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Michael Maar : Schattenlogik: „Von dem Mäuschen...“

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Arme Bratwurst Bild: AP

Der Märchenwald der Brüder Grimm ist so dicht, daß er Schatten sogar auf die Schößlinge der schlichten Logik wirft - etwa bei „Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst“.

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          Der Märchenwald der Brüder Grimm ist so dicht, daß er Schatten sogar auf die Schößlinge der schlichten Logik wirft. So grausig es oft in diesem Wald zugeht, so komisch sind die Verwachsungen, die der gesunde Menschenverstand in ihm erfährt.

          Selbst bei so berühmten Märchen wie „Dornröschen“ drängen sich ein paar Fragen auf. Was dachten sich die Brüder Grimm, als sie den Servicebestand einer königlichen Hofhaltung auf zwölf Teller beschränkten? Warum lassen die Eltern Dornröschen ausgerechnet an ihrem fatalen Geburtstag alleine im Schloß zurück, wo doch alle wußten, daß die böse Fee nur auf diesen Tag lauerte? Schneewittchen läßt sich einen vergifteten Kamm andrehen - schön, das kann passieren. Aber hätte sie sich nach zwei beinahe tödlichen Erfahrungen nicht zu dem Prinzip durchringen können, fahrenden Händlerinnen keine Ware abzukaufen?

          Der Charme der Schattenlogik

          Mein Lieblingsbeispiel für den Charme der Schattenlogik versteckt sich aber im Schluß des wenig bekannten Märchens „Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst“. Die drei Helden des Titels, Maus, Vogel und Bratwurst, also, leben in glücklicher Ménage à trois zusammen, bis dem Vogel eingeredet wird, er sei ein Tropf, immer für die andern Holz zu suchen. Der Geist der Revolte zieht ein, der Vogel möchte auch einmal gemütlich zu Hause bleiben, und so werden die Rollen getauscht.

          Anstelle des Vögleins macht sich die Bratwurst auf, um Holz zu sammeln, aber sie kehrt nie zurück. Als der Vogel ausfliegt, sie zu suchen, findet er unfern einen Hund am Wege. Er leugnet nicht einmal, das Bratwürstlein niedergemacht zu haben. Auf die Vorhaltung des Vogels, das sei doch ein offenbarer Raub gewesen, gibt der mörderische Hund die unsterbliche Antwort: Er hätte falsche Briefe bei der Bratwurst gefunden, deswegen wäre sie ihm des Lebens verfallen gewesen. Nun, wenn falsche Briefe im Spiel sind, muß man sich da wundern, daß die Sache düster aussieht?

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