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Karl Dietrich Wolff, genannt KD : Mehr als ein Verleger

KD Wolff, der heute siebzig wird, nennt sich einen „Hans im Glück, schwebend“ Bild: dpa

1970 hat der einstige SDS-Vorsitzende KD Wolff den Verlag „Roter Stern“ gegründet, 1993 wurde daraus der „Stroemfeld Verlag“. Am heutigen Mittwoch feiert der Hausherr siebzigsten Geburtstag. Wir warten auf die Autobiographie.

          Das Grimmsche Märchen vom „Hans im Glück“ ist purer Antikapitalismus: Es zeigt, wie man aus viel Vermögen immer weniger macht, bis man schließlich gar nichts mehr besitzt. Dafür ist man dann „seelenfroh“, hat „ein vergnügtes Herz“ und geht „frei von aller Last“ seiner Wege. Gold weg, Pferd weg, Kuh weg, Schwein weg, Gans weg, Wetzstein und Feldstein weg: „So glücklich wie ich“, ruft Hans am Ende aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“

          Jochen Hieber

          Redakteur im Feuilleton.

          Was hatte es auf sich, wenn der Frankfurter Verleger KD Wolff am Vorabend seines siebzigsten Geburtstags von sich sagte, er sei „ein Hans im Glück“, dann eine kleine Pause machte, neu ansetzte und erweiternd wiederholte: „ein Hans im Glück, schwebend“? Ist es das ozeanische Gefühl eines Habenichts? Der Lebenstriumph eines in der Wolle gefärbten Antikapitalisten? Der Eigenhymnus eines Buch-Unternehmers, der wiederholt am Rande der Pleite agierte?

          Vielleicht, man soll das nicht ausschließen, geht es dem Mann ja wirklich gut, wenn er auf die Klippen und in die Abgründe zurückblickt, die er seit Jahrzehnten erfolgreich umschifft hat oder in die er nicht stürzte. Unglücksgelegenheiten gab es genug in dieser Biographie. Sie verpasst zu haben: allein dies wäre ein hinreichender Glücksgrund.

          Alle Aussicht auf Repräsentanz

          Vor zehn Jahren, so um den sechzigsten Geburtstag herum, hat KD Wolff in einigen Interviews erzählt, er wolle eine Autobiographie schreiben, habe sich schon an die Arbeit gemacht. Wir läsen sie nur zu gern. Denn dieser Amtsrichtersohn aus dem Mittelhessischen, geboren in Marburg, Abitur in Biedenkopf, hat bis heute ein deutsches Leben bestanden, das alle Aussicht auf Repräsentanz besitzt - auch wenn er just darauf nicht den geringsten Wert legt.

          Eine Kindheit, in der die Eltern über ihr Mitlaufen und Mitmachen im Nationalsozialismus schweigen. Ein Vater, der häufig und heftig zuschlägt und dem der Sohn deshalb insgeheim den Tod wünscht. Ein bohrendes Schuldgefühl, als dieser Vater dann bei einem Autounfall tatsächlich ums Leben kommt. Eine Selbstbestrafung in der Folge: freiwillig zur Bundeswehr. Die Mutprobe danach: 1964 steht KD Wolff in der vollbesetzten Aula der Marburger Uni auf, um, stotternd zunächst, Erich Schwinge, dem einstigen Nazi-Richter und nun Dekan der Juristen-Fakultät, rhetorisch wie sachlich Paroli zu bieten - und am Ende das Auditorium für sich zu gewinnen.

          Das weitere Jurastudium, vor allem in Freiburg, geht mit zunehmender Politisierung einher: 1966 besucht das AStA-Mitglied Wolff den Philosophen Martin Heidegger und den gleich nach Kriegsende aus der Emigration zurückgekehrten Rechtshistoriker Fritz Pringsheim, um sie (erfolgreich) um Unterschriften gegen die geplanten Notstandsgesetze der Großen Koalition anzugehen.

          Die Jura-Zukunft war perdu

          Eine Achtundsechziger-Karriere hebt an: Sie beginnt 1967, als er Vorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), damit ein Star der Szene, aber für die Behörden eben auch ein „Rädelsführer“ wird: An die vierzig Strafverfahren bringt ihm das ein, verurteilt wird er nie, die Jura-Zukunft ist indes perdu.

          Eine erste Verbürgerlichung dann, noch im linksradikalen Gestus: 1969 Lektor im März Verlag, 1970 Gründung des eigenen Verlags „Roter Stern“. Parallel dazu geht Wolff immer entschiedener auf Distanz zur RAF, deren Mitglieder er kennt und mit denen er auch noch eine Weile befreundet bleibt, als sie, wie Ulrike Meinhof, im Gefängnis sitzen, oder deren Bücher er, wie Jan-Carl Raspes „Zur Sozialisation proletarischer Kinder“, ebenso verlegt wie die Schriften des „großen Führers“ Kim Il-sung. Magdalena Kopp, Johannes Weinrich und Wilfried Böse arbeiten, bevor sie in den Untergrund gehen und sich dem Terroristen Carlos anschließen, im „Roten Stern“.

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