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Loriot-Biographie : Geschmückt mit fremden Federn

  • -Aktualisiert am

Loriot wird gern zitiert. Hier wirbt ein Sanitärunternehmen an einer Hausfassade mit den zwei Herren in der Badewanne. Bild: dpa

Eine Biographie über den Humoristen Loriot darf nicht mehr verkauft werden, weil sie zu viele Zitate des Dargestellten enthielt. Loriots Tochter hatte gegen diese Urheberrechtsverletzung geklagt.

          Dieter Lobenbretts Buch „Loriot. Biographie“, das nur wenige Tage nach dem Tod des Humoristen Vicco von Bülow alias Loriot im August 2011 im Münchener Riva Verlag erschienen war, darf nicht mehr verkauft werden. Dies bestätigte am Mittwoch das Braunschweiger Landgericht und entsprach damit einer Klage der Erbin Susanne von Bülow.

          Umschlagbild des Buches „Loriot. Biographie“ von Dieter Lobenbrett
          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Tochter des Humoristen hatte gegen den Verlag geklagt, weil viele Zitate ihres Vaters in der Biographie ständen, die gegen das Urheberrecht verstießen. „Es sind sehr viele Zitate, um die es ging - nicht nur drei oder fünf“, sagte die Anwältin der Klägerin, Christine Danziger, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Beanstandet worden waren insgesamt 68 Textstellen. Bei 35 davon hat das Gericht nun der Beanstandung recht gegeben. Das Buch darf somit in seiner vorliegenden Form nicht mehr verkauft werden.

          Die Grenzen des Zitatrechts

          Während des Verfahrens hatte eine Sprecherin des Riva Verlags noch von einer Grundsatzentscheidung gesprochen, um die es in diesem Fall gehe. Es könne nicht sein, dass es verboten sei, in einer Biographie Zitate zu verwenden.

          Die Anwältin der Gegenseite, Danziger, erklärte dazu im Gespräch mit dieser Zeitung, dass das Zitatrecht Grenzen habe. Ein Zitat könne als Beleg angeführt werden, müsse eine dienende Funktion haben oder als „Erörterungsgrundlage“ dienen. Dies sei aber bei den beanstandeten Zitaten in der Loriot-Biographie nicht der Fall gewesen, sie hätten vielmehr dazu gedient, dass sich der Autor der Biographie mit fremden Federn schmücke, was gerade bei Loriots humoristischen Zitaten naheliege.

          Das Urteil des Braunschweiger Gerichts ist noch nicht rechtskräftig. Eine Sprecherin des Riva-Verlages sagte allerdings dieser Zeitung, man sei zufrieden mit dem Urteil und werde keine Berufung einlegen. Die beanstandeten Änderungen an Lobenbretts Biographie würden vorgenommen und das Buch dann in neuer Form in Nachdruck gehen.

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