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Martin Heideggers Schwarze Hefte : Die Endschlacht der planetarischen Verbrecherbanden

Das Heidegger-Jahrbuch hat diesen Text abgedruckt, die Siegener Philosophin Marion Heinz hat Heideggers Seminar über „Wesen und Begriff von Natur, Geschichte und Staat“ dort als Versuch kommentiert, dem Nationalsozialismus philosophische Legitimität zu verschaffen (Band 4 und 5, beides erschienen im Karl Alber Verlag, Freiburg 2009).

Merkwürdig genug aber hält sich Heidegger, was Rassismus und Antisemitismus angeht, in seinen öffentlichen Äußerungen zwischen 1933 und 1945 extrem zurück. Und das, obwohl ihm Funktionäre der NSDAP und Organe des NS-Staates mehrfach deutlich gemacht hatten, dass sie positive Stellungnahmen zur „Rassenfrage“ von ihm vermissten. Von offizieller Seite bestand der Argwohn, dass Heidegger einen „Privatnationalsozialismus“ pflege. Er hat ihn nicht zerstreut.

In den Schwarzen Heften wiederum, soweit sie bislang ediert sind, finden sich Sätze über das Judentum an nicht viel mehr als einem Dutzend Stellen und gar nicht vor 1938. Es kann insofern nicht die Rede davon sein, dass der Antisemitismus ein zentrales und durchgehendes Motiv von Heideggers Denken jener Jahre war.

Hoffen auf den Nationalsozialismus

Was den Nationalsozialismus angeht, liegt die Sache anders. Anders als es beispielsweise das soeben erschienene, ansonsten sehr verdienstvolle Heidegger-Handbuch von Helmuth Vetter noch sieht, war das Engagement des Philosophen nicht nur eines, das einer Erneuerung der Universität aus dem Geist des vermeintlichen nationalen Aufbruchs galt.

Die Schwarzen Hefte lassen wenig Zweifel daran, dass er sich vom NS-Staat viel mehr erhoffte: eine Beseitigung aller zivilisatorischen Hohlheiten, eine „Vernichtung der Neuzeit“, eine Verwirklichung seiner philosophischen Phantasie vom neuen Anfang in der „Seynsgeschichte“ (er schreibt das Wort für das Ganze seit 1931/32 zunehmend oft mit „y“).

Dazu entwickelt er jeweils eigene Begriffe von Rasse, Volk, Geschichte, Macht, Deutschland, Universität, die dann zusammen fast eine Privatsprache ergeben. Kein Philosoph hat in seinem Werk darum auch so viele Anführungszeichen wie Heidegger.

Heidegger glaubte allen Ernstes, die destruktiven Mächte des NS würden die echten Worte praktisch zur Geltung bringen und gälten der Beseitigung jenes unangemessenen Verhaltens zur Welt als Ganzes, die er in Verstädterung und Unterhaltungsindustrie repräsentiert sah, in Technik, Massenmedien und bürgerlichem Kulturbegriff, im Christentum wie in der empirischen Forschung. Ein ziemlich umfassendes Paket, das er später mit der Aufschrift „Machenschaften“ versieht.

Erst ab 1938 nehmen in den Heften die Einträge deutlich zu, die zeigen, dass er sich dieses Irrtums bewusst wird. Oder genauer: dass ihm klar wird, dass die Nationalsozialisten auch zur Geschichte der Neuzeit und zu der eines Ausstieges aus ihr gehören. Er habe, notiert er 1941, „den Nationalsozialismus für die Möglichkeit eines Übergangs in einen anderen Anfang gehalten“.

Das führt ihn aber nicht zur Einsicht in den Mythos der absoluten Anfänge - im Gegenteil: Es ergebe sich aus dieser Täuschung über den Nationalsozialismus „die Notwendigkeit seiner Bejahung und zwar aus denkerischen Gründen“. Man kann hier an Intellektuelle denken, die umso lieber an der Utopie des Sozialismus oder der Marktwirtschaft festhalten, je weniger irgendeine Wirklichkeit ihr zu entsprechen vermag.

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