die man bei Julys Kunst nicht übersehen sollte.

          „Zum Totlachen komisch“

          Dave Eggers, der spätestens seit seinem Roman „What Is the What“ als einer der wichtigsten jungen amerikanischen Schriftsteller gilt, erklärte, eine so „originelle Stimme“ sei „in der amerikanischen Literatur seit vielen Jahren nicht aufgetaucht“, und lobte Julys Buch als „unglaublich charmant, wunderschön geschrieben, zum Totlachen komisch und gleichzeitig tiefgreifend“.

          Diese Begeisterung ist kein Zufall. Nach einer Generation von Schriftstellern wie Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides kommt im Gefolge von David Foster Wallace jetzt eine Gruppe von Autoren, die die amerikanische Short Story neu beleben will, und es ist kein Wunder, dass eine ihrer interessantesten Figuren den Umweg über die bildende Kunst nimmt und die Erfahrungen von Fluxus und Performance in die Literatur einschleppt.

          Das Leben besser aushalten lernen

          Miranda July, die eigentlich Miranda Jennifer Grossinger heißt, wurde 1974 in Barre, Vermont, geboren, einem grauen Ort nahe der kanadischen Grenze, der als „Welthauptstadt des Granits“ gilt und entsprechend aussieht. Als sie ein Kind war, zog die Familie nach Kalifornien, später studierte July Kunst in Portland, Oregon.

          Vor ein paar Jahren erfand sie zusammen mit dem Künstler Harrell Fletcher eine Website mit dem Titel learningtoloveyoumore.com, auf der Vorschläge gesammelt werden, wie man sich selbst und sein Leben zu lieben oder wenigstens besser auszuhalten lernt - von „Schreibe eine Presseerklärung zu einem alltäglichen Ereignis“ über „Fotografiere mit einem Blitz unter dein Bett“ bis zu „Mache eine Kunstausstellung im Haus deiner Eltern“.

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