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Islamkritiker : Die Panikmacher

Islamkritik ist salonfähig geworden: Hier eine Demonstration von Pro-Köln-Anhängern am Rande des Anti-Islamisierungskongresses Bild: dpa

Muslime können Revolutionen machen. Das hat die Welt gesehen. Muslime können keine Demokraten werden. Das redet uns die Islamkritik ein.

          10 Min.

          Wenn Basam Tibi einen Vortrag hält, kommt es regelmäßig vor, dass in der Diskussion Zuhörer das Wort ergreifen, die sich als Muslime zu erkennen geben und höflich, aber bestimmt Widerspruch äußern. Wenn Tibis Antwort die Zweifler nicht überzeugt, setzen sie vielleicht später noch einmal nach, mit einem Brief, einem Blogeintrag oder einer Rezension.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Glauben wir Ayaan Hirsi Ali, dann verstoßen solche islamischen Kritiker der Islamkritik gegen die Gebote der Religion, die sie zu verteidigen meinen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte die Buchautorin 2006: „Wenn Sie in liberalen Gesellschaften einem Wissenschaftler widersprechen möchten, brauchen Sie eine bessere Theorie, stichhaltigere Belege. Und wenn die nicht gut genug sind, gehen Sie eben nach Hause und lecken Ihre Wunden, aber Sie gehen nicht los und töten den anderen, wie es die Philosophie des Islam vorschreibt.“

          Es ist demnach Narrheit, wenn nicht gar gotteslästerliches Hinweglesen über einen göttlichen Befehl, den Propheten des Euroislam mit dessen eigenen Waffen schlagen zu wollen, mit philologischen und historischen Argumenten. Allah hat für solche Zwecke andere Waffen vorgesehen. Waffen im wörtlichen Sinne.

          Islamkritikerin par excellence: Ayaan Hirsi Ali

          Vormundschaftlicher Fanatismus, sarkastisches Pathos

          Mohammed Bouyeri, der Mörder Theo van Goghs, der im Prozess gegen seine Mitverschwörer eine dreistündige Rede über die Gründe seiner Tat hielt, ist für Hirsi Ali ein authentischer Korangelehrter. Sie ist heute als Weltpolitikberaterin tätig und leitet ihre Maximen aus der Räson eines aufgezwungenen Krieges ab. Aber wo die Regierungen alles daransetzen, Männer wie Bouyeri zu isolieren, ihre Unterstützermilieus auszutrocknen und die Triftigkeit ihrer Koraninterpretationen zu bestreiten, da erklärt Hirsi Ali jeden Muslim zum Feind.

          In einem Interview mit „Reason“, einer Zeitschrift des radikalindividualistischen Konservatismus, verkündete sie 2007, dass der Islam besiegt werden müsse. Der Interviewer, der aus Holland stammende Blogger Rogier van Bakel, legte ihr eine Präzisierung nahe. Gemeint sei ja wohl der radikale Islam. „Nein, der Islam. Punkt.“ Erst nach der Niederlage könne der Islam sich vielleicht in etwas Friedliches verwandeln. Unter dem Motto „Pro-liberty, anti-nannies“ bekämpft Van Bakels Blog „Nobody's Business“ den vormundschaftlichen Fanatismus frommer Muslime mit sarkastischem Pathos.

          Auf seinem Autorenfoto trägt er den Bombenturban aus der bekanntesten dänischen Mohammed-Karikatur. Aber an dieser Stelle des Interviews musste er ungläubig nachfragen. Wie solle man sich das denn konkret vorstellen: 1,5 Milliarden Muslime zu besiegen? Hirsi Ali kam es weniger auf die konkrete Vorstellbarkeit als auf den abstrakten Gedanken an. „Wir befinden uns im Krieg gegen den Islam. Und im Krieg gibt es keinen Kompromiss.“

          Das moralphilosophische Problem der Notlüge

          Es gibt mit Hirsi Alis Worten radikale Muslime, aber keine moderaten, nur passive, die nicht alle Regeln befolgen. „In Wirklichkeit gibt es nur einen Islam, der als Unterwerfung unter den Willen Gottes definiert ist. Er hat nichts Gemäßigtes an sich.“ Ein liberaler und aufgeklärter Islam, ja, selbst ein quietistischer und introvertierter muss dann Einbildung und Täuschung sein.

