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Linksterrorismus : Seid faul und militant!

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Neue Unsichtbarkeit: Autos brennen, Züge werden gestoppt, Strommasten gefällt - ohne Täter Bild: picture alliance / dpa

Autos brennen, Züge entgleisen, der Strom fällt aus: Überall wachsen die Lust auf Subversion und die Bereitschaft zur Sabotage. Wofür und wogegen kämpfen die neuen Linksradikalen? Das Buch „Der kommende Aufstand“ sucht Antworten.

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          Sie schicken keine Bekennerschreiben. Sie streiten alles ab. Ihre Namen werden uns nichts sagen. Während Bürger in Stuttgart und Bauern im Wendland vor den Fernsehkameras rebellieren, pflegen die Strategen linker Militanz eine neue Unsichtbarkeit. Umso konstanter ist ihre subversive Aktion: Autos brennen, Züge werden gestoppt, Strommasten gefällt, ohne dass die Täter gefasst werden oder dass dafür auch nur eine realistische Chance bestünde.

          Doch das ist erst der Anfang: „Nie war das Gefühl eines unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruchs so lebhaft!“ So steht es in „Der kommende Aufstand“, einem französischen Buch, das dieser Tage abseits der Buchhandlungen und Bestsellerlisten stetig an Lesern und Relevanz gewinnt. Glenn Beck, der einflussreiche rechtsanarchistische amerikanische Fernsehprediger, hat schon vor Monaten eine ganze Sendung lang gegen das Werk monologisiert. An britischen und französischen Universitäten wird es als kanonischer Text studiert und besprochen.

          Und wenn, wie in der vergangenen Woche in Berlin, nachts die Autos brennen, im Kanzleramt ein Sprengkörper griechischer Anarchisten gefunden wird und die S-Bahn aus ungeklärten Gründen ausfällt und sich in der Stadt das Gefühl einer nahenden Großstörung breitmacht, dann passt das dermaßen perfekt zu der in diesem Buch entwickelten Strategie, dass man an bloßen Zufall nicht mehr glauben mag.

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          Die Autoren sind ein namenloses Kollektiv, was nicht verhindert hat, dass das Buch glänzend geschrieben ist. Das schmale Werk, das im Original den Titel „L'insurrection qui vient“ hat, könnte das wichtigste linke Theoriebuch unserer Zeit werden.

          Auflagenzahlen sind hier unerheblich, da das Werk im Netz frei verfügbar ist und gerade dazu anstiftet, Lesegemeinschaften zu bilden. Es erinnert im ersten Teil stark an die kulturkritische Zeitdiagnostik des Michel Houellebecq, der nun schon seit Jahrzehnten die französische Literatur, auch den Publikumsmarkt dominiert - was schon etwas über die philosophisch-politischen Grundeinstellungen eines Landes aussagt.

          Wollust und Unwohlsein

          Auch in „Der kommende Aufstand“ geht es um die Ausweglosigkeit eines immer subtiler operierenden kapitalistischen Systems, um die „Ausweitung der Kampfzone“: von den Schachtfeldern und den Märkten ins Private, Körperliche und Intime, um die Kolonisierung von Gedanken, Gefühlen und Genüssen durch den postmodernen Kapitalismus.

          Dagegen hilft keines der angebotenen Rezepte, finden die Autoren: Selbst eine Bewegung wie Attac oder die Wachstumskritiker von der „décroissance“-Bewegung seien nur der letzte Schrei - ein Wahn, der dem System zu einer noch wirksameren Durchdringung widerständiger Milieus verhelfe. Das Problem, so die Autoren, sind weniger die Parteien und Organisationen der Linken als vielmehr „das Milieu“. Im linken Milieu einer Stadt wie Paris finde nichts Wichtiges statt; dort werde nur üble Nachrede gepflegt, da richte man sich geradezu wollüstig ein im gesamtpolitischen Unwohlsein, im „mauvais confort“.

          Abseits der uns bekannten Formen der politischen Willensbildung empfehlen die Autoren des kommenden Aufstands eine neue Form der Kommune, und zwar möglichst abseits der allgegenwärtigen Netze: Sie wollen, etwas altmodisch, Freundschaften statt bloßer Kontakte und empfehlen statt der Mail, der SMS oder dem Tweet den gegenseitigen Besuch. Ist schöner und hinterlässt keine Spuren.

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