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Joanne K. Rowling : Hüterin des Schatzes

  • -Aktualisiert am

Private Einblicke: Joanne K. Rowling Bild: AP

In der Nacht, in der ihre Mutter starb, wurde Harry Potter geboren: In einem Interview gewährt Bestseller-Autorin J.K. Rowling seltene Einblicke in ihr Leben und Schaffen.

          2 Min.

          In diesem Jahr wird sie den siebten und letzten Band der „Harry Potter“-Reihe vollenden, doch liegt nicht nur das bereits vor Jahren geschriebene letzte Kapitel des letzten Buches in einem schottischen Safe, sondern auch einige Kurzgeschichten sowie ein fertiges Kinderbuch. J.K. Rowling bezeichnet es als „politisches Märchen“, das für kleinere Kinder geeignet sei. Aber hoppla! „Ich habe meinem Verleger noch gar nichts davon erzählt.“

          Seit Dienstag weiß nicht nur Bloomsbury-Chef Nigel Newton von den nächsten Plänen seiner Wunderautorin. Die als scheu geltende und zurückgezogen in Edinburgh lebende Autorin hat dem englischen Gesellschaftsmagazin „Tatler“ eines ihrer raren Interviews gewährt. Bevor das Porträt, flankiert von modischen Hochglanzfotos der Schriftstellerin, an diesem Donnerstag erscheint, durfte der „Daily Telegraph“ bereits einen ausführlichen Vorabdruck bringen.

          Der Tag, als Harry Potter geboren wurde

          Darin spricht J.K. Rowling erstmals öffentlich über den Tod ihrer Mutter, die mit fünfundvierzig Jahren an multipler Sklerose starb. Zum Zeitpunkt ihres Todes, in der Silvesternacht 1990, war J.K. Rowling bei der Familie ihres damaligen Freundes - es war das erste Mal, das sie die Feiertage nicht bei ihren Eltern verbrachte. Sie hatte sich früh auf ihr Zimmer verzogen, angeblich, um einen Film anzuschauen, doch statt dessen setzte sie sich hin und begann zu schreiben. In der Nacht, in der ihre Mutter starb, wurde Harry Potter geboren.

          Die Beschäftigung mit „der Ungeheuerlichkeit“ Tod stehe im Zentrum ihrer Bücher, weil sie mit der Figur des Waisenjungen Harry den Verlust ihrer Mutter zu begreifen und zu verarbeiten gesucht habe. Und vielleicht gerade, weil es J.K. Rowlings eingestanden größte Angst ist, daß jemand, der ihr nahesteht, ums Leben kommen könnte, erwartet dieses Schicksal in Band sieben gleich mehrere Figuren - gute wie böse. Der einzige, mit dem sie über die Handlung sprechen könne, weil er alles gleich wieder vergäße, sei ihr Mann, der Arzt Neil Murray. Erst neulich habe sie ihm vom Tod einer bestimmten Figur erzählt: „Es schauderte ihn. ,Ach nein, tu das nicht', sagte er zu mir, aber natürlich habe ich's getan.“

          Reicher als die Königin

          Die Frau, die mit ihren Büchern über den Zauberschüler und seine Freunde am Internat Hogwarts mehr Menschen erreicht als jeder andere Schriftsteller - die gegenwärtige Auflage liegt bei gut dreihundert Millionen Büchern in 63 Sprachen -, die inzwischen drei Kinder hat und die mit einem geschätzten Vermögen von 500 Millionen Pfund inzwischen reicher sein soll als die englische Königin, spricht im Interview über ihren Mann („Ich hatte mich schon eingerichtet in der Gewißheit, allein zu bleiben, als ich ihn traf“), darüber, daß sie noch immer ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie ihrer Leidenschaft für teure Schuhe oder Handtaschen frönt, und dann stets einen gleich hohen Scheck für Wohltätigkeitsorganisationen ausstellt. Bei dem Gedanken daran, daß ihre Mutter nicht nur nicht mehr von der Existenz von „Harry Potter“ erfahren hat, sondern daß sie sie auch nicht mehr anrufen konnte, um ihr zu erzählen, daß sie in den Adelsstand erhoben wird, weint sie. Sie bekennt außerdem, daß sie unter dem Druck des Ruhms fast zerbrochen wäre, und daß der Glaube ihr wichtig ist - ebenso wie der Zweifel daran.

          Doch die Autorin, die bewiesen hat, daß sie die Spannung ihrer Leserschaft zu halten vermag, bleibt auch in der Begegnung mit eigenen Dämonen handfest. Ihr Lieblingsdrink ist Gin Tonic, ihre Lieblingsautorin Jane Austen, und ihre Lieblingsheldin im wahren Leben ist Jessica Mitford, die kommunistische der sechs rasant-aufsässigen Mitford-Schwestern. Das Rauchen hat sie vor fünf Jahren aufgegeben, und im „Independent“ bezeichnete sie jüngst ihr Arbeitszimmer als einen der unordentlichsten Orte von ganz Schottland.

          Vielleicht liegt darin die Inspiration für ihre nächste Aufgabe: Die schottische Multiple-Sklerose-Gesellschaft, deren Präsidentin sie ist, veranstaltet am 17. März einen Benefizball. Die größte Attraktion? Eine Schatzsuche, für die J.K. Rowling selbst die Hinweise entworfen hat. Als Belohnung winkt womöglich das nächste Interview - mit weiteren Anhaltspunkten für die Verflechtungen von Autorinnenleben und Werk.

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