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Literatur in Indonesien : Was liest man denn so auf Sulawesi?

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Bekundungen durch offizielle Stellen, das Lesen fördern zu wollen, hält der Amerikaner John McGlynn für Lippenbekenntnisse. Er kam in den siebziger Jahren nach Indonesien, um die Kunst des Schattenspiels zu studieren, verliebte sich in das Land und seine Literatur und blieb. 1987 gründete er mit einer Gruppe befreundeter indonesischer Schriftsteller die Lontar Foundation. Die in Jakarta ansässige Stiftung hat seitdem mehr als jede andere Institution dafür getan, die Sichtbarkeit indonesischer Literatur für eine internationale Öffentlichkeit zu erhöhen.

Vorsichtig zuversichtlich stimmende Entwicklungen

Im hauseigenen Verlag hat Lontar bis heute fast 200 Bücher veröffentlicht, darunter Übersetzungen zahlreicher moderner indonesischer Klassiker ins Englische ebenso wie eine dreibändige Dramen-Anthologie, der bis zur Frankfurter Buchmesse noch Anthologien moderner indonesischer Poesie und Kurzgeschichten, ebenfalls auf Englisch, zur Seite gestellt werden sollen. McGlynn, der auch maßgebliche Lobby-Arbeit dafür geleistet hat, dass Indonesien in diesem Jahr Gastland der Buchmesse wird, sieht den geringen Stellenwert der Literatur in Indonesien dafür verantwortlich, dass das Kulturministerium unter der im letzten Jahr abgelösten Regierung sehr lange dafür gebraucht habe, die Bedeutung der Frankfurter Buchmesse zu begreifen.

Das hat sich unter dem neuen Kulturminister Anies Baswedan geändert. Nun hofft die indonesische Literaturszene darauf, dass der Auftritt als Gastland im Herbst langfristig positive Anstöße mit sich bringen wird. Es gibt aber auch andere vorsichtig zuversichtlich stimmende Entwicklungen. So gibt es inzwischen immerhin schon drei jährlich stattfindende Literaturfestivals in dem riesigen Land.

Das älteste und bekannteste ist das seit 2003 bestehende „Ubud Writers and Readers Festival“ auf Bali, das namhafte indonesische und internationale Schriftsteller zusammenbringt. Seit dem letzten Jahr gibt es auch in der Hauptstadt Jakarta ein Literaturfestival, das „ASEAN Literary Festival“, welches Autoren aus ganz Indonesien mit ihren Kollegen aus den südostasiatischen Nachbarländern zusammenführen möchte. Und in Makassar auf der Insel Sulawesi konzentriert sich seit jetzt bereits fünf Jahren das „Makassar International Writers Festival“ auf den östlichen, häufig als kulturell vernachlässigt geltenden Teil des Inselarchipels. Einige weitere Festivals, die unregelmäßig oder in größeren Abständen stattfinden, kommen hinzu. Von Ubud abgesehen, sind die Festivals fast durchweg kostenlos für Besucher, wie überhaupt viele literarische Veranstaltungen in Indonesien. Was auch zeigt, dass es durchaus möglich ist, finanzielle Unterstützung durch die lokale Politik und private Unternehmen für die Sache der Literatur zu gewinnen. Und das Publikum ist auffällig jung – die meisten sind Oberschüler und Studenten.

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