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Roman „Marzahn mon amour“ : Mit seinen Füßen ist der Mensch allein

  • -Aktualisiert am

Es gibt keine niederen Arbeiten, nur neue Herausforderungen: Katja Oskamp Bild: Paula Winkler

Die Schriftstellerin Katja Oskamp arbeitet als Fußpflegerin in Berlin. In ihrem Roman „Marzahn mon amour“ erzählt sie von Pediküre als Seelenpflege.

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          Wer sich für Neuerscheinungen interessiert, hat sie vielleicht schon gehört: die Geschichte von Katja Oskamp, Jahrgang 1970, der vermeintlich gescheiterten Schriftstellerin, die vor viereinhalb Jahren begann, als Fußpflegerin in Berlin-Marzahn zu arbeiten. Das ist medial ein fruchtbares Thema, denn vergessene Literaten und ein bisschen Ekel machen sich gut. Außerdem ist es ja ein recht abwegiger Gedanke, freiwillig den heimischen Schreibtisch zu verlassen, wo man in aller Ruhe geistreiche Literatur produzieren konnte, um sich fortan kniend im Umgang mit Hornhaut und Fußpilz zu üben. Aber offenbar ist das möglich – und das Glück all derjenigen, die sich jeden zweiten Monat bei Katja Oskamp die Krusten um die Nagelfalze gefügig machen lassen, sich die Hornhaut einweichen und abhobeln lassen, so dass die Fußpflegerin manchmal noch am Abend Hornhautfetzen aus den Haaren zwirbelt. Oder einen Fußnagel im BH findet.

          Vor allem aber können sie froh sein, dass sie jemanden zum Reden haben. Denn Füße sind etwas Besonderes, und deshalb ist das auch das Verhältnis derjenigen, denen sie gehören, zu denen, die sie anfassen. Dieses Verhältnis beschreibt die gebürtige Leipzigerin Katja Oskamp auf 142 Seiten in zärtlichen, brachialen, stets liebevollen Porträts ihrer Kunden in „Marzahn mon amour“, erschienen im Hanser-Verlag Berlin. Gleichzeitig ist dieses Buch auch als Befreiungsschlag zu lesen: aus der Literaturbranche, die oft gerade noch gefeierte Autoren schnell wieder fallenlässt.

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