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Iris Bahr : Die Frau, die nie wieder Jungfrau sein wollte

  • -Aktualisiert am

„Ich habe mich nicht groß verändert” - die Schauspielerin und Komödiantin Iris Bahr Bild: F.A.Z. - Foto Anna Mutter

Vor dem Studium ist Iris Bahr durch Asien gereist. Nicht auf der Suche nach Drogen und Raves, sie wollte entjungfert werden. Ihre Reiseerinnerungen sind ein offenherziges Buch übers Erwachsenwerden - und die neue Bibel der Backpackerin.

          Die Frau ist Sex, redet gern über Sex, keine Frage. Man müsste es eigentlich wissen nach der Lektüre ihres Buches - aber wie sie, wenn man sie zum ersten Mal sieht, da so vor einem steht, so zart und klein und so normal mit Pferdeschwanz, in Tanktop und Jeans, kann man es nicht so richtig glauben. Noch nicht.

          Die Schauspielerin und Komödiantin Iris Bahr ist in den neunziger Jahren nach Asien gereist. Sie hat getan, was viele Israelis tun, die ihren Militärdienst beendet haben: die Freiheit genießen, auf den Putz hauen. Nur dass Iris Bahr nicht auf der Suche nach Drogen und Raves war, sondern entjungfert werden wollte - und jetzt hat sie ein Buch darüber geschrieben. Es heißt „Moomlatz oder wie ich versuchte in Asien meine Unschuld zu verlieren“. Das Werk als „autobiographisch“ zu bezeichnen, wäre eine Verharmlosung, es ist ein Striptease. Seelisch wie physisch.

          Fäkalien, Sex, Albernheiten

          Man fragt sich, ob das alles überhaupt wahr sein kann. Das mit der Banane und der Gurke und das im Urwald. Und die deutsche Schauspielerin Nora Tschirner, die Iris Bahr auf ihrer Lesereise durch Deutschland begleitet, muss sich das auch des Öfteren gefragt haben. Jedenfalls will sie während der Lesung in Berlin wissen, bei der sie die deutsche Übersetzung liest, wie man denn bitte wie ein „T“ ausgebreitet auf dem Bett liegen und gleichzeitig masturbieren könne. Momente wie dieser, in denen Nora Tschirner Iris Bahr und ihren Anspruch foppt, alles wahr aufgezeichnet zu haben, das sind die besten an diesem Abend. Allerdings: All die Fäkalien, der Sex und die Albernheiten, die laute Iris Bahr und ihr ratterndes Englisch - das gefällt nicht jedem; in der Pause gehen ein paar Leute.

          Unter Palmen: Iris Bahr in der Hafenstraße in Hamburg

          Im Buch schildert sie bis ins kleinste Detail, wie es ist, sich mit einem Wasserstrahl den Intimbereich zu säubern, und wie genau ihr Stuhl aussieht. Das möchte man nicht unbedingt wissen. Auf der anderen Seite: Wenn Iris Bahr ihren Intimbereich an anderer Stelle als Gazastreifen bezeichnet, der danach lechzt, besetzt zu werden, muss man schon schmunzeln. Und es geht ja auch nicht ausschließlich um Sex - ihre Beschreibungen der Backpackerszene, der Oberflächlichkeit und der Eitelkeiten treffen ziemlich gut.

          Dann zeigt sie in der Umkleide ihren Hintern

          Vielleicht sind die Provokationen einfach kluges Marketing: Iris Bahr lebt in Los Angeles, sie hat in Fernsehserien wie „Friends“, „King of Queens“ und der bei uns auf DVD zu sehenden „Curb your Enthusiasm“ von Larry David mitgespielt; sie weiß, wie man zum Gespräch wird und wie man im Gespräch bleibt. Und natürlich bedient sie Männerphantasien, wenn sie sich in „Moomlatz“ als williges Mädchen präsentiert, das sich von Machos erniedrigen lässt; und natürlich befriedigt sie einen Voyeurismus, wenn sie alles ganz explizit schildert.

          Aber dann, in ihrer Umkleide, fragt man Iris Bahr, ob es ihr schwergefallen sei, wieder wie eine Zwanzigjährige zu fühlen, zu schreiben. Sie sagt: „Nein, ich habe mich nicht groß verändert.“ Und man fragt weiter: „Exkremente und Sex spielen also immer noch eine wichtige Rolle in Ihrem Leben?“ Sie sagt einfach nur: „Ja.“ Und es klingt eben nicht nach Marketing, sondern ziemlich ehrlich. Dann spricht man sie auf ihren Hintern an, der im Buch gefühlte achtzig Mal erwähnt wird, meist in Zusammenhang mit Wörtern wie „klein“, „süß“, „knackig“, „großartig“, und sie grinst nur, dreht sich um und zeigt ihn. Und ihren Bauch, den präsentiert sie auch ganz gern.

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