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Im Gespräch: Roger Moore : In ironischer Mission

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Er wird 82 Jahre alt in diesem Jahr und hat gerade seine Autobiographie vorgestellt: Der Schauspieler Sir Roger Moore im Gespräch über den Geschmack der Deutschen, den Stil von James Bond und über den Wunsch, einmal ein Schurke zu sein.

          Da lauern sie schon. Autogrammjäger folgen dem älteren Herrn im dunkelblauen Sakko in die Lobby des Hotels, zücken erst ihr Poesiealbum, dann ihr Fotohandy - und Roger Moore erfüllt höflich alle Wünsche. Der Mann, der in den sechziger Jahren „Simon Templar“ war und zwischen 1973 und 1985 sieben Mal James Bond verkörperte, ist für eine Unicef-Veranstaltung in Berlin - und um seine Autobiographie vorzustellen. Er wird 82 in diesem Jahr, und sein Buch lässt milde ironisch, im freundlichen Parlando-Ton noch einmal seine lange, große Karriere vorbeiziehen.

          Wie reden wir Sie eigentlich richtig an? Eure Lordschaft? Sir Roger?

          Sir Roger wäre die korrekte Anrede, aber normalerweise bin ich einfach Roger.

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          Betrachten Sie den Adelstitel auch als eine Belohnung für das, was Sie als Schauspieler geleistet haben?

          Ich gehöre ja nicht wirklich zum Adel, ich bin kein Peer, sondern nur ein demütiger Ritter. Und zum Ritter bin ich geschlagen worden wegen meiner Arbeit für Unicef, nicht wegen meiner Erfolge als Schauspieler.

          Sie haben auch das Bundesverdienstkreuz erhalten, gar nicht zu reden von Goldener Kamera, Bambi und den vielen Ottos der Zeitschrift Bravo. Sie sind gerade in Deutschland sehr populär. Wie erklären Sie sich das?

          Die Deutschen haben einfach einen guten Geschmack.

          Könnte es auch daran liegen, dass Sie für viele die Verkörperung des Britischen darstellen?

          Keine Ahnung, ich weiß nur, dass ich in der richtigen Rolle zur richtigen Zeit am richtigen Platz war - und die richtigen Leute gekannt habe.

          Die Serie Die Zwei, in der Sie zwischen 1970 und 1972 Lord Sinclair spielten, war in Deutschland besonders erfolgreich, sie hatte Kultstatus, vor allem wegen der Dialoge, wegen der vielen Kalauer in der Synchronfassung.

          Die Serie war im Original auch witzig, aber ich habe gehört, dass es in der deutschen Version noch lustiger zuging. Aber auch in Frankreich waren „Die Zwei“ sehr beliebt, meiner Autobiographie hat man sogar den Titel der Serie gegeben, „Amicalement vôtre . . .“. Und in Italien hat man einfach mal drei Teile hintereinandergeschnitten, als wäre es ein abendfüllender Spielfilm, was nicht so großartig funktioniert hat und auch Betrug am Zuschauer war. Es ist schon seltsam mit Filmen oder Serien: Manche heben ab, andere nicht.

          Ihr Gegenüber in Die Zwei, Tony Curtis, habe viel improvisiert, schreiben Sie. Sie auch? Davon findet man im Buch nichts.

          Doch, doch, wir mussten auch improvisieren, wir mussten uns ja ständig Wortgefechte liefern. Anfangs war die Idee, der Plot würde von Tony, dem smarten Amerikaner, getragen. Tony sagte: Ich werde keine Plotlines sprechen. Okay, sagte ich, dann mache ich es, und ich habe dann auch meine Returns gehabt.

          Kommen wir noch mal zur Britishness. Sie waren schon vor Bond durch Simon Templar und Die Zwei auf einen bestimmten Typus abonniert: tadellos und elegant gekleidet, mit besten Manieren, weltläufig. Wie wichtig ist Stil in Ihrer Karriere gewesen?

          Ich weiß es nicht. David Niven und Cary Grant waren auch Engländer und sehr erfolgreich. Es ist wohl die Art und Weise, wie wir Briten uns benehmen.

          Aber Sie haben sich als Schauspieler erst in diese Richtung entwickelt!

          Vielleicht habe ich den Fehler gemacht, mich selbst zu verkörpern (lacht).

          Gab es einen Punkt in Ihrer Karriere, an dem Sie die James-Bond-Rolle als logische Fortsetzung Ihrer bisherigen Rollen betrachteten?

          Ich habe meine Karriere nie danach geplant, was der nächste Schritt sein würde, es ist einfach passiert. Ich habe keine Türen eingetreten, um bestimmte Rollen zu bekommen. Ich hatte einfach viel Glück.

          Als friedliebender Mensch müssen Sie in Ihren Filmen dauernd Schusswaffen und Fäuste einsetzen.

          Das ist Schauspielerei, man passt sich der Rolle an. Wenn man einen Schnurrbart tragen soll, trägt man eben einen. Man muss dabei nur so glaubhaft wirken wie möglich.

          Hat es Sie manchmal gestört, dauernd den Finger am Abzug zu haben?

          Ich mag keine Waffen, aber ich musste sie benutzen. Und es waren ja immer nur Platzpatronen.

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