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Kinderbuch von Keith Richards : Gus & er

Vater und Tochter, Autor und Illustratorin: Keith und Theodora Richards Bild: AP

Opa und Enkel in einem Laden voller Gitarren: Keith Richards hat, wie viele seiner prominenten Kollegen, ein Kinderbuch geschrieben. Was könnte dahinter stecken?

          Natürlich hätte Keith Richards einfach ein Interview geben können: „Mr. Richards, wann und wo erwachte Ihre Liebe zu Instrumenten?“ - „Ach, das war, als mein Opa Gus mich einmal in einen Laden voller Gitarren mitgenommen hat. Später hat er mir eine geschenkt und mir gezeigt, wie man darauf spielt.“ So in etwa. Aber der Rolling-Stones-Gitarrist hatte anderes, Größeres im Kopf: Aus der Geschichte sollte ein Kinderbuch werden.

          Dafür holte er sich Hilfe bei den beiden Autoren Barnaby Harris und Bill Shapiro, seine Tochter Theodora steuerte Illustrationen bei, und nun liegt das Buch, großzügig gesetzt, 48 Seiten stark und übersetzt von Andreas Steinhöfel, auch auf Deutsch vor. Gleich zu Beginn erfahren wir, dass jener Gus ein Multiinstrumentalist war, auch Soldat, Bäcker und Tanzkapellmeister, und dass er mit dem Enkel lange Spaziergänge machte. Und dass sich der mittlerweile hochbetagte Enkel noch immer bei jedem Konzert sagt: „Danke, Großvater! Danke, Gus!“ Ob sich die Schönheit und sublime Botschaft dieser Geschichte auch den jungen Lesern erschließt - wer will das vorhersagen?

          Als spätberufener Kinderbuchautor jedenfalls ist Richards unter seinen Kollegen kein Solitär. Die Altstars Madonna („Die englischen Rosen“, „Billie Bargeld“), Paul McCartney („Hoch in den Wolken“) oder Heinz Rudolf Kunze („Quentin Qualle - Die Muräne hat Migräne“) haben sich ebenso betätigt, jüngst reihte sich die Sängerin Jeanette Biedermann mit der Kinderabenteuergeschichte „Just Heroes - Die Beschützer der Quelle“ in die illustre Schar ein.

          Die Melancholie nach dem Konzert

          Beim ein oder anderen überrascht die plötzliche Autorschaft ein wenig, Keith Richards aber braucht die Hinwendung zur Literatur nicht zu simulieren, weiß man doch spätestens seit 1998, als ein Leitersturz des Musikers publik wurde, von seiner Leidenschaft für Bücher, schließlich geschah der Unfall in seiner Privatbibliothek.

          Zeitungsberichten zufolge beläuft sich die Summe der aufgelaufenen Mahngebühren, die Richards für seit fünfzig Jahren entliehene Bücher an die Bibliothek von Dartford zu entrichten habe, auf 20.000 Pfund, und es braucht keinen besonderen Phantasie, sich den literarisch satisfaktionsfähigen Rolling Stone vorzustellen, wie er seine Kollegen nach dem im ständigen Gedenken an Großvater Gus absolvierten Konzert allein um die Häuser ziehen lässt, um stattdessen lieber noch ein bisschen zu lesen. Vielleicht auch, um zu schreiben.

          Und es mag sein, dass sich „Gus & ich“ nicht nur der Leere und Melancholie nach dem großen Konzert verdankt, sondern den Auftakt einer Serie bildet, die noch eine lange Zukunft vor sich haben könnte. Das erste Album der Rolling Stones ist vor fünfzig Jahren erschienen.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

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