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Literatur in Indonesien : Was liest man denn so auf Sulawesi?

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Die traditionelle indonesische Kultur ist performativ, nicht textbasiert: traditionelle Tanzaufführung Bild: Picture-Alliance

Indonesier widmen sich nicht gern anspruchsvollen Büchern. Noch nicht einmal in der Schule pflegt man die Nationalliteratur. Das könnte der Gastlandauftritt bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse womöglich ändern.

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          Alle Indonesier sagen, dass ihre Mitbürger ungern lesen. Schriftsteller, Literaturkritiker und Hochschullehrer klagen darüber. Die anderen stellen es so gleichgültig fest wie eine Vorliebe für Nasi Goreng oder eine Abneigung gegen Bratkartoffeln. Gleichzeitig aber gibt es nicht nur in der Hauptstadt Jakarta, sondern auch in den Einkaufszentren aller größeren Städte fast immer auch ein umfangreiches Buchgeschäft, häufig von einer der großen indonesischen Buchladenketten wie Gunung Agung und Gramedia.

          Letztere ist die größte dieser Ketten, und hinter ihr steht ein Unternehmen, das auch die literarisch wie kommerziell bedeutendsten Buchverlage des Landes, Gramedia Publishers nebst Ablegern, besitzt. Das gesamte Buchgeschäft von Gramedia verzeichnete bis 2010 nach eigenen Angaben ein jährliches Wachstum von bis zu dreißig Prozent. Und auch wenn es seitdem deutlich zurückgegangen ist, läuft das Geschäft doch so gut, dass die Zahl der Gramedia-Buchläden in den nächsten Jahren von 109 auf 129 Filialen steigen soll.

          Religiöse Romane und Erfolgsgeschichten

          Wenn man sich nun fragt, wie das zusammenpasst, die Wachstumsraten und das Klagen über das Nichtlesen, kommt man vor allem auf zwei Dinge: Zum einen beschränken sich die Buchläden auf die größeren Städte des Landes mit einer nennenswerten Mittelschicht – außerhalb dieser Zentren ist es mühsam bis unmöglich, an Literatur zu kommen. Zum anderen kaufen die Leser in den Buchläden nicht hauptsächlich anspruchsvolle Literatur. Die erfolgreichsten Genres in Indonesien sind sogenannte „islamische“ Romane mit religiös-muslimischem Hintergrund und „From zero to hero“-Bücher, motivierende Erfolgsgeschichten, wobei Erfolg fast ausschließlich materiell interpretiert wird.

          Nun ist es natürlich auch in anderen Ländern nicht so, dass die anspruchsvollsten Bücher die meisten Käufer fänden. Während sich in Deutschland aber doch auch einmal ein Jonathan Franzen, eine Siri Hustvedt oder ein Jan Wagner auf den Bestsellerlisten wiederfindet, gilt im 250-Millionen-Einwohner-Land Indonesien ein Nicht-Genre-Roman bereits als großer Erfolg, wenn von ihm 10.000 Exemplare verkauft werden. Zum Vergleich: Religiöse Romane und Erfolgsgeschichten verkaufen sich regelmäßig zu Hunderttausenden. Habiburrahman El Shirazys islamischer Roman „Ayat-Ayat Cinta“ (2004) verkaufte sich sogar mehr als eine Million Mal und begründete den Trend so erst mit.

          Zeichen der Zuversicht: Der indonesische Autor Ahmad Tohari (r) und Sri Kuwati auf der Buchmesse in Leipzig

          Um mehr Indonesier zum Buchkauf zu animieren, setzen die Verlage auch auf kleine Tricks. Ein beliebter ist, dass Übersetzungen aus dem Englischen ins Indonesische häufig ihren Originaltitel behalten. Der soll Weltläufigkeit signalisieren und dem Käufer einen sozialen Distinktionsgewinn verschaffen. Inzwischen wird dieses Erfolgsrezept auch auf die Buchtitel indonesischer Autoren angewandt: Die jüngste Veröffentlichung der Starautorin Ayu Utami etwa heißt „Simple Miracles“. Der Rest des Buches ist auf Indonesisch, es wurde auch noch nicht ins Englische übersetzt. Sie habe sich lang gewehrt, erzählt Utami, aber am Ende nachgegeben und gesagt: na gut, wenn es helfe, mehr Leser zu finden.

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