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Lena Dunhams Buch „Not That Kind of Girl“ : Wenn sie nur so gut schriebe, wie sie spielt!

Lena Dunham im Mai in New York Bild: dpa

Die Fernsehserie „Girls“ hat Lena Dunham berühmt dafür gemacht, „differenziert und nicht perfekt“ zu sein. Ihre Performance war mitreißend und überzeugend. Bisher. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben.

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          Die Erfinderin, Produzentin, Regisseurin und Schauspielerin der amerikanischen Fernsehserie „Girls“, Lena Dunham, hat ein Buch geschrieben, „Not That Kind of Girl - Was ich im Leben so gelernt habe“, das in der kommenden Woche im Fischer Verlag erscheint (304 Seiten, 19,99 Euro). Es ist ein Buch, das der Verlag als Belletristik verkauft, als literarisches Werk also, obwohl es auf den ersten Blick eher als eine Mischung aus Ratgeber und Beichte daherkommt oder als das, was man im Englischen ein „memoir“ nennt. Die achtundzwanzigjährige Lena Dunham, die 2012 vom „Time Magazine“ zur „coolsten Person des Jahres“ gewählt wurde, schreibt in Ich-Form. Ihr Ich heißt Lena, weshalb die erste Frage ist, wer hier überhaupt spricht. Ist es eine erfundene Figur, ein Alter Ego? Ist es die Autorin selbst? Und inwiefern lassen sich diese beiden Lenas wiederum von Hannah Horvath unterscheiden, der Heldin aus „Girls“, die von ihr gespielt wird?

          Julia Encke

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Lena Dunham beherrscht dieses Rollen- und Identitätsspiel. Sie betreibt es mit unglaublicher Perfektion. Im Grunde ist es diese Maskerade, die sie berühmt und in Amerika zum Star auf dem roten Teppich gemacht hat. Was sie in den letzten Jahren, seit ihr Name in Verbindung mit der „Girls“-Serie zum ersten Mal auftauchte, erschaffen hat, ist eine Kunstfigur, in der all ihre Rollen miteinander verschmelzen. Der Einfachheit halber sagen alle Lena Dunham zu dieser Figur. Doch gibt es sie nicht wirklich. Sie ist eine Performance, eine Kunstaktion. Und wenn sie jetzt ein Buch geschrieben hat, von dem man nicht sicher sein kann, ob es Literatur ist oder Autobiographie, dann ist dieses Buch natürlich Teil und neue Folge dieser großen Lena-Dunham-Performance.

          Eine Frage der Performance

          „Girls“ muss man sich, wenn man es nicht kennt, als eine Art Gegen-„Sex and the City“ vorstellen. Vier Mädchen schlagen sich in New York mit ihren Freunden, dem Überleben, vor allem aber mit sich selbst herum. Nichts ist hier glamourös oder übertrieben elegant. Keines der Mädchen hat wahnsinnig viel Geld für wahnsinnig teure Schuhe. Hannah trägt mit großer Souveränität Sachen, die ihr nicht stehen und aus diesem Grund dann irgendwie doch. Überhaupt gibt es hier keine Luxuspuppen, die in ihrem konservativen Märchentraum darauf warten, von ihrem Prinzen geheiratet zu werden. Es geht auch um Sex, das ja. Doch gilt für Lena Dunham in der Rolle der Hannah Horvath eher das Gegenteil des berühmten Satzes, dass eine Frau „nie reich und dünn genug sein“ könne. Lena und Hannah sind eher dick, was immer zu sehen ist, niemals kaschiert wird, auch nicht bei den Sex-Szenen, von denen es wirklich viele gibt. Die meisten Menschen, hat Dunham neulich in einem Interview gesagt, sähen beim Sex nicht gut aus. Ihr mache es nichts aus, sich in der Serie so zu zeigen. Darum habe sie sich komischerweise nie gesorgt. „Es gibt so viele Dinge, vor denen ich Angst habe. Aber nackt vor einer Kamera zu liegen gehört nicht dazu.“

          In ihrer Fernsehserie „Girls“
          In ihrer Fernsehserie „Girls“ : Bild: AP

          Wenn das erste Kapitel des Buchs, überschrieben mit „Liebe und Sex“, jetzt mit dem Satz „Als ich neun war, schrieb ich ein Keuschheitsgelübde auf einen Zettel und aß ihn auf“ beginnt; wenn ein ganzer Abschnitt zum Thema „Platonisches In-einem-Bett-Schlafen, eine tolle Idee (für Leute, die sich selbst hassen)“ folgt, dessen Anfang („Lange war ich mir nicht sicher, ob ich Sex gut fand“) man auch als lustige Marcel-Proust-Parodie verstehen kann, wenn man will („Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen“, heißt der erste Satz von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“) - dann ist das alles im Lena- Dunham-O-Ton geschrieben. Ohne weiteres könnte man es sich auch als Hannah-Äußerung in der Serie oder als Interview-Äußerung von Dunham selbst vorstellen. Und so fügt sich das Buch von Beginn an ein in Dunhams feministisches Projekt. Denn darum geht es, um eine kämpferische, feministische Aktion, die Dunham sehr sympathisch macht: „Ich bin eine junge Frau mit dem ausgeprägten Interesse zu bekommen, was mir zusteht, und was hier folgt, sind die hoffnungsvollen Nachrichten von der Front, an der ich dafür kämpfe.“

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