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Deutschland im Jahr 1936 : Es wird noch viel düsterer kommen

Berliner Sraßenverkehr und Passanten im Jahr 1936 an Unter den Linden' Ecke Friedrichstraße. Bild: SZ Photo

„In meinem Kopf sieht die Romanwelt ganz anders aus als die Bilderwelt von ’Babylon Berlin’“: Ein Gespräch mit Volker Kutscher über seinen neuen Gereon-Rath-Roman „Olympia“ und über die Zukunft der Reihe.

          9 Min.

          Nicht erst seit der Serie „Babylon Berlin“ sind die Romane von Volker Kutscher Bestseller. Die Bücher um den Berliner Kommissar Gereon Rath zeigen im Medium des Kriminalromans, wie sich die deutsche Gesellschaft allmählich, aber nicht zwangsläufig in den Nationalsozialismus bewegte. Mit dem achten Rath-Roman „Olympia“ ist Kutscher nun im Jahr 1936 angekommen.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ursprünglich hatten Sie mal geplant, die Rath-Romane nach den Olympischen Spielen 1936 enden zu lassen. Ist jetzt wirklich Schluss?

          Ursprünglich wollte ich das, aber von dieser Idee bin ich schon länger abgerückt. 1936 ist und bleibt zwar das Jahr, nach dem Gereon Rath nicht länger als Oberkommissar bei der Kriminalpolizei wird arbeiten können, es ist aber nicht das letzte Jahr meines Romanprojekts. Ich möchte bis 1938 erzählen, erst dann ist die Rath-Reihe für mich wirklich abgeschlossen. In diesem Jahr wird mit der Pogromnacht und den außenpolitischen Entwicklungen allen klar, dass es in Richtung Holocaust und Krieg geht. Die November-Pogrome waren ein Ereignis, bei dem auch den letzten naiven Zeitgenossen – oder nennen wir sie Optimisten – bewusst wurde, dass es nicht nur darum geht, die Juden zu diskriminieren und aus der von den Nazis so gefeierten „Volksgemeinschaft“ auszuschließen, sondern dass es um ihre Ermordung geht. Anfangs hatte ich nur ein sehr grobes Konzept für die Rath-Reihe angedacht: vier Romane, die in der Republik spielen, und vier in der Diktatur, mit dem Jahr 1933 als Spiegelachse. Aber mir wurde schnell klar, dass das von der NS-Propaganda – und auch in der Erinnerung vieler Zeitgenossen – so glorifizierte Olympiajahr 1936 nicht das richtige ist, um die Reihe zu beenden. Der Point of no return, der entscheidende Zivilisationsbruch der Nazis, das ist eben der November 1938. Da muss ich noch hin, und meine Figuren ebenso, und das wird noch ganz übel und düster für die meisten von ihnen, aber das kann ich ihnen nicht ersparen. Für Deutschland und die Welt wurde es ja auch ganz übel.

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