https://www.faz.net/-gqz-7unzl

Lena Dunhams Buch „Not That Kind of Girl“ : Wenn sie nur so gut schriebe, wie sie spielt!

Es ist ein neuer Feminismus, der mit den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wenig gemein hat. Die Überzeugungen, das Ziel, der Kampf für die Gleichheit der Geschlechter sind dieselben - der Weg dorthin, die Mittel und Methoden des Kampfs aber völlig andere: „Meine politische Mission ist groß und allumfassend“, sagt Lena Dunham, „aber meine Kunst ist klein und handelt nur von mir. Ich finde Kunst, die als großes politisches Statement daherkommt, ohne eine spezifische, individuelle Geschichte zu erzählen, furchtbar. Wenn ich schreibe, will ich in meiner eigenen kleinen Sphäre sein. Ich kann mich nicht um die Bedürfnisse anderer Leute kümmern, sonst würde ich gar nichts gebacken kriegen.“

Mit dem Musiker Jack Antonoff vor der Emmy-Verleihung Ende August in Los Angeles
Mit dem Musiker Jack Antonoff vor der Emmy-Verleihung Ende August in Los Angeles : Bild: AFP

Feministische Thesen oder die Idee eines Kampfs, der von ihr stellvertretend für alle durchgeführt wird, findet man deshalb nicht. Ihr Feminismus ist narzisstisch angelegt. Es geht wirklich nur um sie oder besser: um die Kunstfigur Lena Dunham. Akribisch, manchmal fast manisch, oft sehr lustig und ironisch (was sich in der etwas lahmen deutschen Übersetzung des Buches leider nur andeutungsweise vermittelt) dekliniert sie ihren Alltag durch und bleibt bei den Details. Nie erliegt sie der Versuchung, die für sie zutreffenden Erkenntnisse zu verallgemeinern, von sich auf andere zu schließen. Im Gegenteil: Sie kennt diese Versuchung überhaupt nicht.

Da sie mit ihrer hochgelobten Serie und ihren öffentlichen Auftritten eine so große Wucht entwickelt hat, ist sie schnell als „Stimme ihrer Generation“ wahrgenommen worden, womit andere die Verallgemeinerung vornahmen, der sie sich verweigert: „Lena Dunham ist die Stimme einer ganzen Generation - und hält zum Glück selten den Mund“ steht jetzt auch auf dem Cover des neuen Buchs. Und natürlich ist es eine sehr gute Nachricht, wenn eine junge Frau auf so intelligente Weise berühmt dafür wird, „differenziert und nicht perfekt“ zu sein; wenn andere in ihr ein Vorbild sehen und sich ermutigt fühlen, „Not That Kind of Girl“ zu ihrem eigenen, individuellen Projekt zu machen.

Bild: S. Fischer

Allerdings muss die Performance stimmen. Sie muss richtig gut sein, mitreißend und überzeugend. Sie war es bisher, das war der Erfolg des Phänomens Lena Dunham. Aber im Buch ist sie es nicht mehr. Denn Lena Dunham schreibt ohne jede Struktur. Beim Lesen hat man den Eindruck, dass sie einfach in die Tastatur gehämmert hat, was ihr in den unterschiedlichsten Lagen ihres Lebens so durch den Kopf gerauscht ist, angereichert durch endlose Listen: Listen von Leuten, „mit denen es okay ist, in einem Bett zu schlafen“; „mit denen du besser nicht in einem Bett schlafen solltest“; „18 unglaubliche Dinge, die ich mal beim Flirten gesagt habe“; „Meine schlimmste E-Mail aller Zeiten, mit Anmerkungen“ und so weiter. Das ist manchmal lustig, aber auf die Dauer ist es wahnsinnig nervig. Insgesamt kommt es einem so vor, als telefoniere man endlos lange mit einer Freundin, die gar nicht aufhört zu reden und auch nicht merkt, dass sie einen langweilt. Bald hält man den Hörer in die Luft und fragt sich, wieso man mit ihr noch befreundet ist. Irgendwann verabschiedet man sich müde.

Und so ist die Enttäuschung groß. In Lena Dunhams enthemmten Geplapper verschwindet auch das feministische Projekt. Man hat nicht das Gefühl, dass es ihr wirklich um etwas geht.

Weitere Themen

Topmeldungen

Beim Grillfest der SPD in Rostock: Ministerpräsidentin Schwesig

Schwesig im Wahlkampf : Als stünde sie allein im Ring

Beflügelt durch die Beliebtheit der Ministerpräsidentin steht der SPD in Mecklenburg-Vorpommern ein historischer Sieg bevor. Wie ist das Manuela Schwesig gelungen?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.