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Longlist zum Deutschen Buchpreis : Fünf gegen fünfzehn

162 Bücher standen zur Auswahl, zwanzig wurden nun für den Deutschen Buchpreis nominiert - unter ihnen Bodo Kirchhoffs „Die Liebe in groben Zügen“
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          Das Alphabet macht am Schluss die Dominanz eines einzelnen Verlags auf der diesjährigen Longlist für den Deutschen Buchpreis überdeutlich: Clemens J. Setz, Stephan Thome und Ulf Erdmann Ziegler sind die letzten drei aufgezählten Autoren, und ihre nominierten Romane „Indigo“, „Fliehkräfte“ und „Nichts Weißes“ erscheinen jeweils bei Suhrkamp. Damit nicht genug: Mit „Gutschriebene Verluste“ von Bernd Cailloux und „Johann Holtrop“ von Rainald Goetz sind noch zwei weitere Titel von Suhrkamp im Rennen. Das ist umso bemerkenswerter, als nur ein anderer Verlag mehr als einen Platz auf der Longlist bekam: Wallstein mit „Sunrise“ von Patrick Roth und Dea Lohers „Bugatti taucht auf“. Für so große und in den vergangenen Jahren am Markt sehr erfolgreiche Häuser wie S. Fischer, Rowohlt, Dumont und Kiepenheuer & Witsch gab es dagegen gar keine Nominierung.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Suhrkamp gegen den Rest der Branche - das hätte man noch vor kurzem nicht erwartet. Aber das Herbstprogramm des Berliner Verlags (nur Cailloux’ Buch erschien bereits im Frühjahr) ist in der Tat extrem stark und da, wo es das nicht ist, zumindest prominent besetzt. Man darf gespannt sein, wie viele Suhrkamp-Bücher es dann schließlich auf die nur noch sechs Titel umfassende Shortlist schaffen werden, die in vier Wochen veröffentlicht wird. Wird das gelungene Buch über eine persönliche Krise - Thomes „Fliehkräfte - sich gegen das gezwungene Buch über die Wirtschaftskrise - „Johann Holtrop“ von Goetz - durchsetzen? Wie weit geht die Jury beim gewagten Erzählstil von Setz mit, wo doch Cailloux und Ziegler eher klassisch daherkommen? Aber selbst im drastischsten Fall gibt es ja noch einen Platz auf der Shortlist neben Suhrkamp.

          Literarische Schwergewichte und eine große Überraschung

          Angesichts dieser Übermacht droht übersehen zu werden, wie zielsicher die Jury einige Bücher auf die Longlist gehoben hat, die sich an die Grenzen dessen vorwagen, was Roman ist. Mit Ursula Krechels „Landgericht“, der bei Jung und Jung erscheint, hat sie eine souveräne Gratwanderung zwischen Dokumentation und Fiktion gewürdigt. Ähnlich verhält es sich mit „Bugatti taucht auf“.

          Mit der Nominierung von Angelika Meiers „Heimlich, heimlich mich vergiss“ zahlt sich die konsequente neue Programmpolitik von Diaphanes aus, während Sten Nadolny mit der Aufnahme von „Weitlings Sommerfrische“ (Piper) in die Longlist den gerechten Lohn fürs Wiederanknüpfen an alte Meisterschaft und vertraute Themen erhält. Gleiches gilt für Ernst Augustins „Robinsons blaues Haus“ (C.H. Beck) und - bei allerdings deutlich geringerem Lebensalter der beiden Verfasser - für „die Laute“ von Michael Roes (Matthes & Seitz) und „Wir in Kahlenbeck“ von Christoph Peters (Luchterhand). Und natürlich ist auch das Schwergewicht des Literaturherbstes, Bodo Kirchhoffs „Die Liebe in groben Zügen“ (Frankfurter Verlagsanstalt), auf der Longlist vertreten.

          Die größte Überraschung ist „Scherbengericht“ des über siebzigjährigen Debütanten Germán Kratochvil (Picus). Zusammen mit Krechels Roman und Jenny Erpenbecks „Aller Tage Abend“ (Knaus) ist hier eine Trias von Familiengeschichten versammelt, die jeweils das ganze zwanzigste Jahrhundert mit seinen Abgründen umfassen. Frank Schulz mit „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ (Galiani Berlin) sorgt dagegen für grotesken Humor bei höchster Sprachsouveränität.

          Eine exzellente Auswahl

          Quote spielte keine Rolle bei den Nominierungen: Nur sechs Romane von Frauen finden sich auf der Zwanzigerliste. Milena Michiko Flašars „Ich nannte ihn Krawatte“ (Wagenbach) ist davon die unerwartetste, aber umso erfreulichere Nominierung. Der Longlist-Platz für Olga Grjasnowas „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ belohnt den größten Erfolg des Hanser Verlags im Frühjahr. Dass das Münchner Haus aber Karl Heinz Bohrers fulminante Erzählung Granatsplitter“ gar nicht erst einreichte, mag verstehen, wer will.

          Und schließlich ist da Wolfgang Herrndorf mit „Sand“ (Rowohlt Berlin), der im Frühjahr schon den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat. Konsequenterweise hat die Frankfurter Jury ihn trotzdem in ihre Longlist aufgenommen - womit es zum ersten Mal seit der Etablierung beider Preise im Jahr 2005 die Chance auf den Gewinn des Doubles gibt. 162 Bücher wurden von der Jury geprüft; die zwanzig nun nominierten sind eine exzellente Auswahl.

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