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Krimibestenliste im Januar : Auch Killer kennen Krisen

  • Aktualisiert am

Die besten Krimis des Monats Bild: Illustration Kat Menschik

F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur präsentieren die besten Krimis: Sara Paretsky hält die Spitzenposition, dazu vier Neuzugänge aus Südkorea, Irland, Frankreich und den Vereinigten Staaten.

          1.

          Sara Paretsky – Kritische Masse
          Platzierung im Vormonat: 1

          Chicago, Österreich. V.I. Warshawski ermittelt wieder, und wie! Eine Drogensüchtige auf der Flucht, ihr genialer Sohn abgetaucht. Der Kern: 1943 in einem Nazi-Zwangsarbeitslager geraubte Erfindungen einer jüdischen Physikerin, mit denen ein IT-Konzern in Amerika mächtig wurde. Schlicht großartig.
          Aus dem Englischen von Laudan & Szelinski. Ariadne im Argument-Verlag, 540 Seiten, 24 Euro.

          2.

          Un-Su Kim – Die Plotter
          Platzierung im Vormonat: /

          Südkorea. Wahlen stehen an, die alte Ordnung zerbricht. Auftragsmörder Raeseng versagt. Der treue Diener des alten Raccoon, der die Bibliothek der Auftragsmorde verwaltet, beginnt selbständig zu denken, zu fühlen, zu handeln. Durchgeknallt: Korea im Zerrspiegel, visiert durch seine Killer.
          Aus dem Englischen von Rainer Schmidt. Europa, 360 Seiten, 24 Euro.

          3.

          Patrícia Melo – Der Nachbar
          Platzierung im Vormonat: 5

          Sao Paulo. Lärm ist Qual, vor allem dann, wenn er vom Nachbarn kommt und einen entnervten Lehrer trifft. Der tötet den Frevler, zerstückelt ihn und kriegt die Reste nicht weggeschafft. Knappe 160 Seiten braucht Melo für seine Rechtfertigungssuada. Jammer, Brasilien! Schärfster schwarzer Humor.
          Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita. Tropen, 160 Seiten, 18 Euro.

          4.

          Fred Vargas – Der Zorn der Einsiedlerin
          Platzierung im Vormonat: 3

          Paris, Südfrankreich. Blaps gegen Reclusa, Totenkäfer gegen Einsiedlerspinne. Beide Gliederfüßler können nicht töten, verbreiten nur Angst. Kommissar Adamsberg wittert noch hinter nichts einen Fall. Dieser – neunte – sprengt fast die Brigade, ist verborgen unter Verborgenem, monströses Rachespiel.
          Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes, 512 Seiten, 23 Euro.

          5.

          Louise Penny – Hinter den drei Kiefern
          Platzierung im Vormonat: 2

          Montreal, „Three Pines“. Vor Gericht: Armand Gamache, Chef der Sûreté, im Clinch mit dem Staatsanwalt, anstatt Dealer und Mörder zu überführen. Alles beginnt und endet im Grenzdorf Three Pines. Dort stanzt eine schwarze Gestalt ein Loch in die Postkartenidylle. Tolles Comeback der kanadischen Autorin.
          Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Kampa, 496 Seiten, 16,90 Euro.

          6.

          Tana French – Der dunkle Garten
          Platzierung im Vormonat: /

          Dublin. Alles läuft prima. Toby ist hip, ein Glückskind. Bis ihm Einbrecher den Schädel einschlagen. Als neurologischer Rekonvaleszent zieht er zu Onkel Hugo, der an einem Gehirntumor sterben wird. In Hugos Garten wird ein Skelett gefunden, Tobys Selbstvertrauen zerbröselt. Wurde er zum Mörder?
          Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Scherz, 656 Seiten, 16,99 Euro.

          7.

          Christoph Peters – Das Jahr der Katze
          Platzierung im Vormonat: 9

          Berlin, Tokio. Flucht nach Fernost: Schwertmeister und Yakuza Onishi lässt mit Gefährtin Nikola Berlin hinter sich, dort liegt die vietnamesische Konkurrenz im Blut. Heimat ist anders: In Japan herrscht Krieg um die Reviere. Bushido-Werte sind out. Da hilft nur die Klinge. Ganz Japan noir.
          Luchterhand, 352 Seiten, 22 Euro.

          8.

          Anne Goldmann – Das größere Verbrechen
          Platzierung im Vormonat: 6

          Österreich, Bosnien. Theres ist eine, die nie ausreden kann. Immer fährt ihr ein Vater, ein Ehemann, die Tochter über den Mund. Bis der zur Adoption gegebene Sohn wieder auftaucht, der Adoptivvater zu Tode kommt und das Schweigen unter den Teppichen hervorquillt. Horror des Patriarchats.
          Ariadne im Argument-Verlag, 240 Seiten, 13 Euro.

          9.

          Cloé Mehdi – Nichts ist verloren
          Platzierung im Vormonat: /

          „Verrières“, Banlieue. Mattia, elf Jahre alt, steht nach dem Selbstmord seines Vaters unter der Obhut eines Nachtwächters und seiner suizidalen Freundin, beobachtet von Polizei, Behörden, Psychiatern. Er will Durchblick: Warum wurde Saïd von Polizisten erschlagen? Cloé Mehdi: eine junge, starke Stimme der Verzweiflung.
          Aus dem Französischen von Cornelia Wend. Polar, 312 Seiten, 18 Euro.

          10.

          James Anderson – Desert Moon
          Platzierung im Vormonat: /

          Utah. Seit zwanzig Jahren beliefert Trucker Ben Jones die Wüstenratten an der Route 117. Als ihm im Gegenlicht eine nackte Cellospielerin erscheint und diese Claire sich als liebenswert fleischlich erweist, gerät das austarierte System schweigsamen Gebens und Nehmens durcheinander.
          Aus dem Englischen von Harriet Fricke. Polar, 344 Seiten, 18 Euro

          Die Jury

          Tobias Gohlis, Sprecher der Jury  |  Volker Albers, „Hamburger Abendblatt“ | Andreas Ammer, „Druckfrisch“, BR | Gunter Blank, „Rolling Stone“ | Thekla Dannenberg, „Perlentaucher“ | | Hanspeter Eggenberger, „Tages-Anzeiger“ | Fritz Göttler, „Süddeutsche Zeitung“ | Jutta Günther, „Radio Bremen Zwei“ | Sonja Hartl, „Zeilenkino“, „Polar Noir“ | Hannes Hintermeier, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ | Peter Körte, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“| Kolja Mensing, „Deutschlandfunk Kultur“ | Marcus Müntefering, „Spiegel Online“ | Ulrich Noller, „Deutsche Welle“, WDR | Frank Rumpel, SWR | Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin | Ingeborg Sperl, „Der Standard“ | Sylvia Staude, „Frankfurter Rundschau“ | Jochen Vogt, „NRZ“, „WAZ“.

          Die Jury erreichen Sie per E-Mail unter krimibestenliste@faz.de
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