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Im Gespräch: Pamela Druckerman : Ist Fremdgehen kapitalistisch, Mrs Druckerman?

Expertin fürs Fremdgehen: Pamela Druckerman Bild:

Pamela Druckerman hat eine Soziologie des Fremdgehens entworfen. Im Interview spricht sie darüber, ob Amerikaner wirklich keuscher sind als Franzosen, über das Land, aus dem die untreusten Männer stammen, und die Frage, ob sie selbst von einem Seitensprung erfahren möchte.

          6 Min.

          Pamela Druckerman hat als Treffpunkt ein Café im elften Arrondissement von Paris vorgeschlagen. Sie wohnt nicht weit entfernt, und so könnte sie, falls etwas mit den Kindern sein sollte, schnell zu Hause sein. Vor drei Monaten hat sie Zwillinge zur Welt gebracht, die ihr, wie sie sagt, wenig Schlaf gönnen. Ihre Augen verraten davon nichts und halten die ganze Zeit über Blickkontakt.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Frau Druckerman, Sie haben viele Länder bereist und in Ihrem Buch eine Soziologie des Fremdgehens entworfen. Von Männern aus welcher Region sollten Frauen auf alle Fälle ihre Finger lassen?

          Wenn Ihnen Treue wichtig ist, dann empfehle ich Ihnen: Heiraten Sie keinen Mann aus Togo! Während der Recherche für mein Buch habe ich herausgefunden, dass die Männer, die am häufigsten fremdgehen, in Schwarzafrika leben.

          Vorliebe für junge Frauen: König Mswati III. von Swasiland
          Vorliebe für junge Frauen: König Mswati III. von Swasiland : Bild: dpa

          Das meinen Sie doch nicht im Ernst?

          Ich habe mit vielen südafrikanischen Männern über das Thema Untreue gesprochen, und häufig fiel irgendwann der Name Mswati der Dritte. Der König von Swasiland ist bekannt dafür, dass er eine große Vorliebe für junge Frauen hat. Als ich in Südafrika war, berichteten die Lokalzeitungen, dass Mswati gerade jede seiner zehn Frauen mit einem neuen BMW beschenkt hatte, für angeblich 820.000 Dollar. Mswati ist übrigens der Meinung, dass er durch die Vielweiberei regionale Traditionen bewahre. Vieler meiner Gesprächspartner, Männer wie Frauen, erzählten mir ebenfalls, ihre Vorfahren seien polygam gewesen.

          Womit sie es sich ziemlich leicht machen, oder?

          Es gibt eine Studie zweier namenhafter Historiker aus Johannesburg, die besagt, dass Vielweiberei im vorkolonialen Südafrika nur von sehr wenigen, nämlich Häuptlingen und reichen Männern, betrieben wurde. Als in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts schwarze Paare häufig längere Zeit voneinander getrennt lebten, da die Männer in weit entfernten Bergwerken arbeiteten, nahm der außereheliche Sex zu. Die Frauen praktizierten eine Art sexuellen Tauschhandel. Es ging dabei auch um Romantik, aber eben hauptsächlich um Geld. Auch heute gibt es viele Mädchen, die aus finanzieller Not für ihre sexuellen Dienste eine Gegenleistung fordern. Manche Männer bezahlen die Miete oder die Handykosten. Für diese Männer gibt es sogar Spitznamen wie „Wohnungsminister“ oder „Kommunikationsminister“.

          Südafrika hat eine der weltweit höchsten Raten HIV-Infizierter. Führt die Angst vor Aids nicht automatisch zu mehr Vorsicht?

          Das dachte ich auch und war erstaunt, als ich herausfand, dass das meistens nicht so ist. Trotz umfassender Aufklärungskampagnen verdrängen viele Südafrikaner die Gefahr von Aids. Auf den Totenscheinen liest man deshalb oft moralisch unverfängliche Todesursachen wie Tuberkulose. Natürlich muss man differenzieren. In Uganda zum Beispiel hat die Aufklärungsarbeit viel besser funktioniert als in Südafrika.

          Weshalb?

          Beide Länder hatten Zugang zu denselben Informationen. Entscheidend waren jedoch die Art und Weise der Informationsübermittlung. In Uganda wurden die Safer-Sex-Botschaften zum Beispiel untereinander verbreitet, also über Freunde, Bekannte oder Kollegen. Deshalb waren sie viel glaubwürdiger.

          Sie sind Amerikanerin und leben seit fünf Jahren in Paris. Von den Franzosen heißt es, sie seien Experten, wenn es um Affären geht. Ist Fremdgehen in Frankreich ein nationales Hobby?

          Nein, das ist ein weitverbreiteter Irrtum! Wie uns Amerikanern ist auch Franzosen Treue außerordentlich wichtig.

          Trotzdem scheinen Amerikaner und Franzosen unterschiedlich mit Affären umzugehen.

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