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Textilindustrie : Des einen Kleid, des andren Leid

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Facetten der Textilindustrie: Wo unsere Kleidung eigentlich herkommen, zeigt Imke Müller-Hellmann in ihrem Buch „Reise durch die globale Textilindustrie“. Bild: Picture-Alliance

Eine Trekkingsocke macht richtig viel Arbeit: Imke Müller-Hellmann gibt eine Sammlung von Momentaufnahmen der globalen Textilindustrie. Die Erklärung, was sich ändern muss, überlässt sie den Betroffenen.

          Viele der Dinge, mit denen wir uns täglich umgeben, stammen aus anderen Teilen der Welt. Doch von den Menschen, die diese Produkte herstellen, erfahren wir allenfalls, wenn Katastrophen oder skandalöse Arbeitsbedingungen es für ein paar Tage in unsere Schlagzeilen schaffen. Imke Müller-Hellmann hat sich die Etiketten einiger ihrer Lieblingskleidungsstücke angesehen – vom Slip „Claudia“ über die „Moon River Jacket“ bis zu den „Vintage Boots“ – und sich auf die Suche nach Menschen gemacht, die an ihrer Herstellung beteiligt waren. Ausgestattet mit einem Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung, führten ihre Reisen sie in Fabriken in Deutschland, Vietnam, Bangladesh, China und Portugal.

          Jedes Kapitel ihres Reiseberichts vermittelt einen ganz und gar nicht touristischen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, für ein paar Tage in einer Stadt wie Hanoi oder Dhaka oder Hongkong unterwegs zu sein. Im Mittelpunkt des Buches stehen jedoch die Menschen, die die Autorin getroffen hat, die berührenden, manchmal witzigen, absurden oder auch heiklen Begegnungen und die Wege, diese erst einmal einzufädeln. Müller-Hellmann hat die Menschen nach ihrem Tagesablauf, ihrer Arbeit, ihrer Freizeit, ihren Familien und ihren Träumen gefragt und ihre Antworten mal mitfühlend, mal lakonisch, mal mit kaum verhohlenem Entsetzen protokolliert und hier und da um Hintergrundinformationen ergänzt.

          Imke Müller-Hellmann: „Leute machen Kleider“. Eine Reise durch die globale Textilindustrie. Osburg Verlag, Hamburg 2017. 284 S., geb., 20,–

          So bekommt sie von Herrn B., der die Autorin durch eine schwäbische Textilfirma führt, einen ersten Eindruck von der komplexen Materie der Kleidungsherstellung: Welche Fasern gibt es, wie sehen sie aus, woher stammen sie, wie und wo werden die Rohstoffe angebaut oder hergestellt? Sie erfährt von den Sorgen der Einkäufer, alles rechtzeitig auf Lager zu haben – die Chinesen, so Herr B., kaufen ja den Weltmarkt leer –, sie lässt sich die riesigen Spinnmaschinen erklären, das komplizierte Veredeln, das Zuschneiden, Bügeln und Nähen. Ein Sportartikelhersteller vom Bodensee erklärt die unterschiedlichen Qualitätssiegel, im Sauerland lässt sich Müller-Hellmann zeigen, wie viel Handarbeit in Trekkingsocken steckt, in Thüringen die Feinheiten der Garnproduktion: „Eine Welt tut sich auf.“

          Andere Unternehmen machen es ihr weniger leicht, Ansprechpartner zu finden. Jedes Kapitel beginnt mit E-Mails und Notizen zu Telefonaten, mit denen die Autorin einen Termin in den Firmen zu ergattern versuchte. Man lege Wert auf Transparenz, Doch dann sei es praktisch unmöglich, einen an der Produktion eines konkreten Stücks Beteiligten zu finden, der Manager sei leider im Urlaub, man sei generell skeptisch, wenn sich jemand von der Presse ankündige, und überhaupt: Die Produktion finde in China statt, ob sie bedacht habe, dass das eine andere Kultur sei.

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