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Madoff-Skandal : Ein sehr gutes Gefühl

  • -Aktualisiert am

Der Schwiegervater und die Braut bei der Hochzeitsfeier Bild: Blue Rider Press

Wie lebt es sich unter Superreichen? Bernie Madoffs Schwiegertochter hat über ihr Leben in einem Kreditkartenhaus einen präzisen Bericht verfasst. Er endet mit einem kalten Entzug.

          Wie lebt es sich im Geld? Nicht mit einem guten Gehalt oder einem ansehnlichen Vermögen, sondern in einer Umwelt, in der die Milliarden einfach da sind, wie Berge in den Alpen. Wie ist das, wenn jener Stoff, dem der Rest der Menschheit so brav nachhechelt, das eigene Leben sanft umhüllt? Macht er das Leben leichter? Verändert er den Umgang, den die anderen mit einem pflegen? Und welchen Blick hat man auf die Welt, wenn man sie hinter einem Vorhang aus sanft plätschernder Liquidität betrachtet?

          Dafür, dass das obere Prozent, die Reichen unter den Reichen, gerade so sehr die Weltpolitik und die öffentliche Phantasie beschäftigt, wissen wir ziemlich wenig davon. Dabei müssen wir dringend etwas über sie lernen, nicht zuletzt, um zu vermeiden, dass sich ein Schlamassel wie die seit Jahren unsere Lebenswelt unterminierende Krise wiederholt.

          In den Vereinigten Staaten ist eben ein Buch erschienen, das auch als eine Sozialgeschichte der Wall-Street-Eliten gelesen werden kann. Geschrieben hat es eine junge Frau, die einst das Glück hatte, den begehrtesten Mann Manhattans zu daten, ihn später heiratete und zwei Kinder mit ihm bekam. Durch die Ehe mit dem zehn Jahre älteren, geschiedenen Mark, der in der Firma seines Vaters arbeitete, wurde sie Teil des feinsten und angesehensten Clans der ganzen Geldwelt, jener Familie, die ihren guten Namen auch der allseits so bewunderten Firma gegeben hatte: Madoff Securities.

          Behalt deine Million!

          Das Buch selbst ist keine große Literatur und hat keine Scoops zu bieten, aber in seiner Wut und seiner Präzision ist es doch das Buch der Stunde. Denn die Mechanismen, mit denen Madoff das Leben seiner Familie untergrub, bis alles einstürzte, gleichen denen, mit denen die großen Geldhäuser in ihrem wunderbaren Treiben und Trachten nun das Leben von Staaten und Gesellschaften bedrohen. Der Titel passt perfekt zu unserer Gegenwart: „The End of Normal“.

          Insofern ist Stephanie Madoff Mack eine wunderbare Quelle: Sie verfolgt keine radikale politische Agenda und hatte für ihren Schwiegervater, der zugleich der Arbeitgeber ihres Mannes war, nichts als Bewunderung übrig. Sie wurde von Bernie und seiner Frau Ruth schnell als vollwertiges Familienmitglied anerkannt und aufgenommen, mit allem was dazugehört. Und bei den Madoffs gehörte immer Geld dazu, das war ja das Geschäft der Familie: Aus Geld mehr Geld zu machen. So wurde eines schönen Tages Stephanies geliebter Stiefvater Marty von Bernie Madoff empfangen, ein Termin, auf den selbst die größten Namen Hollywoods Monate warten mussten, wenn er denn überhaupt bewilligt wurde. Marty wollte sein Geld bei Madoff anlegen, aber es gab ein peinliches Problem: Er hatte nur eine Million. Wie so oft lehnte Madoff ab - der Fonds sei schon geschlossen, fand aber dann doch einen Weg: „Ich tue doch alles für meine Mischpoche!“ So überwies der Vater der Braut seine Ersparnisse dem König Midas der Wall Street und hatte ein gutes Gefühl.

          Kauf den ganzen Laden!

          Marty war ein berühmter Anwalt gewesen, wird im Buch als kluger Kopf und weise abwägender Zeitgenosse geschildert. Es gab bei Madoff Securities keine Superrenditen mit heißen Hebeln, sondern eine familienfreundliche, beständige Wertanlage, die schön zuverlässig zwischen acht und zwölf Prozent brachte. Heute wissen wir, dass Martys Million direkt zur Kasse ging, wo sie als angebliche Rendite in Wahrheit nie getätigter Investitionen an ältere Anleger ausgezahlt wurde. Es war alles ganz einfach, darum musste Madoff sich sehr kompliziert geben. Nie durfte sich jemand Notizen machen, nie gab er über seine Anlagestrategie Auskunft. Wenn Anleger etwas Schriftliches haben wollten, ließ er nachschauen, welche Papiere er vor welcher Zeit hätte kaufen müssen, um ungefähr auf die gewünschte Ausschüttung zu kommen - rückwärts spekulieren ist auch viel stressfreier.

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