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Krimibestenliste im Dezember : Nieder mit der Heuchelei!

  • Aktualisiert am

Die besten Krimis des Monats Bild: Illustration Kat Menschik

John le Carré schleicht sich an die Spitze, und vier Neuzugänge sorgen für stilistische Vielfalt: Die Frankfurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur präsentieren die besten Krimis im Dezember.

          2 Min.

          1.

          John le Carré – Federball
          Plazierung im Vormonat: 4

          London. Nat und Ed, alternder Spion und radikal junger Remainer, ein wenig Vater und Sohn, bei 15 Badmintonspielen. MI6 und Bruderdienst CIA in Zeiten von Brexit und Trump: wenig Verstand, politisch konfus, dreist korrupt. Le Carré mit 88: liebenswürdig, klar, elegant. Verficht Jugendtraum Europa.
          Aus dem Englischen von Peter Torberg. Ullstein, 352 Seiten, 24 Euro.

          2.

          Hannelore Cayre – Die Alte
          Plazierung im Vormonat: 10

          Paris. Madame Portefeux übersetzt seit 25 Jahren Arabisch für die Polizei. Ihr Verdienst geht für das Altenheim der Mutter drauf. Als sie auf einen Berg Haschisch stößt, greift sie zu. Alle leben vom Drogenhandel – warum nicht sie? Nieder mit der Heuchelei, die Frechheit an die Macht!
          Aus dem Französischen von Iris Konopik. Ariadne im Argument Verlag, 203 Seiten, 18 Euro.

          3.

          Paulus Hochgatterer – Fliege fort, fliege fort
          Plazierung im Vormonat: 3

          „Furth am See“. Mehr Provinzstadtanalyse als Kriminalroman: Opfer von Kinderheimgewalt nehmen sich das Recht zur Vergeltung, kommentiert und observiert von Kripomann Kovacs und Psychiater Horn. Rassistenautos brennen, Kinder werden entführt. Offen in alle menschlichen Richtungen, Lob der Erzählfreiheit.
          Deuticke, 286 Seiten, 23 Euro.

          4.

          Norbert Horst – Bitterer Zorn
          Plazierung im Vormonat: 8

          Dortmund. Im Krieg zweier Clans wird ein Mädchen entführt. Ein junger Einbrecher ist auch verschwunden. Steiger behält im Dauerstress klaren Kopf und hat Ideen. Das Gesetz (des Handelns) halten andere in der Hand. Straßenrealistisch, seelengenau: Bei Norbert Horst wird Polizeialltag Literatur.
          Goldmann, 320 Seiten, 13 Euro.

          5.

          Regina Nössler – Die Putzhilfe
          Plazierung im Vormonat: /

          Senden, Berlin-Neukölln. Klassenwechsel: Die promovierte Soziologin Franziska lässt in der Münsterländer Provinz Mann und Haus hinter sich, taucht in Berlin unter und verdingt sich als Putzhilfe. Raffiniertes Spiel mit Krimi- und Sozialklischees. Ganz aus der Perspektive dreier verstörter Frauen.
          Konkursbuch, 402 Seiten, 12,90 Euro.

          6.

          Fuminori Nakamura – Der Revolver
          Plazierung im Vormonat: /

          Tokio. Wer einen Revolver hat, schießt auch. Nishikawa hat einen gefunden, bei einem Mann, der sich vermutlich damit umgebracht hat. Jetzt übernimmt der Revolver den Mann. Nishikawas Inneres macht alles durch, was der Revolver will, dieses Symbol des Todes, der Macht und der amerikanischen Kultur.
          Aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg. Diogenes, 186 Seiten, 22 Euro.

          7.

          James Lee Burke – Mein Name ist Robicheaux
          Plazierung im Vormonat: /

          New Iberia. Männerrivalität: Politiker Nightingale und Schriftsteller Broussard ringen um den wahren Süden, einer als Kandidat, einer als Filmemacher. Dazwischen Robicheaux, der nicht weiß, ob er im Suff den Mann umgebracht hat, der seine Frau tötete. Abgründe der Gewalt, vom Epiker aus Louisiana.
          Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Pendragon, 600 Seiten, 22 Euro.

          8.

          Simone Buchholz – Hotel Cartagena
          Plazierung im Vormonat: 6

          Hamburg, Cartagena. Henning ist der Seemann, der nie wieder nach Hamburg zurückkommen will. Sein Glück findet er im kolumbianischen Cartagena, sein Unglück auch, das kommt aus der Hansestadt. Chastity und Freunde werden Geiseln eines großen Racheakts. „Überall schwarze Löcher.“ Blow out.
          Suhrkamp, 230 Seiten, 15,95 Euro.

          9.

          Sarah Schulman – Trüb
          Plazierung im Vormonat: /

          New York 2017. Suchtkranke verstehen was von Sucht. Maggie Terry nutzt ihre zweite Chance. Als Privatermittlerin eines Anwalts quält sich die Ex-Polizistin, nach dem Entzug geschüttelt von Flashbacks und Versuchungen, ermittelnd zurück ins Soziale. Vereinsamt, verraten, in einer kranken Stadt.
          Aus dem Englischen von Else Laudan. Ariadne im Argument Verlag, 270 Seiten, 20 Euro.

          10.

          Dror Mishani – Drei
          Plazierung im Vormonat: 5

          Tel Aviv, Bukarest. Drei Frauen – immer derselbe Mann. Über ein Dating-Portal für Geschiedene kommen Orna und Gil zusammen. Bis sie mitkriegt, dass er sie getäuscht hat. Emilia und Ella queren auch seinen Weg. Der Rest ist Kritikers Schweigen und Bewunderung. Vivisektion der Alltagsbösartigkeit.
          Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Diogenes, 336 Seiten, 24 Euro.

          Die Jury

          Tobias Gohlis, Sprecher der Jury  |  Volker Albers, „Hamburger Abendblatt“ | Andreas Ammer, „Druckfrisch“, BR | Gunter Blank, „Rolling Stone“ | Thekla Dannenberg, „Perlentaucher“ | | Hanspeter Eggenberger, „Tages-Anzeiger“ | Fritz Göttler, „Süddeutsche Zeitung“ | Jutta Günther, „Radio Bremen Zwei“ | Sonja Hartl, „Zeilenkino“, „Crimemag“, „Deutschlandfunk Kultur“ | Hannes Hintermeier, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ | Peter Körte, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“| Kolja Mensing, „Deutschlandfunk Kultur“ | Marcus Müntefering, „Spiegel Online“ | Ulrich Noller, WDR, „Deutschlandfunk Kultur“, SWR | Frank Rumpel, SWR | Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin | Ingeborg Sperl, „Der Standard“ | Sylvia Staude, „Frankfurter Rundschau“ | Jochen Vogt, „NRZ“, „WAZ“.

          Die Jury erreichen Sie per E-Mail unter krimibestenliste@faz.de
          Einen Newsletter zur Krimibestenliste mit ergänzenden Informationen zu den neuen Titeln können Sie unter www.togohlis.de/anmeldeseite abonnieren.

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