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J. K. Rowlings neuer Roman : Die giftigen Wonnen der Gewöhnlichkeit

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J. K. Rowling bei der Vorstellung ihres Romans „The Casual Vacancy“ in der Queen Elizabeth Hall in London Bild: REUTERS

Daran also hat Joanne K. Rowling fünf Jahre lang geschrieben - am dunklen Zwilling ihrer „Harry Potter“-Bücher. „Ein plötzlicher Todesfall“ aber setzt nicht auf Helden und Abenteuer. Es geht um die politische Botschaft.

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          Dieser Roman ist in jeder Hinsicht eine Überraschung. Dass Joanne K. Rowling, die phänomenale Schöpferin von „Harry Potter“, aus innerer, nicht äußerer Notwendigkeit heraus schreibt, war jedem ihrer Leser klar. Aber dass ihr erstes Nach-„Potter“-Buch die Verbindung zu ihrem bisherigen Werk so entschieden kappen würde, war nicht zu erwarten gewesen.

          Dabei lässt sich in „Ein plötzlicher Todesfall“ durchaus der erwachsene, dunkle Zwilling von „Harry Potter“ erkennen. Mit dem fiktiven Örtchen Pagford im Südwesten Englands erschafft Rowling erneut einen in sich geschlossenen Kosmos. Diesmal jedoch ist er nicht ihrer Phantasie entsprungen. Vielmehr handelt es sich um ein Mikromodell der britischen Gesellschaft und ihrer Probleme. Wo „Harry Potter“ eine Feier menschlicher Tugenden war, Mut, Treue und Freundschaft, ist dies ein Wimmelbild all jener Eigenschaften, die das Miteinander schwierig machen, von Aggression, Neid, Verzweiflung, Borniertheit, Heuchelei und Selbstsucht.

          „Ein plötzlicher Todesfall“ ist ein Roman ohne Hauptfigur; Barry Fairbrother, der einzig rundweg sympathische Charakter, stirbt nach zweieinhalb Seiten. Sein Tod durch ein Aneurysma setzt eine fatale Kette von Ereignissen in Gang, denn Barry war Mitglied des Gemeinderats von Pagford, und nun muss die Leerstelle durch eine Wahl rasch gefüllt werden. Denn viele Bürger von Pagford wittern eine historische Chance: Sie wollen das Schandmal der Sozialsiedlung Fields, die sich vor ihren Toren breitgemacht hat, loswerden und die Verantwortung an die benachbarte Stadt Yarvil zurückgeben. Fairbrother, der in Fields geboren war, hatte sich mit Erfolg um die Integration der Siedlung bemüht. Insofern ist sein plötzlicher Tod für seine Gegner ein Glücksfall.

          Um die Fülle der Figuren und ihre Beziehungen zueinander einigermaßen zu ordnen, wünscht man sich eine Überblickstafel, doch Rowling scheint entschlossen, es ihren Lesern diesmal schwerzumachen. Von Haushalt zu Haushalt wandert ihr Blick, und anhand der jeweiligen Reaktionen auf die Nachricht von Barry Fairbrothers Tod präsentiert sie uns ihre exemplarische englische Kleinstadt.

          Eine Überblickstafel wäre hilfreich

          Da sind zunächst die Familien der drei Männer, die sich im Laufe des Buches um Barrys Sitz im Gemeinderat bewerben wollen: Simon Price, gewalttätiger Ehemann von Ruth und verhasster Vater von Andrew und Paul, macht am liebsten krumme Geschäfte. Auch Colin Wall, stellvertretender Schulleiter der Gesamtschule Winterdown, von den Schülern wegen seiner peniblen Art „Pingel“ gerufen, hat etwas zu verbergen. Seine Frau Tessa leitet die Beratungsstelle der Schule, sein Sohn Stuart, genannt „Fats“, ist der beste Freund von Andrew Price.

          Die beiden Sechzehnjährigen haben vor allem zwei Themen: Sex und die Wut auf ihre Väter. Dritter Kandidat ist Miles Mollison, ein gutsituierter Anwalt und Familienvater. Seine Frau Samantha ist Inhaberin eines schlechtgehenden Dessousgeschäfts; eine Frau, für deren Sehnsüchte und wogenden Busen Pagford zu klein ist, zumal dort auch ihre ungeliebten Schwiegereltern leben. Miles’ Vater Howard führt das Feinkostgeschäft des Ortes als dessen heimliche Machtzentrale; seine Frau Shirley, die oberste Klatschtante von Pagford, arbeitet ehrenamtlich im Krankenhaus, wie es Wohlstandsehefrauen eben gut ansteht.

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