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Literatur : Ich war ein katholischer Fundamentalist

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„Wir können uns nicht ausruhen”: Christoph Peters Bild: F.A.Z.-Christian Thiel

Wie ist es, als Schriftsteller von der Realität überholt zu werden? Seit fast zehn Jahren arbeitet Christoph Peters an einem Roman über einen islamistischen Terroristen. Ein Gespräch über Werte, Glauben und Terror.

          „Stadt Land Fluß“ hieß der Roman, mit dem der Schriftsteller Christoph Peters bekannt wurde, ein Roman über die deutsche Provinz. In seinen Erzählungen schickte er seine Figuren dann hinaus in die Welt: nach Ghana, nach Israel oder nach Ägypten. Jetzt schreibt er an einem Roman über islamischen Fundamentalismus, der im Herbst erscheinen wird und wieder in Ägypten spielt. Wir besuchen Christoph Peters zu Hause in Berlin, in seiner Wohnung am Prenzlauer Berg. Auf seinem Schreibtisch liegen sieben verschiedene Übersetzungen des Korans. Es gibt japanischen grünen Tee.

          F.A.Z.: Sie schreiben seit fast zehn Jahren an einem Roman über islamischen Fundamentalismus. Worum geht es genau?

          Der Roman erzählt die Geschichte eines Deutschen, der Ende der achtziger Jahre zum Islam konvertiert und sich zu Beginn der Neunziger einer ägyptischen Terrororganisation anschließt. Er gehört zu einem Kommando, das den Luxor-Tempel zerstören und möglichst viele Besucher töten will. Der Plan wird aber verraten und der Anschlag durch einen massiven Militäreinsatz vereitelt. Die meisten der Kämpfer sterben, einige, darunter auch der Deutsche, werden festgenommen. An diesem Punkt kommt im Roman der deutsche Botschafter ins Spiel. Wenn ein deutscher Staatsbürger im Ausland inhaftiert wird, muß der Botschafter sich um ihn kümmern. Mein Botschafter stammt geistig aus der 68er-Bewegung, gehörte zum erweiterten Sympathisantenkreis der RAF, hat sich aber relativ früh von der Gewalt distanziert und den langen Marsch durch die Institutionen angetreten. Er ist Teil des Systems geworden, das er früher gehaßt hat.

          Sie konfrontieren also einen islamistischen Terroristen mit einem Aufklärer?

          Genau. Den Botschafter fasziniert dieser Mann, der bereit ist, für eine Idee nicht nur zu leben und zu sterben, sondern auch zu töten. Dadurch bricht in ihm wieder auf, was er selbst an Idealen hatte, und er ist mit der Frage konfrontiert, was im Laufe seiner Diplomatenkarriere davon übriggeblieben ist. Diplomatie basiert ja auf Kompromissen, es geht dort nicht um Wahrheit, sondern um Machbarkeit. Insofern ist ein Diplomat ja der personifizierte Kompromiß und damit das krasse Gegenbild zum Terroristen, der um jeden Preis das, was er glaubt, durchsetzen will. Es geht um die Begegnung dieser beiden Männer. Auf den Terroristen wartet die Todesstrafe, der Botschafter muß alles daransetzen, sie zu verhindern.

          Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

          Ich schreibe schon seit 1997 an dem Roman. Damals war gerade der Deutsche Steven Smyrek in Tel Aviv festgenommen worden, weil man wußte, daß er ein Selbstmordattentat für die Hizbullah in Israel durchführen wollte. Er saß dort lange im Gefängnis, kam voriges Jahr im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei und wurde ausgewiesen. Zur Zeit darf er Deutschland nicht verlassen.

          Sie haben ihn kennengelernt?

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