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Im Rückblick: die 13. lit.Cologne : In der Süßwarenabteilung

  • -Aktualisiert am

Der ehemalige UN-Generalsekretät Kofi Annan ... Bild: dpa

Martin Walser schwärmt von Kartoffelsalat und Rainald Goetz gibt das Motto aus: Auch die 13. lit.Cologne umarmt alle Gegensätze und bricht ihre eigenen Rekorde.

          4 Min.

          Die letzten zehn Minuten der dreizehnten lit.Cologne hatten es in sich: Das bis dahin eher Gemeinplätze abfragende Gespräch mit den befreundeten elder statesmen Kofi Annan und Joschka Fischer - neben dem Auftritt Michael Gorbatschows der weltpolitische Höhepunkt des Festivals - entwickelte sich plötzlich zu einem energischen Disput über die Frage, ob die Staatengemeinschaft die syrische Opposition mit Waffen unterstützen solle.

          Der Pazifist Annan lehnte dies mit Vehemenz ab, weil es die Kämpfe in jedem Falle verlängere. Fischer machte sich dagegen wie die englische und französische Regierung für eine Bewaffnung der Opposition stark, weil das Assad-Regime von seinen Verbündeten ebenso versorgt werde.

           ... stritt sich bei der lit.Cologne mit Joschka Fischer um sein Buch „Und ein Leben in Krieg und Frieden“ und somit um Prinzipien
          ... stritt sich bei der lit.Cologne mit Joschka Fischer um sein Buch „Und ein Leben in Krieg und Frieden“ und somit um Prinzipien : Bild: dpa

          Ausgerechnet mit einem Dissens also endete das großartige Kölner Wohlfühl-Festival, das trotz einiger Absagen mit mehr als neunzigtausend Besuchern wieder den eigenen Rekord gebrochen hat. Oftmals waren in diesem Jahr die Gespräche interessanter als die vorgestellten Werke. Man erlebte einen quietschfidelen Martin Walser, der einige seiner eitlen Meßmer-Aperçus in den Sendesaal des WDR schmetterte: „Die Vögel sind das Geschmeide der Welt, und die Welt ist der Hals einer Frau, die geliebt wird.“ Dazwischen jedoch plauderte er unterhaltsam über Hausmannskost (“Den besten Kartoffelsalat hat meine Mutter gemacht“), Altersrassismus (“Altersunterschiede zu machen, das ist eine Spitzfindigkeit“) und das schöne Ende (“Ich stelle mir gern vor, dass es mal im Zug aufhört“).

          Das vergebliche Warten des IT-Beraters

          P.D. James, die - Pardon, Martin Walser! - dreiundneunzigjährige Königin der englischen Kriminalliteratur, gab eine regelrechte Audienz, was ihre schlichte Jane-Austen-Hommage in den Hintergrund treten ließ. Herta Müller balgte sich über ihre Klebegedichte vergnüglich mit Michael Lentz. Amos Oz, der kleine Kibbuz-Geschichten mitgebracht hatte, in denen es um verfehlte Nähe geht, verlieh seinem Auftritt durch Charme, Witz und Anti-Fischer-Ethos (“Ihr Europäer müsst nicht pro Palästina oder pro Israel sein, ihr müsst nur pro Frieden sein“) so viel Glanz, dass sich ein jeder erwählt fühlen durfte, dabei gewesen zu sein.

          Brachte zur Lesung „Meßmers Momente“ mit: der Schriftsteller Martin Walser
          Brachte zur Lesung „Meßmers Momente“ mit: der Schriftsteller Martin Walser : Bild: dpa

          Vom Abend mit Dave Eggers wird die große Schokotorte im Gedächtnis bleiben, denn es war der Geburtstag des Autors. Während Eggers sprudelnd von seiner Recherchereise in die King Abdullah Economic City erzählte, konnte einem der Gedanke kommen, dass es die etwas gesuchte Einkleidung dieser Reportage in einen Godot-Roman, in dem ein apathischer IT-Berater vergeblich auf das Erscheinen des Königs wartet, vielleicht gar nicht gebraucht hätte. Und David Mitchell, seit „Wolkenatlas“ ein weltliterarischer Superstar, unterhielt sich derart schlau und amüsant mit dem Moderator-Naturtalent Bernhard Robben etwa über Metalepsis als poetologisches Pendant zur Wiedergeburt, dass sein Roman „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“, welcher von einem Zusammenstoß der holländischen und der japanischen Kultur im achtzehnten Jahrhundert handelt, fast dahinter zurücktrat. Doch in diesem Fall nur fast, denn die abschließende Doppel-Lesung einer brillant übersetzten Kernszene - der mächtigste Mann Nagasakis schaut das letzte Mal auf seine Stadt -, dieses bis in den Klang hinein dem gleitenden Flug der Möwen folgende Lebensfeier-Poem zeigte, welches Sprachmeisterwerk hier in Rede stand.

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