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Mario Vargas Llosa : Männerphantasien in der Luxusblase

Vor der Lesung: Maria Vargas Llosa. Bild: dpa

Der neue Roman des Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa „Die Enthüllung“ verarbeitet zwei autobiographische Blessuren und versucht sich an einem peruanischen Sittenstück. Das geht schief.

          3 Min.

          Es ist legitim, dass Schriftsteller eigene Erlebnisse und Erfahrungen zur Grundlage ihrer Literatur machen, manchmal scheint es sogar zwingend. Manchmal geht es aber auch grandios schief, so wie im neuen Roman von Mario Vargas Llosa. In „Die Enthüllung“ arbeitet sich der achtzigjährige Nobelpreisträger des Jahres 2010 gleich an zwei autobiographischen Blessuren ab: Die eine stammt von der Boulevardpresse, die dem Schriftsteller übel mitspielte, als er sich nach fast einem halben Jahrhundert unlängst von seiner Ehefrau trennte, um ein ehemaliges Model zu heiraten. Das andere Trauma ist nicht privater, sondern politischer Natur und führt zurück in die jüngere Vergangenheit seines Heimatlandes Peru.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Im Jahr 1990 hatte sich Mario Vargas Llosa, der inzwischen in Spanien lebt, um das Amt des peruanischen Staatspräsidenten beworben, die Wahl mündete in eine Stichwahl zwischen ihm und seinem Widersacher Alberto Fujimori. Dabei unterlag der Schriftsteller nicht nur, sondern musste auch in der Folgezeit mit ansehen, wie der zur Macht gelangte Konkurrent Peru Stück für Stück in eine korrupte Scheindemokratie verwandelte und dabei vor Massakern und dem Einsatz von Todesschwadronen nicht zurückschreckte. Im Jahr 2009 wurde Fujimori für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu fünfundzwanzig Jahren Gefängnis verurteilt und sitzt seither in Haft.

          Yoga-Übungen gegen Terror und Angst

          Mario Vargas Llosa hätte mithin reichlich Stoff gehabt für einen großen Roman, ein peruanisches Sittenstück, enthüllend im Sinne der Romantitels. Stattdessen bringt er in einer plotgetriebenen, von Dialogen durchsetzten Erzählung die beiden Sphären uninspiriert zusammen: den Boulevard, der noch jeden unbescholtenen Bürger zur Strecke bringen kann, und Fujimoris Schreckensregiment, das ein Land in Angststarre versetzt. Die Macht des Staates, so die These, baut auf die Macht öffentlicher Vernichtung: Wer dem Regime nicht passt, wird mit Hilfe gekaufter Schreiberlinge durch üble Nachrede, Denunziation und Falschaussagen bloßgestellt, Existenzen vernichtet.

          Seine Geschichte siedelt Vargas Llosa in den neunziger Jahren in der Hauptstadt Lima an. Die Oberschicht befindet sich längst in der inneren Emigration, dem Terror und der Furcht entgeht man in diesen Kreisen mit Yoga-Übungen und Wochenendausflügen nach Miami. Gelangen Bekannte von Bekannten doch einmal in die Hände von Terroristen oder die Mühlen der Politik, wird allenfalls darüber spekuliert, welchen Therapeuten die Hinterbliebenen am besten aufsuchen sollten.

          Buffoszenen einer peruanischen Dekadenz

          Zwei Paare sind das zynische Abbild dieser von Ignoranz und Arroganz geprägten Schicht. Auch sie haben sich allenfalls zuschulden kommen lassen, in ihrer Luxusblase vor sich hin zu leben, als sie durch Zufall in die Menagerie der öffentlichen Diffamierung geraten. Enrique, ein erfolgreicher und eigentlich glücklich verheirateter Unternehmer, wird mit Fotos erpresst, die ihn in ungünstiger Pose mit Prostituierten zeigen. Als er sich weigert, auf die Forderungen des Klatschreporters Garro einzugehen, veröffentlicht der umgehend sein Material. Enrique, von der öffentlichen Schmach gebeutelt, sucht Rat bei seinem Freund, dem Anwalt Luciano.

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