          Es ist ein islamkritischer Glaubenssatz, dass der islamische Glaube die Lüge erlaubt und sogar gebietet, wenn es um seine Ausbreitung geht. Für diese fixe Idee steht das Wort Taqiya - die wirkungsvollste Parole der Islamkritik. Ignaz Goldziher, einer der Begründer der Islamwissenschaft, hat dem „Prinzip der Takijja im Islam“ 1906 eine Abhandlung gewidmet. Das Wort begegnet in den Korankommentaren als „terminus technicus für die entschuldbare Bekenntnisverletzung“.

          Die Islamkritik unterschlägt die verbindliche Prämisse: Wenn erörtert wird, ob der Gläubige den Glauben verleugnen darf, ist eine Situation äußerster Bedrängnis vorausgesetzt. Es geht um das moralphilosophische Problem der Notlüge in Lebensgefahr. Goldziher führt aus, dass die Tradition der Worte und Taten des Propheten in diesem Punkt nicht einhellig ist. Bei den „älteren Gesetzeslehrern“ bleibt die Erlaubnis zur Verstellung „ein Zugeständnis für die Schwächeren“.

          Die Islamkritik reproduziert das Klischee des verschlagenen Orientalen, wenn sie die Erlaubnis zur lebensrettenden Gottesleugnung als islamisches Sondergut ausgibt. Goldziher gebrauchte mit Selbstverständlichkeit einen Begriff der christlichen moraltheologischen Diskussion: Spätere Rechtsgelehrte hätten es „als erforderlich bezeichnet, die Verleugnung des Bekenntnisses in solchen Notfällen möglichst durch doppelsinnige Worte auszudrücken, die eine reservatio mentalis ermöglichen“.

          Die Wahrhaftigkeit des Verkehrs wird zerstört

          Der „Brockhaus“ von 1839 definiert: „Reservatio mentalis heißt ein heimlicher, innerer oder Gedankenvorbehalt bei der Leistung von Versprechen und Eiden, denen man dadurch in seinen Gedanken eine verschiedene Bedeutung von der unterlegt, welche Andere in dem schriftlich oder mündlich gegebenen Versprechen finden können.“ Die Jesuiten hätten dies gelehrt und dadurch der Konversation den moralischen Boden entzogen: „Hiernach wäre denn niemand sicher, dass sie bei einem Versprechen sich innerlich nicht grade das Gegenteil von dem vornehmen und nach dieser Meinung beschwüren, was sie laut aussprechen und wozu sie sich dann nicht als verpflichtet ansehen.“

          Der „Meyers“ von 1888 legt im Artikel „Jesuiten“ unter der Dachzeile „Wachsender Einfluss des Jesuitismus in der Gegenwart“ dar, „jede Wahrhaftigkeit des Verkehrs“ werde „dadurch zerstört, dass bei Eiden, Versprechungen oder Zeugnissen ein geheimer Vorbehalt (reservatio mentalis) und Zweideutigkeit des Ausdrucks als zulässig gelten“. Von einer „wachsenden Empörung“ weiß das Lexikon zu berichten, „welche diese in Predigt, Beichtstuhl und Jugendunterricht verbreiteten Grundsätze allmählich hervorriefen“.

          Mit dem Einfluss des Jesuitismus wuchs die Empörung: Das Jesuitengesetz von 1872, das den Orden vom Gebiet des Deutschen Reiches ausschloss, war in dieser Geschichtssicht eine vom normalen moralischen Empfinden gebotene Notwehrmaßnahme.

          Der Kampf wurde philologisch geführt

          Nur im Schiitentum wurde das Prinzip der Taqiya nach Goldzihers Darstellung zur Doktrin entwickelt. Aus der Situation einer im Geheimnis verbundenen verfolgten Minderheit erklärt Goldziher, dass die Verstellung den Schiiten nicht wie den Sunniten als Konzession an die Schwachen gegolten habe, sondern als „unerlässliche Pflicht, die niemand aus Übereifer unterlassen darf“.

          Es blieb bei der Bindung an die Lebensgefahr; die Täuschung hatte den Zweck, die Gemeinschaft der unerkannt lebenden Gläubigen zu schützen. Als ketzerische Übertreibung ordnet Goldziher von der sunnitischen Propaganda überlieferte Meinungen ein, dass auch zum privaten Vorteil in vermögens-, blut- und eherechtlichen Angelegenheiten falsch Zeugnis abgelegt werden dürfe.

