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Wettlesen in Klagenfurt : Bachmannpreis für Ana Marwan

  • -Aktualisiert am

Ana Marwan Bild: dpa

Bei den 46. Tagen der deutschsprachigen Literatur erhält die in Slowenien geborene Ana Marwan den Ingeborg-Bachmann-Preis für ihre Erzählung „Wechselkröte“.

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          Ana Marwan erhält in diesem Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis. Bei den 46. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt wurde die 1980 im slowenischen Murska Sobota geborene Autorin und Literaturwissenschaftlerin in einem reformierten Abstimmungsverfahren von der siebenköpfigen Kritikerjury gewählt.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          In Marwans Erzählung „Wechselkröte“ macht sich eine junge Frau, die gerade von ihrer Schwangerschaft erfahren hat, in einer von existenziellen Krisen erschütterten Situation Gedanken über die Zukunft ihres Kindes. Juror Klaus Kastberger, der Ana Marwan eingeladen hatte, lobte daran Melancholie und Witz. Marwan beschreibe zwischen Bleiben und Gehen, zwischen Kinderlosigkeit und Mutterschaft eine große Selbstermächtigung. Der Bachmannpreis, gestiftet von der Stadt Klagenfurt, ist mit 25.000 Euro dotiert.

          Ein „Freiheitsfanal“

          Den Deutschlandfunk-Preis in Höhe von 12.500 Euro erhielt in diesem Jahr der 1987 im rumänischen Alba Iulia geborene Alexandru Bulucz für seine Erzählung „Einige Landesgrenzen weiter östlich, von hier aus gesehen“. Sie handelt von einem „entgeisterten Heimatunfähigen“. Die Juryvorsitzende Insa Wilke sah in diesem sprachreflexiven Selbstgespräch eine Figur, die zu „Todesbewusstsein“ gekommen sei und um ihr Leben denke. Das Ergebnis sei ein „Freiheitsfanal“, in dem sich Weltwissen, politische und philosophische Erfahrung verbinden.

          Der mit 10.000 Euro dotierte Kelag-Preis ging an den 1989 in Seligenstadt geborenen Juan S. Guse für seinen Text „Im Falle des Druckabfalls“. Dieser hat Züge von Science-Fiction, aber auch solche der Parodie, nicht nur auf den Literaturbetrieb. Es kampiert darin eine internationale Gruppe von Forschern auf ethnologischer Expedition im Taunus und stößt auf eine bislang unbekannte Menschgruppe, die in einer Nachbildung des Frankfurter Flughafens arbeitet.

          Den mit 7.500 dotierten 3Sat-Preis erhielt der 1989 in Osterzell geborene Leon Engler für seinen Text „Liste der Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollten“. Juror Philipp Tingler lobte dessen beißende Ironie. Der BKS-Publikumspreis in Höhe von 7000 Euro schließlich wurde per Online-Abstimmung ermittelt und geht an den 1994 in Wien geborenen Elias Hirschl. Sein Text „Staublunge“ ist eine Satire auf einen Startup-Unternehmer für den fiktiven Lieferdienst „Same Day Crew“.

          Nach zwei Jahren der Ausrichtung in einem Hybridformat ohne Publikum kehrten in diesem Sommer Autoren, Kritiker und Zuschauer zurück an den traditionellen Ausrichtungsort des ORF-Landestheaters in Klagenfurt.

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