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Krimibestenliste im August : Lob des coolen Alten

  • Aktualisiert am

Die besten Krimis des Monats Bild: Illustration Kat Menschik

F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur präsentieren die besten Krimis: der Australier Garry Disher setzt sich souverän an die Spitze. Und dazu: Nazis in der DDR, brennende Engel und unbewohnte Zimmer.

          1.

          Garry Disher - Kaltes Licht
          Plazierung im Vormonat: /

          Melbourne. Nach fünf Jahren Langeweile als Pensionär ist Alan Auhl zurück im Polizeidienst. Mit der Lässigkeit der Erfahrung lotet er die Grenzen des Gesetzes aus, packt zu, wo Solidarität fehlt. Heiteres Lob eines coolen Alten, der menschliche Bosheit stellt, wie immer sie getarnt sei. Brillant.
          Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 314 Seiten, 22 Euro

          2.

          Friedrich Ani - All die unbewohnten Zimmer
          Plazierung im Vormonat: 2

          München. Die Augenzeugen stumm, die Täter glauben sich im Recht, die besorgten Rassisten bereiten den nächsten Schritt vor. Zwei tote Polizisten, verdächtigte Flüchtlingskinder, da braucht es alle Ermittler: Tabor Süden, Polonius Fischer, neu Fariza Nasri. Der Irrsinn nimmt zu, Ani hält dagegen.
          Suhrkamp, 495 Seiten, 22 Euro.

          3.

          Max Annas - Morduntersuchungskommission
          Plazierung im Vormonat: /

          DDR, 1983. Ermittlungen im geschlossenen System. An der Bahnstrecke zwischen Jena und Saalfeld liegt der Leichnam eines afrikanischen Vertragsarbeiters, zerfetzt, geköpft. Otto Castorp, MUK Gera, lässt nicht los, trotz  politischen Ermittlungsverbots. Und entdeckt, was es in der DDR nicht geben kann: Nazis.
          Rowohlt, 346 Seiten, 20 Euro.

          4.

          Nicholas Searle - Der Sprengsatz
          Plazierung im Vormonat: /

          Nordengland. Einmal hat Jake Winter einem V-Mann getraut: 63 Tote hat der in die Luft gesprengt. Beim zweiten Mal soll es anders laufen. Doch während Jake Muster islamistischer Verschwörung analysiert, übersieht er, dass ihm selbst die Rolle des Sündenbocks zugedacht ist.
          Aus dem Englischen von Jan Schönherr. Kindler, 304 Seiten, 20 Euro.

          5.

          Liza Cody - Ballade einer vergessenen Toten
          Plazierung im Vormonat: 3

          London, Las Vegas, achtziger Jahre, heute. Elly, absolutes Gehör, Komponistin für die halbe Popwelt, mit fünfzehn Jahren bestialisch ermordet. Amy rekonstruiert ihre Geschichte: kindliches Genie in wahnwitziger Musikindustrie. Egoistische Schwestern, bizarre Mütter, scheinmächtige Kerle. Faszinierend.
          Aus dem Englischen von Martin Grundmann. Ariadne im Argument-Verlag, 416 Seiten, 22 Euro.

          6.

          Georges Simenon: Maigret im Haus der Unruhe
          Plazierung im Vormonat: 7

          Paris. Kommissar Maigrets allererster Fall, noch von einem „Georges Sim“ verfasst, erstmals auf Deutsch. Nächtens gesteht eine junge Frau einen Mord, als Maigret sich umdreht, ist sie verschwunden. Mit großer Geduld belagert Maigret eine Familie in ihrem Wahn, bis die Wahrheit aufbricht.
          Aus dem Französischen von Thomas Bodmer. Kampa, 220 Seiten, 16,90 Euro.

          7.

          Adrian McKinty - Cold Water
          Plazierung im Vormonat: /

          Carrickfergus, Stranraer 1990. Frau und Kind sind schon in Schottland, Duffy arbeitet an seinem letzten Fall. Er will  das Verschwinden eines 15-jähriges Travellermädchens aufklären – verdächtig sind Männer der Oberschicht. Doch so sozialpathetisch geht es nicht aus. Komplex, schlau: die Duffy-Serie.
          Aus dem Englischen von Peter Torberg. Suhrkamp Nova, 378 Seiten, 15,95 Euro.

          8.

          Tawni O’Dell - Wenn Engel brennen
          Plazierung im Vormonat: /

          Pennsylvania. Leicht mit Problemen umgehen kann Chief Carnahan. Seien es verschreckte Mütter, renitente Redneckfamilien oder Mädchen, die in brennenden Minen stecken. Hat sie doch selbst ihr Gewaltpotentzial nicht immer kontrolliert. Feministisch, realistisch: Matriarchat kann Elend verschärfen.
          Aus dem Englischen von Daisy Dunkel. Ariadne im Argument-Verlag, 350 Seiten, 21 Euro

          9.

          Mike Nicol - Sleeper
          Plazierung im Vormonat: 5

          Kapstadt. HEU, waffenfähiges Uran, ist es, was IS, die  Iraner, die Amerikaner, die Chinesen, die Russen wollen. Und die Südafrikaner verkaufen es gerne, illegal. Glimmender Hintergrund, vor dem all die schlafenden Geheimdiensthunde erwachen und Fish Pescado und Vicky Kahn um ihr Leben kämpfen.
          Aus dem Englischen von Mechthild Barth. btb, 512 Seiten, 10 Euro.

          10.

          George Pelecanos - Prisoners
          Plazierung im Vormonat: /

          Washington, D.C. Michael Hudson, Leseratte dank Knastbibliothek, glaubt an ein besseres Leben. Privatdetektiv Ornazian lotst ihn raus. Dafür soll Michael die Fluchtwagen steuern, wenn er und sein Kumpel Ward Kriminelle ausnehmen. Mann auf der Kante unter Dealern, Neonazis und Überlebenskämpfern.
          Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Ars Vivendi, 230 Seiten, 18 Euro.

          Die Jury

          Tobias Gohlis, Sprecher der Jury  |  Volker Albers, „Hamburger Abendblatt“ | Andreas Ammer, „Druckfrisch“, BR | Gunter Blank, „Rolling Stone“ | Thekla Dannenberg, „Perlentaucher“ | | Hanspeter Eggenberger, „Tages-Anzeiger“ | Fritz Göttler, „Süddeutsche Zeitung“ | Jutta Günther, „Radio Bremen Zwei“ | Sonja Hartl, „Zeilenkino“, „Polar Noir“ | Hannes Hintermeier, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ | Peter Körte, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“| Kolja Mensing, „Deutschlandfunk Kultur“ | Marcus Müntefering, „Spiegel Online“ | Ulrich Noller, „Deutsche Welle“, WDR | Frank Rumpel, SWR | Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin | Ingeborg Sperl, „Der Standard“ | Sylvia Staude, „Frankfurter Rundschau“ | Jochen Vogt, „NRZ“, „WAZ“.

          Die Jury erreichen Sie per E-Mail unter krimibestenliste@faz.de
          Einen Newsletter zur Krimibestenliste mit ergänzenden Informationen zu den neuen Titeln können Sie unter www.togohlis.de/anmeldeseite abonnieren.

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