          Die antijesuitische Polemik der liberalen Kulturkämpfer sah darüber hinweg, dass es im Orden auch Kritiker der Lehre vom Mentalvorbehalt gegeben hatte. Gleichwohl wurde der Kampf bis in die Konversationslexika hinein philologisch geführt, mit Stellen aus den Lehrbüchern der Moraltheologie. Die Islamkritiker bleiben Belege für die These einer gesamtislamischen, entgrenzenden Rezeption der Doktrin der Taqiya schuldig. Die Schwierigkeiten der Anwendung selbst der schiitischen Lehre auf Gesellschaftsverhältnisse ohne Glaubenszwang liegen auf der Hand.

          In einem sunnitischen Polizeistaat wie Ägypten mögen heimische Islamisten ähnlicher Repression ausgesetzt sein wie früher die schiitischen Gegner der sunnitischen Kalifen. Aber im Westen genießen Islamisten Glaubensfreiheit. Es wäre also zu erklären, ob heutige Lehrer der Taqiya die seit der Urzeit festgehaltene Bedingung der äußersten Bedrängnis aufgegeben haben oder ob sie den Frommen einreden, ihr bloßes Dasein in indifferenter Umgebung sei für sie quasi lebensgefährlich.

          Mit einer Legende alle Muslime unter Verdacht gestellt

          Tibi verweist auf konspirative Praktiken fanatischer Feinde des säkularen Staates, die im Horizont der Täter wahrscheinlich gar keine spezifische theologische Begründung brauchen - und jedenfalls samt ihren etwaigen sektiererischen Gründen bei den allermeisten Muslimen auf Ablehnung stoßen. Warum spricht er trotzdem von Taqiya?

          Mit der Legende vom gängigen Lehrstück der gemeinmuslimischen Moraltheologie lassen sich alle Muslime unter Verdacht stellen. Der Befund, dass die meisten Muslime in westlichen Staaten friedlich leben und auf Anpassung bedacht sind, wird umgebogen zum Indiz des Gegenteils. Im islamkritischen Internet werden alle Äußerungen von Muslimen, die keine Aufrufe zum Dschihad sind, als Taqiya etikettiert.

          Keine andere Parole der Islamkritik hat das alltägliche Zusammenleben so nachhaltig vergiftet. Necla Kelek schrieb 2007 zum Kölner Moscheebau: „Die Zahl der Sekten und konkurrierenden Glaubensrichtungen des Islam ist kaum zu überschauen, doch wird vorgegeben, man trete gemeinsam auf, und es wird die taqiyya, die Kunst der Verstellung und des Verschweigens der wahren Haltung gegenüber ,Ungläubigen‘, praktiziert.“

          Wenn diese ohne jede Einschränkung geäußerte Warnung ihre guten Gründe hat, dann ist sie nicht nur im Umgang mit dem Kölner Bauherrn, der Ditib, zu beachten. Die Verlässlichkeit dieses Verbandes müsste eigentlich im Staatsinteresse der Türkei liegen. Wenn aber alle Erfahrungen, die deutsche Kommunen mit der Ditib gemacht haben, nicht zählen sollen, dann gilt erst recht für jeden kleinen Moscheebauverein, dass man auf Zusagen muslimischer Vertragspartner im Zweifel nichts geben kann.

          Verweigerung des Vertrauensminimums

          Und genau mit dieser Verweigerung des Vertrauensminimums unter Mitbürgern sehen sich Lokalpolitiker und Kirchenvertreter überall konfrontiert, die in Bürgerversammlungen für das Recht der Muslime auf Moscheebauten eintreten. Wenn ihnen entgegengehalten wird, man wisse nicht, ob der Imam den freundlichen Demokraten nicht nur spiele, sprechen daraus keine schlechten Erfahrungen mit Muslimen. Vielmehr ist dem Willen, erst gar keine Erfahrungen mit Muslimen zu machen, jede Entschuldigung recht.

