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Marcel-Reich-Ranicki : Wer ist Hölzenbein?

  • -Aktualisiert am

Fußball ist nicht sein Leben - aber das Lesen Bild: dpa

Kann Marcel Reich-Ranickis Leben besser erzählt werden, als er es selbst in „Mein Leben“ tat? Der Biograph Thomas Anz erweist sich als heimlicher Autobiograph gegenüber seinem verehrten Helden.

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          "Mein Leben", die Autobiographie von Marcel Reich-Ranicki, der an diesem Mittwoch seinen vierundachtzigsten Geburtstag feiert, ist so erfolgreich wie die erfolgreichsten Autobiographien, die seit 1945 erschienen sind: "Mein Leben" von Alma Mahler-Werfel und Carl Zuckmayers "Als wär's ein Stück von mir". Kann Reich-Ranickis Leben besser erzählt werden, genauer, informativer? Was traut ein Biograph sich zu, der sich daran wagt? Will er andere Leser erreichen als die vielen, die der Autobiograph schon für sich gewonnen hat? Wo mag es die geben?

          Thomas Anz, Literaturprofessor in Marburg, hat ein schmales Buch geschrieben, das dem Leser die Berühmtheit seines Helden erklärt. Der Band "Marcel Reich-Ranicki", erschienen in der Porträtreihe des Deutschen Taschenbuch Verlags, bietet auf 170 unterhaltsam mit zahlreichen Fotos und farblich unterlegten Zitaten gestalteten Seiten eine Anleitung zum Staunen. Aber auch zum nachdenklichen Innehalten. Der Leser begegnet seiner Lektüre der Autobiographie Reich-Ranickis in der Zusammenfassung, wie sie Anz gibt. Das ist für sich schon so lehrreich und erbaulich, wie es die Beschäftigung mit einem klugen Reiseführer nach Abschluß der Reise sein kann.

          Noch einiges mehr

          Aber Anz gibt noch einiges mehr. Wo der Autobiograph dem Leser Urteile über prekäre Stationen und Konstellationen seines Lebens nur mittelbar nahelegen kann, weil die dazu nötige Distanz den Duktus der Erzählung stören würde, darf der Biograph essayistisch ausbreiten, was er bemerkt hat und für bemerkenswert auch durch andere hält. Daß Reich-Ranicki wenig von seinem Vater hielt, ist so ein Punkt bei Anz, der manchen Leser veranlassen mag, sich dazu noch einmal die Autobiographie selbst vorzunehmen.

          Wo die Erinnerungen Reich-Ranickis von ihm selbst am eindrucksvollsten formuliert worden waren, in der Schilderung der Jahre im besetzten Polen, wahrt der nachfolgende Biograph die größte Zurückhaltung. Und er tut gut daran. Anders verhält er sich in den Kapiteln, in denen er seinem Helden als Zeitzeuge entgegen- oder zur Seite treten kann. Da Reich-Ranickis unmittelbar nach Kriegsende begonnene Karriere im polnischen Geheimdienst erst 1994 im Westen bekannt wurde und zu heftigen Polemiken Anlaß gab, entwickelt Anz seine Darstellung der Nachkriegszeit in diesem Fall aus seiner Parteinahme für Reich-Ranicki. Dagegen ist nichts einzuwenden. Die Gründe für den so lang bedrohten, knapp dem Tode entkommenen Juden, sich den Kommunisten anzuschließen, sind plausibel, und die anfängliche Karriere, die auf diesen Schritt folgte, ist nicht zu beanstanden.

          Verkürzungen und Vereinseitigungen

          Je weiter freilich der Biograph in der Zeit vorankommt, die er aus eigenem Erleben zu kennen meint, um so stärker versucht er, seine Perspektive mit der des Autobiographen zu verschmelzen - wobei die eigene maßgebend ist. Hier kommt es zu Verkürzungen und Vereinseitigungen, von denen manche zeittypisch - typisch für die siebziger Jahre - sind, manche aber auch dazu dienen, die persönlichen Empfindungen, bei denen sich Biograph und Autobiograph einig sein mögen, affirmativ zu bekräftigen.

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