https://www.faz.net/-gqz-7pw06

„Literaturclub“-Streit geht weiter : Das Heidegger-Zitat der Elke Heidenreich

Unterstützt von der Kulturchefin des Schweizer Fernsehens: Elke Heidenreich Bild: Julia Zimmermann

Das Schweizer Fernsehen blamiert sich im Streit um den „Literaturclub“. Trotz erheblicher Kritik an ihrem Verhalten hat sich Stephanie Wappler, die Kulturchefin des Senders, hinter Elke Heidenreich gestellt. Herr Zweifel muss gehen.

          2 Min.

          Stefan Zweifel muss seinen Hut nehmen. Der Moderator des „Literaturclubs“ des Schweizer Fernsehens (SRF), der auch auf 3sat ausgestrahlt wird, wurde entlassen. Er hatte Elke Heidenreich ein falsches Heidegger-Zitat - es ging um die „Schwarzen Hefte“ - vorgeworfen, was die Kritikerin empört von sich gewiesen hatte. Der Streit ist eskaliert. Am vergangenen Wochenende forderte der Schriftsteller Adolf Muschg den Sender auf, einzugestehen, dass die Absetzung des Moderators ein Fehler war. Das SRF besteht aber hartnäckiger denn je auf der Darstellung, dass die Entlassung und das Zitat rein gar nichts miteinander zu tun hätten.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Dass es sich nur um einen chronologischen Zufall handeln soll, ist aber nicht nachvollziehbar: Für Ende Juni war ein Gespräch anberaumt, in dem es um den „Kritiker-Pool“ des „Literaturclubs“ und nicht um Zweifels Position gehen sollte. Elke Heidenreich ist inzwischen bestrebt, ihr ominöses Zitat zu verkürzen: Sie habe das Wort „entbergen“ in der „Süddeutschen Zeitung“ gefunden und „so originell, dass ich es hier verwendete“. Es sei „deutlich mündliche Rede“ gewesen. Kein Heidegger-Zitat also, nur Elke Heidenreichs „Fazit“.

          „Elke Heidenreich hat sich unprofessionell verhalten“

          Um dessen Gewicht zu unterstreichen, hatte sie in der Sendung mit theatralischer Geste das Buch auf den Tisch geworfen. Nicht nur Stefan Zweifel hat Elke Heidenreich nicht so verstanden, wie sie es gemeint haben will. Man kann sich im Internet die Sequenz anschauen. „Elke Heidenreich hat sich unprofessionell verhalten“, sagt Peter Studer, der fünfzehn Jahre lang Chefredakteur des Schweizer Fernsehens und damit für den „Literaturclub“ zuständig war. Er macht dem Sender schwere Vorwürfe: Die Verantwortlichen hätten Heidenreich und Zweifel an einen Tisch bringen und danach eine Erklärung abgeben müssen.

          Tage nachdem ihr Studer die Leviten gelesen hatte, meldete sich die Leiterin der Kulturabteilung des SRF, Nathalie Wappler, endlich zu Wort. „Es gab öffentlich keinen Klärungsbedarf“, sagte sie der NZZ, deren Medienredakteur das Fernsehen scharf kritisiert hatte. „Zwei Worte“, so Nathalie Wappler, habe Elke Heidenreich von Heidegger zitiert, der Rest sei „Meinungsäußerung in einer Diskussionssendung“ gewesen - über die Frage, ob Heidegger die sogenannte Ausmerzung der Juden propagiert habe oder nicht.

          Zudem, so Wappler, habe Stefan Zweifel als Diskussionsleiter den Standpunkt des Fernsehens deutlich gemacht. Gleichwohl hält es die Kulturchefin nicht mit ihrem Repräsentanten in der Sendung, sondern mit der Gastkritikerin Elke Heidenreich. Zweifel wird ins Abseits gestellt. Im Juni wird Rainer Moritz beim „Literaturclub“ ersatzweise in die Bresche springen. Spannender als die Frage nach einem neuen Moderator, der im Herbst übernehmen soll, ist eine andere: Wird die Sendung mit oder ohne Elke Heidenreich weitergehen? Aber auch diese Frage scheint man sich beim Schweizer Fernsehen gar nicht erst - oder gar nicht mehr - zu stellen.

          Weitere Themen

          Querdenker aus der Nähe

          „Schlafschafe“ bei ZDFneo : Querdenker aus der Nähe

          ZDFneo weckt die „Schlafschafe“ auf. So nennen Querdenker Menschen, die in der Corona-Pandemie angeblich mit dem „Mainstream“ schwimmen. Daraus ist eine ganz muntere Serie geworden.

          Die Klage der Kraniche

          Dantes Verse : Die Klage der Kraniche

          Stöhnensgemeinschaft zwischen Mensch und Tier: In Dantes Hölle finden nicht einmal die Tiere ihren Frieden.

          Topmeldungen

          Am Ende der Welt: der Checkpoint Kalanchak zur Krim

          Russlands Okkupation : Kein Wasser für die Krim

          Im Donbass wird fast täglich geschossen, um die Krim aber ist es ruhig. Welche Ziele Russland hier verfolgt, verrät ein Blick auf das Asowsche Meer. Eine Reise im Süden der Ukraine.
          Windräder in Hessen

          CO2-Reduktion : Die Klimawahl

          Union und SPD verschärfen die Klimaziele. Aber um die eigentlichen Fragen drücken sie sich herum. Wo etwa sollen neue Stromleitungen entstehen und wie stark steigt der CO2-Preis?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.