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Sequel zum Film „Heat“ : Eigentlich war doch der Tod schon das Ende der Geschichte

Sollten diese beiden noch mal in „Heat“ spielen? Robert De Niro und Al Pacino bei der Präsentation der 4K-Version von „Heat“ im Jahr 2022. Bild: Reuters

Der Regisseur Michael Mann hat nach mehr als zwei Jahrzehnten ein Sequel zu seinem großen Film „Heat“ gemacht - es ist ein Roman geworden. Und enttäuschend flach und geheimnislos.

          2 Min.

          Unter den großen Szenen im Kino der Neunzigerjahre ist sie eine der unvergesslichen: Al Pacino und Robert DeNiro in Michael Manns „Heat“ (1995). Die beiden größten Schauspieler ihrer Generation. Der Cop und der Räuber. Sie sitzen einander gegenüber in einem Diner in Los Angeles.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sie ähneln einander in Professionalität und Haltung. Sie erzählen einander von ihren Albträumen. Da ist Re­spekt. Und die Gewissheit, dass beim nächsten Treffen einer auf der Strecke bleiben wird. Am Ende von „Heat“, diesem großen Cop-und-Gangster-Epos, auf dem Flughafen, am Rande des Rollfelds, liegt De- Niros Neil da, tödlich getroffen, Pacinos Vincent hält dem Sterbenden die Hand.

          Zu diesem Film wünschte man sich nie ein Sequel oder ein Prequel. Er war sich selbst genug. Der Tod war das einzige Ende, das diese Geschichte haben konnte. Dachte man. Nun hat Michael Mann, zusammen mit Meg Gardiner, zwar keinen Film gemacht, aber einen Roman geschrieben.

          Der Titel ist so einfallslos wie das Cover: „Heat 2“, zu sehen ist das Plakatmotiv von „Heat“. Das wirkt wie eine kompensatorische Handlung, weil Hollywood nicht mehr an Filme wie die von Michael Mann glaubt, die große Budgets und noch größere Autonomie gegenüber den Studiokonventionen verlangen; und weil Mann zugleich diese Konstellation, die innige Verbindung von Cop und Räuber, Jäger und Gejagtem, in seiner ganzen Karriere nie losgelassen hat.

          Es ist keine Überraschung, dass die Kompensation enttäuscht. Auf den ersten neun Seiten wird die Handlung von „Heat“ auf eine Weise nacherzählt, die man nur lieblos nennen kann. Es folgen, in der Übersetzung, fast 700 Seiten. Chris (damals gespielt von Val Kilmer) hat als Einziger überlebt.

          Michael Mann / Meg Gardiner: „Heat 2“. Thriller. Aus dem Englischen von Wolfgang Thon. HarperCollins, 688 Seiten, 14 Euro.
          Michael Mann / Meg Gardiner: „Heat 2“. Thriller. Aus dem Englischen von Wolfgang Thon. HarperCollins, 688 Seiten, 14 Euro. : Bild: HarperCollins

          Er wird zum Zentrum des Romans, entkommt nach Paraguay, steigt in einem hispanisch-taiwanischen Clan auf. Eine zweite Erzählebene führt ins Jahr 1988. So ersteht Neil wieder auf. Er lebt in Chicago und bereitet einen großen Raub vor. Auch Vincent arbeitet in Chicago. Beider Wege kreuzen sich nur indirekt. Der Roman führt dann beide Ebenen auf einer dritten zusammen. Wie er das tut, strapaziert den Glauben an Zufall auch beim wohlwollenden Leser.

          Damit ließe sich noch leben, wenn in der Prosa etwas dem visuellen Reichtum eines Michael-Mann-Films entspräche. Doch es bleibt entweder drehbuchhaft karg oder unangenehm blumig, vor allem bei der Beschreibung von Frauen: „Sie war auf diese verrückte Art intelligent und unbändig – sie konnte brennen wie eine Fackel.“ Eine andere trägt „Leggings, die so eng sind, dass ein hohes C erklingen würde, wenn Hanna daran zupfte“. Dazu gibt es reichlich kernige Sprüche und einigen Sex- und Liebeskitsch.

          Es kommt einem so vor, als habe diese flache, geheimnislose Prosa die vielfältigen Bedeutungen, die Nuancen des Lichts, der Farben, der Gesten der Schauspieler verschluckt, die Manns Filme so unverwechselbar machen. Und das ist, weil man ja beim Lesen nicht aufhören kann, die Gesichter aus „Heat“ vor sich zu sehen, ein Jammer.

          Wenn nun zu lesen ist, Mann wolle auch den Film „Heat 2“ machen, spukt einem sofort die digitale Verjüngungskur durch den Kopf, zu der Pacino und DeNiro für Martin Scorseses „The Irishman“ gezwungen wurden. Eine trostlose Vorstellung.

          Michael Mann, Meg Gardiner: Heat 2. Thriller. Aus dem Englischen von Wolfgang Thon. HarperCollins, 688 Seiten, 14 Euro.

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