          Man hat sich weismachen lassen, dass der alltägliche Ausnahmezustand gegeben ist, den die Jesuitenfeinde beschworen: Niemand kann sicher sein, dass Muslime sich bei einem Versprechen innerlich nicht gerade das Gegenteil dessen vornehmen, was sie laut aussprechen; jede Wahrhaftigkeit des Verkehrs ist zerstört. Die Muslime will man sich als Fremde im elementaren Sinne vorstellen, die nicht akzeptieren, dass die Wechselseitigkeit von Gesprächen und Geschäften Pflichten begründet. Auch bei Thilo Sarrazin ist zu lesen, „die Ungläubigen“ dürften „bei Bedarf getäuscht und belogen werden“.

          In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nannte Wolfgang Schäuble es im Mai 2008 „eine Legende, dass die Muslime sich alle verstellen“. Ihm komme die Frage, ob man ihnen glauben könne oder nicht, „merkwürdig bekannt vor“. In der deutschen Geschichte hätten Katholiken und Protestanten einander jahrhundertelang wechselseitig der Verlogenheit bezichtigt. Der islamkritische Generalvorbehalt gegen die Glaubwürdigkeit muslimischer Gesprächspartner sei „institutionalisierte Dummheit“.

          Dass ausgerechnet Schäuble, damals als Tag- und Nachtwächter um die Sicherheit der Republik besorgt, eine so entschiedene Entwarnung gab, wies ihn in den Augen der Islamkritik als den für den Feind nützlichsten Idioten aus. Er bestritt, dass man hinter dem Sozialverhalten von Muslimen eine Kriegslist vermuten muss, und spielte eben dadurch die Rolle, die die Kriegslist ihm zugedacht hatte.

          Entscheidung an allen Orten und mit allen Mitteln

          Der Krieg, den die Islamkritik führt, muss mit einem Sieg zu Ende gehen, dem vollständigen Sieg der einen Partei oder der anderen. Ayaan Hirsi Ali sagte im Gespräch mit Rogier van Bakel: „Es kommt der Augenblick, da man den Feind zerquetscht. Und wenn man das nicht tut, muss man damit leben, dass man von ihm zerquetscht wird.“ Diesem totalen Begriff des Krieges entspricht, dass die Entscheidung an allen Orten und mit allen Mitteln gesucht wird - zuerst und zuletzt im Alltag.

          Ayaan Hirsi Ali kämpft für das Recht der Muslime, ihrem Glauben abzuschwören. Das korrespondierende Recht der Ungläubigen, sich zum Islam zu bekehren, will sie suspendieren - für die Zeit, bis der Islam unschädlich gemacht ist. Auch die Freiheit von Forschung und Lehre und die Versammlungsfreiheit möchte sie für die Dauer des Krieges eingeschränkt sehen. Das Verbrennen von Symbolen - eine Form des Protests, die in den Vereinigten Staaten selbst bei Verwendung der Landesflagge den Schutz der Verfassung genießt - soll der Westen verbieten, um mit dieser Antwort auf die Provokationen seinerseits ein Zeichen zu setzen. „Man blickt dem Feind ins Auge, lässt seine Muskeln spielen und gibt ihm eine letzte Warnung: Wir nehmen das nicht mehr hin.“

          Der Sphäre der symbolischen Selbstdarstellung wächst auf dieser Linie geradezu kriegsentscheidende Bedeutung zu. Am Tragen oder Ablegen von Kleidungsstücken, am Dulden oder Verbieten architektonischer Gesten zeigt sich der Siegeswille der Kriegsparteien. Der Bürgerkrieg, dessen Ausbruch laut Hirsi Ali längst hinter uns liegt, ist ein Partisanenkrieg mit umgekehrtem Vorzeichen: Die Muslime streben in die Sichtbarkeit, okkupieren den öffentlichen Raum. In kleinen Schritten kommen sie voran, aber auf breiter Front, und ebendas Unaufdringliche des Vormarschs im Schutz allgemein akzeptierter Vorstellungen vom Radius der privaten Lebensgestaltung macht drakonische Gegenmaßnahmen erforderlich. Muslimischen Verhüllungsvorschriften antwortet der Enthüllungsbefehl der Islamkritik.

