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Islamkritiker : Die Panikmacher

Islamkritik ist salonfähig geworden: Hier eine Demonstration von Pro-Köln-Anhängern am Rande des Anti-Islamisierungskongresses Bild: dpa

Muslime können Revolutionen machen. Das hat die Welt gesehen. Muslime können keine Demokraten werden. Das redet uns die Islamkritik ein.

          Wenn Basam Tibi einen Vortrag hält, kommt es regelmäßig vor, dass in der Diskussion Zuhörer das Wort ergreifen, die sich als Muslime zu erkennen geben und höflich, aber bestimmt Widerspruch äußern. Wenn Tibis Antwort die Zweifler nicht überzeugt, setzen sie vielleicht später noch einmal nach, mit einem Brief, einem Blogeintrag oder einer Rezension.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Glauben wir Ayaan Hirsi Ali, dann verstoßen solche islamischen Kritiker der Islamkritik gegen die Gebote der Religion, die sie zu verteidigen meinen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte die Buchautorin 2006: „Wenn Sie in liberalen Gesellschaften einem Wissenschaftler widersprechen möchten, brauchen Sie eine bessere Theorie, stichhaltigere Belege. Und wenn die nicht gut genug sind, gehen Sie eben nach Hause und lecken Ihre Wunden, aber Sie gehen nicht los und töten den anderen, wie es die Philosophie des Islam vorschreibt.“

          Es ist demnach Narrheit, wenn nicht gar gotteslästerliches Hinweglesen über einen göttlichen Befehl, den Propheten des Euroislam mit dessen eigenen Waffen schlagen zu wollen, mit philologischen und historischen Argumenten. Allah hat für solche Zwecke andere Waffen vorgesehen. Waffen im wörtlichen Sinne.

          Islamkritikerin par excellence: Ayaan Hirsi Ali

          Vormundschaftlicher Fanatismus, sarkastisches Pathos

          Mohammed Bouyeri, der Mörder Theo van Goghs, der im Prozess gegen seine Mitverschwörer eine dreistündige Rede über die Gründe seiner Tat hielt, ist für Hirsi Ali ein authentischer Korangelehrter. Sie ist heute als Weltpolitikberaterin tätig und leitet ihre Maximen aus der Räson eines aufgezwungenen Krieges ab. Aber wo die Regierungen alles daransetzen, Männer wie Bouyeri zu isolieren, ihre Unterstützermilieus auszutrocknen und die Triftigkeit ihrer Koraninterpretationen zu bestreiten, da erklärt Hirsi Ali jeden Muslim zum Feind.

          In einem Interview mit „Reason“, einer Zeitschrift des radikalindividualistischen Konservatismus, verkündete sie 2007, dass der Islam besiegt werden müsse. Der Interviewer, der aus Holland stammende Blogger Rogier van Bakel, legte ihr eine Präzisierung nahe. Gemeint sei ja wohl der radikale Islam. „Nein, der Islam. Punkt.“ Erst nach der Niederlage könne der Islam sich vielleicht in etwas Friedliches verwandeln. Unter dem Motto „Pro-liberty, anti-nannies“ bekämpft Van Bakels Blog „Nobody's Business“ den vormundschaftlichen Fanatismus frommer Muslime mit sarkastischem Pathos.

          Auf seinem Autorenfoto trägt er den Bombenturban aus der bekanntesten dänischen Mohammed-Karikatur. Aber an dieser Stelle des Interviews musste er ungläubig nachfragen. Wie solle man sich das denn konkret vorstellen: 1,5 Milliarden Muslime zu besiegen? Hirsi Ali kam es weniger auf die konkrete Vorstellbarkeit als auf den abstrakten Gedanken an. „Wir befinden uns im Krieg gegen den Islam. Und im Krieg gibt es keinen Kompromiss.“

          Das moralphilosophische Problem der Notlüge

          Es gibt mit Hirsi Alis Worten radikale Muslime, aber keine moderaten, nur passive, die nicht alle Regeln befolgen. „In Wirklichkeit gibt es nur einen Islam, der als Unterwerfung unter den Willen Gottes definiert ist. Er hat nichts Gemäßigtes an sich.“ Ein liberaler und aufgeklärter Islam, ja, selbst ein quietistischer und introvertierter muss dann Einbildung und Täuschung sein.

          Es ist ein islamkritischer Glaubenssatz, dass der islamische Glaube die Lüge erlaubt und sogar gebietet, wenn es um seine Ausbreitung geht. Für diese fixe Idee steht das Wort Taqiya - die wirkungsvollste Parole der Islamkritik. Ignaz Goldziher, einer der Begründer der Islamwissenschaft, hat dem „Prinzip der Takijja im Islam“ 1906 eine Abhandlung gewidmet. Das Wort begegnet in den Korankommentaren als „terminus technicus für die entschuldbare Bekenntnisverletzung“.

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