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Krimibestenliste im Februar : Wer pleite ist, greift gerne nach Geld

  • Aktualisiert am

Die besten Krimis des Monats Bild: Illustration Kat Menschik

F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur präsentieren die besten Krimis: Ein bitterer Heimatroman aus Texas landet auf Anhieb auf dem ersten Platz. Dazu kommen Neuzugänge aus Nord-, Mittel- und Südamerika.

          1.

          Attica Locke - Bluebird, Bluebird
          Platzierung im Vormonat: /

          „Lark“. Texas-Ranger Darren Mathews, persönlich, beruflich und ehelich vor dem Aus, kämpft im Kaff „Lark“ wie ein Gentleman. Rassismus als Fluch, Irrsinn, paranoide Gewalt. Texas aus Sicht seiner schwarzen Mittelschicht – ein Heimatroman, wie er besser nicht sein kann. Bitter, wütend, glänzend komponiert.
          Aus dem Englischen von Susanna Mende. Polar, 330 Seiten, 20 Euro.

          2.

          Tana French – Der dunkle Garten
          Platzierung im Vormonat: 6

          Dublin. Alles läuft prima. Toby ist hip, ein Glückskind. Bis ihm Einbrecher den Schädel einschlagen. Als neurologischer Rekonvaleszent zieht er zu Onkel Hugo, der an einem Gehirntumor sterben wird. In Hugos Garten wird ein Skelett gefunden, Tobys Selbstvertrauen zerbröselt. Wurde er zum Mörder?
          Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Scherz, 656 Seiten, 16,99 Euro.

          3.

          Lucía Puenzo - Die man nicht sieht
          Platzierung im Vormonat: /

          Argentinien, Uruguay. Ismael, Enana und Ajo sind Straßenkinder in Buenos Aires. Und Profi-Einbrecher. Ihr Chef, vertickt sie an Kollegen in Uruguay. Die Halbwüchsigen sollen in der Öko-Wildnis eines Reichengettos einbrechen, jede Nacht in ein Haus. Und kämpfen allzu bald um ihr Leben. Umwerfend.
          Aus dem Spanischen von Anja Lutter. Wagenbach, 204 Seiten, 20 Euro

          4.

          Sara Paretsky – Kritische Masse

          Platzierung im Vormonat: 1

          Chicago, Österreich. V.I. Warshawski ermittelt wieder, und wie! Eine Drogensüchtige auf der Flucht, ihr genialer Sohn abgetaucht. Der Kern: 1943 in einem Nazi-Zwangsarbeitslager geraubte Erfindungen einer jüdischen Physikerin, mit denen ein IT-Konzern in Amerika mächtig wurde. Schlicht großartig.
          Aus dem Englischen von Laudan & Szelinski. Ariadne im Argument-Verlag, 540 Seiten, 24 Euro.

          5.

          Un-Su Kim – Die Plotter
          Platzierung im Vormonat: 2

          Südkorea. Wahlen stehen an, die alte Ordnung zerbricht. Auftragsmörder Raeseng versagt. Der treue Diener des alten Raccoon, der die Bibliothek der Auftragsmorde verwaltet, beginnt selbständig zu denken, zu fühlen, zu handeln. Durchgeknallt: Korea im Zerrspiegel, visiert durch seine Killer.
          Aus dem Englischen von Rainer Schmidt. Europa, 360 Seiten, 24 Euro.

          6.

          Tomás Bárbulo -  Versammlung der Toten
          Platzierung im Vormonat: /

          Madrid, Marokko. Wer pleite ist, etwa nach 2008, greift gerne nach Geld. Besonders, wenn es so einfach zu bekommen ist wie durch einen Bankeinbruch in Marrakesch. Zwei Millionen winken. Guapo, seine Jungs und die Mädels fahren los, assistiert von einem zwielichtigen Araber. Milieustark, lustig.
          Aus dem Spanischen von Carsten Regling. Suhrkamp, 398 Seiten, 14,95 Euro

          7.

          Patrícia Melo – Der Nachbar
          Platzierung im Vormonat: 3

          Sao Paulo. Lärm ist Qual, vor allem dann, wenn er vom Nachbarn kommt und einen entnervten Lehrer trifft. Der tötet den Frevler, zerstückelt ihn und kriegt die Reste nicht weggeschafft. Knappe 160 Seiten braucht Melo für seine Rechtfertigungssuada. Jammer, Brasilien! Schärfster schwarzer Humor.
          Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita. Tropen, 160 Seiten, 18 Euro.

          8.

          Jonathan Lethem - Der wilde Detektiv
          Platzierung im Vormonat: /

          New York, kalifornische Wüste. Nach Trumps Inauguration kündigt die Journalistin Phoebe. Als Amateurdetektivin sucht sie die Tochter ihrer Freundin. Auf der wilden Seite des Kontinents führt Detektiv Heist sie in die Stammesfehden von Hippie-Kommunen ein. Archäo-Geographie der desorientierten Großmacht.
          Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach.Tropen, 336 Seiten, 22 Euro

          9.

          Tito Topin -: Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter
          Platzierung im Vormonat: /

          Frankreich, Portugal. In Frankreich herrschen die Kardinäle, assistiert von Imamen, keine Rabbis. Boris Prévert hat den Oberpfaffen als Pädokriminellen geoutet. Darauf steht die Todesstrafe, nicht wie bei Atheismus nur Vertreibung. Antitheokratische Dystopie. Grotesk, voller Anspielungen.
          Aus dem Französischen von Katarina Grän. Distel, 192 Seiten, 14,80 Euro.

          10.

          Michael Farris Smith - Desperation Road
          Platzierung im Vormonat: /

          McComb, Mississippi. Treffen zwei Verlorene aufeinander: Russell hat elf Jahre Knast hinter sich, Maben muss ihre kleine Tochter durchbringen, ohne Geld und Unterkunft. Sie erschießt in Notwehr einen Deputy, er hat die Rednecks am Hals. Manchmal widerspricht ein Titel zart und genau seinem Inhalt.
          Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Ars Vivendi, 288 Seiten, 22 Euro.

          Die Jury

          Tobias Gohlis, Sprecher der Jury  |  Volker Albers, „Hamburger Abendblatt“ | Andreas Ammer, „Druckfrisch“, BR | Gunter Blank, „Rolling Stone“ | Thekla Dannenberg, „Perlentaucher“ | | Hanspeter Eggenberger, „Tages-Anzeiger“ | Fritz Göttler, „Süddeutsche Zeitung“ | Jutta Günther, „Radio Bremen Zwei“ | Sonja Hartl, „Zeilenkino“, „Polar Noir“ | Hannes Hintermeier, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ | Peter Körte, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“| Kolja Mensing, „Deutschlandfunk Kultur“ | Marcus Müntefering, „Spiegel Online“ | Ulrich Noller, „Deutsche Welle“, WDR | Frank Rumpel, SWR | Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin | Ingeborg Sperl, „Der Standard“ | Sylvia Staude, „Frankfurter Rundschau“ | Jochen Vogt, „NRZ“, „WAZ“.

          Die Jury erreichen Sie per E-Mail unter krimibestenliste@faz.de
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