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Islamkritiker : Die Panikmacher

Einige Vordenker der Islamkritik sagen voraus, dass zivile Methoden wahrscheinlich nicht genügen werden, um den von ihnen erkannten Feind unschädlich zu machen. Diese Einschätzung ist realistisch - sobald man akzeptiert, dass der Islam tatsächlich der Faschismus unserer Zeit ist. Alice Schwarzer stellte im Jahre 2002 fest: „Die Parallelen zu 1933 drängen sich auf.“ War der 30. Januar sogar schon verstrichen? Sie fragte: „Ist es noch fünf vor zwölf - oder schon später? Sind die Kreuzzügler auf dem Weg zur islamistischen Weltherrschaft noch zu stoppen - und ist die aufgeklärte Welt überhaupt noch zu retten?“

Wenn sie gerettet werden will, darf sie jedenfalls nicht zimperlich sein. Mit Betschwestern und Heulsusen ist der Krieg nicht zu gewinnen. Die Islamisten haben „schon beunruhigend viel Terrain gewonnen - und werden vermutlich leider nicht mehr mit nur demokratischen Mitteln zu stoppen sein“.

Es sei denn, man versteht unter Demokratie dasselbe wie Ralph Giordano. Ihn empört, dass muslimische Verbandsfunktionäre „hier auf dem Bildschirm“ sagen, die Scharia sei vereinbar mit dem Grundgesetz. Das sei „Taqiya in Reinkultur“, ein Anschlag auf die Verfassung durch Verbreitung einer evidenten Unwahrheit über sie. Im Interview mit der Internetzeitschrift „Compass“ legte Giordano dar, dass mit einem solchen Verbalattentäter kurzer Prozess gemacht würde, wenn es nach ihm ginge. „Meine Auffassung von Demokratie ist: am Kragen gepackt, raus aus Deutschland. Das ist meine Auffassung von Demokratie.“

Broders Welt ist übersichtlich

Laut Henryk M. Broder „führt eine direkte Linie von Al Qaida im Irak und der Intifada in Palästina zu den Jugendlichen mit ,Migrationshintergrund‘ in Neukölln und Moabit“. Broders Welt ist übersichtlich: Es gibt nur einen Krieg, einen Feind, eine Front. Die radikale Vereinfachung der Weltverhältnisse ist die Attraktion der Islamkritik. In Stadtvierteln, in denen muslimische Einwanderer weitgehend unter sich bleiben, können die Prediger der islamischen Weltrevolution untertauchen und Rekruten werben. Aber polizeiliche Bestandsaufnahmen solcher Gelegenheiten der Radikalisierung verfehlen den Punkt der islamkritischen Quartierssoziologie.

Die Verbindung von Palästina und Moabit bleibt indirekt, wenn soziale Bedingungen der Hinwendung zur politischen Gewalt untersucht werden - das ist die Perspektive von Sozialarbeitern. Genau umgekehrt geht es darum, den politischen Charakter des sozialen Problems zu erkennen. Asoziale Taten chancenarmer Berliner Jugendlicher mit türkischer und arabischer Familiengeschichte sollen als Bürgerkriegshandlungen gedeutet werden. Die Staatsmacht hat es nicht mit Zuständen der Gesetzlosigkeit zu tun, sondern mit dem Versuch, einem anderen Gesetz Geltung zu verschaffen.

Wenn der Islam das Problem ist, dann können Moscheen nie etwas zur Lösung beitragen. Die Sicherheitsbehörden setzen darauf, dass potentielle Staatsfeinde in den Moscheegemeinden vor dem Abdriften bewahrt werden. Aber fromme Muslime, die den Konflikt mit dem staatlichen Gesetz vermeiden, bilden nach der Logik der Islamkritik auf Dauer die viel größere Gefahr.

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