          Wer gerrettet sein will, darf nicht zimperlich sein

          Die Illiberalität ihrer Maßregeln nimmt die Islamkritik in Kauf, ja, sie mag ihr als Zeichen der Dringlichkeit ihres Anliegens sogar willkommen sein. Gerade im nachbarschaftlichen Alltag schlagen die Islamkritiker einen aggressiven Ton an, dem man ablesen soll, dass sie in Notwehr tätig werden. So mobilisierte Ralph Giordano den Unmut gegen den Kölner Moscheebau, indem er im Fernsehstudio der Lokalzeitung sagte: „Auf dem Wege hierher hatte ich einen Anblick, der meine Ästhetik beschädigt und gestört hat: eine von oben bis unten verhüllte Frau, ein menschlicher Pinguin.“

          Einige Vordenker der Islamkritik sagen voraus, dass zivile Methoden wahrscheinlich nicht genügen werden, um den von ihnen erkannten Feind unschädlich zu machen. Diese Einschätzung ist realistisch - sobald man akzeptiert, dass der Islam tatsächlich der Faschismus unserer Zeit ist. Alice Schwarzer stellte im Jahre 2002 fest: „Die Parallelen zu 1933 drängen sich auf.“ War der 30. Januar sogar schon verstrichen? Sie fragte: „Ist es noch fünf vor zwölf - oder schon später? Sind die Kreuzzügler auf dem Weg zur islamistischen Weltherrschaft noch zu stoppen - und ist die aufgeklärte Welt überhaupt noch zu retten?“

          Wenn sie gerettet werden will, darf sie jedenfalls nicht zimperlich sein. Mit Betschwestern und Heulsusen ist der Krieg nicht zu gewinnen. Die Islamisten haben „schon beunruhigend viel Terrain gewonnen - und werden vermutlich leider nicht mehr mit nur demokratischen Mitteln zu stoppen sein“.

          Es sei denn, man versteht unter Demokratie dasselbe wie Ralph Giordano. Ihn empört, dass muslimische Verbandsfunktionäre „hier auf dem Bildschirm“ sagen, die Scharia sei vereinbar mit dem Grundgesetz. Das sei „Taqiya in Reinkultur“, ein Anschlag auf die Verfassung durch Verbreitung einer evidenten Unwahrheit über sie. Im Interview mit der Internetzeitschrift „Compass“ legte Giordano dar, dass mit einem solchen Verbalattentäter kurzer Prozess gemacht würde, wenn es nach ihm ginge. „Meine Auffassung von Demokratie ist: am Kragen gepackt, raus aus Deutschland. Das ist meine Auffassung von Demokratie.“

          Broders Welt ist übersichtlich

          Laut Henryk M. Broder „führt eine direkte Linie von Al Qaida im Irak und der Intifada in Palästina zu den Jugendlichen mit ,Migrationshintergrund‘ in Neukölln und Moabit“. Broders Welt ist übersichtlich: Es gibt nur einen Krieg, einen Feind, eine Front. Die radikale Vereinfachung der Weltverhältnisse ist die Attraktion der Islamkritik. In Stadtvierteln, in denen muslimische Einwanderer weitgehend unter sich bleiben, können die Prediger der islamischen Weltrevolution untertauchen und Rekruten werben. Aber polizeiliche Bestandsaufnahmen solcher Gelegenheiten der Radikalisierung verfehlen den Punkt der islamkritischen Quartierssoziologie.

          Die Verbindung von Palästina und Moabit bleibt indirekt, wenn soziale Bedingungen der Hinwendung zur politischen Gewalt untersucht werden - das ist die Perspektive von Sozialarbeitern. Genau umgekehrt geht es darum, den politischen Charakter des sozialen Problems zu erkennen. Asoziale Taten chancenarmer Berliner Jugendlicher mit türkischer und arabischer Familiengeschichte sollen als Bürgerkriegshandlungen gedeutet werden. Die Staatsmacht hat es nicht mit Zuständen der Gesetzlosigkeit zu tun, sondern mit dem Versuch, einem anderen Gesetz Geltung zu verschaffen.

          Wenn der Islam das Problem ist, dann können Moscheen nie etwas zur Lösung beitragen. Die Sicherheitsbehörden setzen darauf, dass potentielle Staatsfeinde in den Moscheegemeinden vor dem Abdriften bewahrt werden. Aber fromme Muslime, die den Konflikt mit dem staatlichen Gesetz vermeiden, bilden nach der Logik der Islamkritik auf Dauer die viel größere Gefahr.

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