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Islamkritiker : Die Panikmacher

In einem sunnitischen Polizeistaat wie Ägypten mögen heimische Islamisten ähnlicher Repression ausgesetzt sein wie früher die schiitischen Gegner der sunnitischen Kalifen. Aber im Westen genießen Islamisten Glaubensfreiheit. Es wäre also zu erklären, ob heutige Lehrer der Taqiya die seit der Urzeit festgehaltene Bedingung der äußersten Bedrängnis aufgegeben haben oder ob sie den Frommen einreden, ihr bloßes Dasein in indifferenter Umgebung sei für sie quasi lebensgefährlich.

Mit einer Legende alle Muslime unter Verdacht gestellt

Tibi verweist auf konspirative Praktiken fanatischer Feinde des säkularen Staates, die im Horizont der Täter wahrscheinlich gar keine spezifische theologische Begründung brauchen - und jedenfalls samt ihren etwaigen sektiererischen Gründen bei den allermeisten Muslimen auf Ablehnung stoßen. Warum spricht er trotzdem von Taqiya?

Mit der Legende vom gängigen Lehrstück der gemeinmuslimischen Moraltheologie lassen sich alle Muslime unter Verdacht stellen. Der Befund, dass die meisten Muslime in westlichen Staaten friedlich leben und auf Anpassung bedacht sind, wird umgebogen zum Indiz des Gegenteils. Im islamkritischen Internet werden alle Äußerungen von Muslimen, die keine Aufrufe zum Dschihad sind, als Taqiya etikettiert.

Keine andere Parole der Islamkritik hat das alltägliche Zusammenleben so nachhaltig vergiftet. Necla Kelek schrieb 2007 zum Kölner Moscheebau: „Die Zahl der Sekten und konkurrierenden Glaubensrichtungen des Islam ist kaum zu überschauen, doch wird vorgegeben, man trete gemeinsam auf, und es wird die taqiyya, die Kunst der Verstellung und des Verschweigens der wahren Haltung gegenüber ,Ungläubigen‘, praktiziert.“

Wenn diese ohne jede Einschränkung geäußerte Warnung ihre guten Gründe hat, dann ist sie nicht nur im Umgang mit dem Kölner Bauherrn, der Ditib, zu beachten. Die Verlässlichkeit dieses Verbandes müsste eigentlich im Staatsinteresse der Türkei liegen. Wenn aber alle Erfahrungen, die deutsche Kommunen mit der Ditib gemacht haben, nicht zählen sollen, dann gilt erst recht für jeden kleinen Moscheebauverein, dass man auf Zusagen muslimischer Vertragspartner im Zweifel nichts geben kann.

Verweigerung des Vertrauensminimums

Und genau mit dieser Verweigerung des Vertrauensminimums unter Mitbürgern sehen sich Lokalpolitiker und Kirchenvertreter überall konfrontiert, die in Bürgerversammlungen für das Recht der Muslime auf Moscheebauten eintreten. Wenn ihnen entgegengehalten wird, man wisse nicht, ob der Imam den freundlichen Demokraten nicht nur spiele, sprechen daraus keine schlechten Erfahrungen mit Muslimen. Vielmehr ist dem Willen, erst gar keine Erfahrungen mit Muslimen zu machen, jede Entschuldigung recht.

Man hat sich weismachen lassen, dass der alltägliche Ausnahmezustand gegeben ist, den die Jesuitenfeinde beschworen: Niemand kann sicher sein, dass Muslime sich bei einem Versprechen innerlich nicht gerade das Gegenteil dessen vornehmen, was sie laut aussprechen; jede Wahrhaftigkeit des Verkehrs ist zerstört. Die Muslime will man sich als Fremde im elementaren Sinne vorstellen, die nicht akzeptieren, dass die Wechselseitigkeit von Gesprächen und Geschäften Pflichten begründet. Auch bei Thilo Sarrazin ist zu lesen, „die Ungläubigen“ dürften „bei Bedarf getäuscht und belogen werden“.

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