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Katharina Hacker : Onkel Henry war einfach zu gut

  • -Aktualisiert am

Nicht ohne ihre Tochter: Katharina Hacker, als sie im Oktober den Buchpreis erhalten hat Bild: ddp

Seit Katharina Hacker im Oktober den Deutschen Buchpreis erhalten hat, steht ihr Roman „Die Habenichtse“ auf den Bestsellerlisten. Dabei hatte sie einmal Geigerin werden wollen. Hausbesuch bei einer Erfolgsautorin.

          Frau Hacker empfängt in ihrer blitzblank aufgeräumten großen Berliner Küche. Zwei Digitaluhren - eine im Herd, eine im Radio - zeigen exakt die gleiche Zeit an. Die Barockmusik dreht die Autorin aus; sie meint, wenn Philippa losbrülle, sei man abgelenkt genug. Philippa ist Katharina Hackers Tochter, und sie kam fast zeitgleich mit der Nominierung ihrer Mutter für den Deutschen Buchpreis 2006 zur Welt.

          Als die Auszeichnung schließlich dreieinhalb Wochen später während der Frankfurter Buchmesse an Katharina Hacker verliehen wurde, war Philippa mit auf der Bühne, gut verpackt und wohlgeschützt gegen das Blitzlichtgewitter. Jetzt ist Philippa schon ein richtiges Persönchen, mit einem kugelrunden Gesicht und blitzenden Äuglein. Den ganzen Vormittag über sei Philippa bestens gelaunt gewesen, dann mürrisch und jetzt wieder gut. Nach den ersten Fragen und einer eingehenden Musterung des Porträtisten schläft sie leise muckernd ein.

          Rückzug statt Rampenlicht

          Mit dem Säugling im Arm klappt die Autorin vorsichtig den Laptop zu und räumt ihn weg. Sie genieße es, ab und zu den Schreibort zu verlagern, sie könne sogar gut mit dem Töchterchen auf dem Schoß schreiben. Und sie schätze die enorme Strukturiertheit, die so ein neuer Erdenbewohner für seine Eltern mit sich bringe.

          Katharina Hacker hat sich nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises für ihren Roman „Die Habenichtse“ erst einmal zurückgezogen. Das Buch landete auf der Bestsellerliste, wo es sich seitdem ausdauernd hält. Normalerweise organisiert ein Verlag in so einem Fall sofort Lesungen, um mit Autor und Buch präsent zu bleiben. Das wollte Frau Hacker nicht. Erst im Februar wird sie auf Lesetour gehen, mit ihrem Mann, der mit Philippa notfalls ins Hotel verschwinden kann. Der Suhrkamp Verlag druckte ihre früheren Bücher nach und trifft die nötigen Vorbereitungen für die Zeit, wenn Familie Hacker auf Lesereise gehen kann.

          Eigentlich nichts für den großen Rummel

          Von den „Habenichtsen“ sind inzwischen 150.000 Exemplare verkauft. Der Deutsche Buchpreis, dotiert mit 25.000 Euro, etabliert sich, seit er 2005 zum ersten Mal an den Autor Arno Geiger verliehen wurde, offenbar gut. Er funktioniert als zuverlässiges Bestseller-Katapult, obwohl die Jury mit ihren Entscheidungen bisher Bücher ehrte, die Lektoren und Verleger normalerweise nicht als bestsellerverdächtig einschätzen würden.

          Katharina Hacker ist klar, daß ihre Literatur an sich nichts für den großen Literaturrummel ist. Sie freut sich natürlich über den Preis und den Verkaufserfolg, aber sie weiß, daß ihre kompromißlose Prosa etwas für Kenner und Liebhaber und kaum etwas für das Massenpublikum ist. „Ich begrüße jede Maßnahme, jeden Trick, um Leute dazu zu bringen, Bücher anzuschauen, die sie sonst vielleicht nicht wahrnehmen würden.“

          Ein Lebensgefühl, in Watte gepackt

          „Die Habenichtse“ (siehe auch: Hacker, Katharina: Die Habenichtse) ist ein Generationsporträt der - wie Katharina Hacker - um 1965 Geborenen. Es gibt zwei Hauptfiguren, aber eigentlich geht es um ein ganzes Netzwerk von Personen. Der 11. September 2001, Afghanistan- und zweiter Golfkrieg - diese Daten setzen den zeitlichen Rahmen, und sie bedeuten auch eine bedrohliche Realitätsverdichtung des wie in Watte gepackten Lebensgefühls der kreativen, nicht mehr ganz so jungen Mittdreißiger.

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