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Londoner Buchmesse : Der Schatten des Kindes

Für drei Millionen Euro wechselte Carlos Ruiz Zafón zu S. Fischer - mitsamt neuem Roman und drei Kinderbüchern Bild: AP

Neues von Carlos Ruiz Zafón, Autor von „Der Schatten des Windes“, und Künftiges von Ken Follett zu Preisen, die Verleger keuchen lassen: Auf der Londoner Buchmesse geht es um den Kommerz. Also um Kinderbücher, Communities und Klimaschutz.

          Buchmessen sind dazu da, dass man möglichst schon vor ihrem Beginn das wichtigste Geschäft abschließt. Das ist heuer nicht anders, jedenfalls aus Sicht der deutschen Belletristikverleger. Ein Haufen Pulver war schon verschossen, bevor diese die Flugzeuge gen London bestiegen. Beim diesjährigen „pre-fair deal“ ging es um Carlo Ruis Zafón, dessen internationaler Bestseller „Der Schatten des Windes“ den Katalanen zu einem gefragten Mann gemacht hat. Suhrkamp verkaufte davon in der deutschen Übersetzung an die zwei Millionen Exemplare. Nun war ein Buchpaket auf dem Markt, und die Tatsache, dass die langjährige Lektorin und Zafón-Entdeckerin Michi Strausfeld (siehe auch: Michi Strausfeld verlässt den Suhrkamp Verlag) Suhrkamp im Unfrieden den Rücken gekehrt hat, mag einen Verlagswechsel befördert haben.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Fünf Verlage nahmen an der Auktion teil, darunter auch Suhrkamp, als Sieger ging der Frankfurter S. Fischer Verlag vom Platz. Drei Millionen Euro hat sich Verlagsleiter Jörg Bong den nächsten Roman Zafóns sowie drei fertige Kinderbücher kosten lassen - eine Investition in eine langjährige Zusammenarbeit, wie Bong erklärt. Das nächste Buch wird an „Der Schatten des Windes“ anknüpfen und den Mittelteil einer Trilogie bilden. Auch andernorts in Deutschland, besagen Messegerüchte, hat man schon tief in die Tasche gegriffen. In Bergisch-Gladbach, bei Lübbe, soll man Ken Follett, der gerade mit „Die Tore der Welt“ Verkaufserfolge feiert, für zwölf Millionen Euro weiterverpflichtet haben. Das sind Preisregionen, die Verleger in Keuchgebiete treiben.

          Wie ein Bienenstock, der Silvester feiert

          Nach zwei Jahren in den Docklands hat Reed Exhibitions die Buchmesse London wieder in den Westen der Metropole verlegt, nach Earls Court. Der 1937 eingeweihte expressive Ausstellungsbau in Muschelform ist an drei Tagen der Nabel der englischsprachigen Buchwelt. Kaum ein deutscher Publikumsverlag, der nicht einen Abgesandten schickte. Andrew Franklin, Verleger des kleinen, feinen Sachbuchverlags Profile Books, versteht die teutonische Begeisterung für London nicht: „Frankfurt ist viel internationaler, es bleibt das Maß aller Dinge.“

          Aber wo in Frankfurt der Betrieb in den Auslandshallen gemächlich wirkt, summt die London Book Fair wie ein Bienenstock, der Silvester feiert. Hier geht es nicht um Repräsentation, sondern konzentriert ums Geschäft, und darin ist die angelsächsische Buchwelt der deutschen immer ein paar Nasenlängen voraus. Keine Rede von Kulturgut oder Buchpreisbindung; die Kommerzialisierung, die Weiterentwicklung des Produktes Buch steht an erster Stelle.

          Das ganz normale Verhalten eines Wirtschaftsunternehmens, Gewinne anzustreben, stößt dabei regelmäßig an Grenzen der Berechenbarkeit. Im Augenblick sehen viele Verlage die Rettung im Kinderbuch. Alle Welt scheint ins Kinderbuch zu flüchten, und damit sind auch die Bücher gemeint, die eigentlich für jene Erwachsenen gemacht werden, deren Lesekompetenz auf eher jugendlichem Reifegrad verharrt. Random House Deutschland hat soeben die Gründung eines neuen Imprints bekanntgegeben: Penhaligon soll als „All-Age“-Verlag Fantasy für Jugendliche und Erwachsene bieten.

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