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André Hellers Debütroman : Im Hauptberuf möchte ich Taugenichts werden

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Wie sein Protagonist Julian, hat auch der Autor André Heller eine Vorliebe für den Süden. Bild: dpa

André Hellers Debütroman erstickt im Zuckerguss der Manier und leidet an einer Extraportion Poesie. Auch wenn es schöne Momente und Sätze gibt, ertrinkt man im Meer des Zuviel.

          André Heller muss man mögen, so wie man Ingwerkekse mögen muss oder Maiglöckchenparfum. Aber hier geht es ja nicht um den weltumspannenden Entrepreneur des Entertainments, den besessenen Impresario oder den Wunderkammersänger, kurzum: nicht um die Marke Heller, sondern um den Romancier. Hellers erster Roman verdient als ein Stück Literatur für sich und vor allem ernst genommen zu werden. Das wird dem Leser vom Autor nicht gerade leicht gemacht, denn dessen überlebensgroße Künstlergestalt schiebt sich formatfüllend vor den Helden Julian Passauer und die Geschichte. Nicht nur in der Erzählstimme begegnen uns des Meisters Duktus und Timbre, es reden eigentlich alle wichtigen Figuren wie André Heller: der Vater Gottfried Passauer, die Mutter Lotte, der Bonmot-Produzent Graf Eltz, die schöne äthiopische Köchin Mébrat – und natürlich Julian Passauer selbst. „Wovon redest du so geschwollen?“, fragt die Gärtnersgattin Pribil den Zwölfjährigen. Der Leser fühlt es ihr nach.

          Wie sein Erfinder entstammt Julian einer großbürgerlichen Wiener Familie und hat seine Kindheit und Jugend im Nobelbezirk Hietzing verbracht. Weil sein Vater Vizedirektor des Naturhistorischen Museums ist, logiert man in einer prachtvollen Dienstwohnung im Schloss Schönbrunn. Vom Vater hat Julian seine Passion für den Süden geerbt, verbunden mit heftigem Phantomschmerz: Die Amputation der südlichen Kronländer der k.u.k. Monarchie hat Gottfried Passauer nie verwunden. Von seiner Inhaftierung in Dachau und Buchenwald blieb ihm eine unheilbare Melancholie und der Brauch, am 13. jedes Monats, Churchill zu Ehren, en famille ausschließlich Englisch zu sprechen. Heller hat sein Alter Ego nicht im jüdischen Milieu angesiedelt, doch Julian verfügt als „ausgezeichnete Mischkulanz“ immerhin über eine jüdische Urgroßmutter. Vater und Sohn Passauer liefern einander ein Pingpong der goldenen Worte, das jener mit „Wisse, Sprössling“ zu eröffnen pflegt. Rund um diese merkwürdige Familie versammelt Heller ein Kabinett der Käuze und Kuriositäten, der Unglückswürmer und Lebenskünstler, unter denen der Schürzenjäger Graf Eltz als souverän ordinärer Erzähler hervorsticht – ein Abbild des berüchtigten gräflichen Enfant terrible Adalbert Sternberg.

          Ein Sammelsurium ist noch kein Roman

          Im ersten Teil des Romans erfahren wir von Julians Bemühungen, die Damenwelt zu gewinnen und „im Hauptberuf“ ein Taugenichts zu werden, was er schließlich mit Hilfe eines portugiesischen Pokerspielers auch umsetzt. Der zweite, zusehends ins Sentenzhafte driftende Teil erzählt, unleugbar autobiographisch, vom Sesshaftwerden des Kreuz-und-quer-Reisenden in einem Gartenparadies am Gardasee, bis er am Ende das „Tor zum vollkommenen Süden“ in einer Vision des marokkanischen Fés zu erreichen meint. Ein Entwicklungsroman? Eher nicht. Wir sehen ein ewiges altkluges Kind, das noch Jahrzehnte später auf sein ewiges Kindsein stolz ist. Sein Ausgesetztsein in der Welt indes wirkt echt und sein Versuch, sich gut zuzureden, deshalb rührend. „Ich will mein eigener Freund sein“, beschließt Julian und findet nichts dabei, die Segnung seiner Person selbst vorzunehmen.

          Das Katholische dieser österreichischen Kindheit wird bald von allerlei privatmagischem Hokuspokus überwuchert. In einer Art Initiationsszene ermuntert Vater Passauer seinen Sohn einmal, den Lyriker Felix Braun heimlich zu berühren, weil das Berühren eines Dichters „zumindest von den lässlichen Sünden“ befreie. Vielleicht liegt es daran, dass Felix Braun wohl bestenfalls ein mittelguter Dichter war, aber es stellt sich doch die Frage, ob vor dem Urteil der Weltliteratur das Verfassen eines Romans mit untauglichen Mitteln noch als lässliche Sünde durchgeht. Die Untauglichkeit ergibt sich zunächst aus der anekdotischen Struktur: Ein Sammelsurium ist noch kein Roman. Mit dem ehemaligen Weltklasseschwimmer Eltz hat der Autor auch dem ehemaligen Spitzenwasserballer Friedrich Torberg seine Reverenz erwiesen.

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