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Helge Schneider im Interview : „Man muss rauchen wollen“

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„Mein Traum war, Helge Schneider zu werden” Bild: F.A.Z. - Julia Zimmermann

Der Unterhaltungskünstler Helge Schneider hat abermals eine wahrhaftige Autobiographie vorgelegt. Im Gespräch mit Timo Frasch erklärt er, warum Obama ihn kennenlernen wollte und wie man in 7000 Metern Höhe eine Zigarette raucht.

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          Der Unterhaltungskünstler Helge Schneider hat abermals eine wahrhaftige Autobiographie vorgelegt. Im Gespräch mit Timo Frasch erklärt er unter anderem, warum er sich mit seiner eigenen Unvollkommenheit abgefunden hat: Er hat erkannt, dass er niemals ein Russe sein wird.

          Herr Schneider, in Ihrer Autobiographie gibt es humorvolle Stellen, im Vordergrund steht aber doch die Kulturkritik. Was ist für Sie das größte Übel der Neuzeit?

          Wir haben das Problem mit der neuzeitlichen Fläche, das heißt, wir haben im Internet alle Kultur, und Du kannst alles anfordern, Du kannst das alles machen und die Städte sind irgendwie leer, die Leute sitzen zu Hause. Sie gehen nicht mehr in Eduscho, weil es Eduscho nicht mehr gibt und bei Tschibo der Kaffee zu teuer ist oder irgendwie so was. Außerhalb dieser Medien haben wir keine von Mensch zu Mensch funktionierende Kulturgesellschaft. Wir haben nur noch Medien. Das prangere ich an.

          Helge Schneider: Obama wollte mich kennenlernen

          Sie beschreiben in Ihrem Buch, dass Ihr Haus 16 Kilometer von dem des Nachbarn entfernt liegt. Wie passt das zu dem, wofür Sie soeben eingetreten sind?

          Das ist relativ. Vielleicht sind 16 Kilometer nicht viel, weil normalerweise leben die Leute 140 Kilometer voneinander entfernt. Die Gefühle werden jedenfalls immer weniger, die Menschen erfahren nur Reaktionen, und das ist dann Liebe. Das ist eine Zukunftsvision, die aber jetzt anfängt oder angefangen hat. Begonnen hat diese Entwicklung mit der Salonfähigkeit des Computers. Die Computer waren, als sie erfunden wurden, Stiefkinder der Menschheit, es gab große Hallen, da waren die Computer drin, da wurden Aufzeichnungen auf Magnetband festgehalten, dann wurden irgendwann die Mikrochips erfunden und in Silicon Valley, in Amerika, hat man ein bestimmtes Kunststoff hergestellt, womit dann praktisch die Platinen hergestellt wurden, die in diesen Computern die Festplatten darstellen. So sind wir mit dem Computer in alle Welt hinein, wir können machen, was wir wollen, weil sie immer kleiner geworden sind.

          Als sie Ihr Haus abreißen ließen, während ihre Frau in New York beim Shoppen war, haben Sie ihr nichts davon erzählt, weshalb sie bei ihrer Rückkehr das Haus nicht mehr wieder fand. Würden Sie das heute anders machen?

          Ich hätte zumindest einen Anruf machen können, weil ich ja den Aufenthaltsort wusste, in New York. Ich hätte das Haus aber auch an einer anderen Stelle wieder errichten lassen können, wo sie es nicht erfährt, und dann in einem Überraschungskonvoi, vielleicht gemeinsam mit dem König von Tonga, der ein guter Freund von mir ist, dahin fahren und schauen.

          Eine ganz andere Sache: Sie kennen die Schwierigkeiten der Milchbauern nur zu gut, weil Sie selbst mal einer waren. Sind Sie angesichts sinkender Milchpreise und hungerstreikender Bäuerinnen heute froh, dass sie 2007 ihre Milchkühe durch Alpakas ersetzt haben? Und haben Sie eine Botschaft an die deutschen Milchbauern?

          Der Milchbauer war ich ja eigentlich nicht so, ich war ja Hobbymilchbauer. Die Alpakas haben natürlich auch in der Nachbarschaft viel Erfolg jetzt, weil sie gesehen werden. Was ich dem Milchbauern schlechthin für einen Tipp geben kann, weiß ich nicht. Wenn der Milchbauer gar keine Milch mehr produziert und der andere auch nicht, dann haben die Monopolisten, die die Milchpreise machen wollen, ja wahrscheinlich gewonnen. Dann wird die Milch in ganz großem Stil hergestellt, in zwei oder drei Gesellschaften in ganz Europa. Das wäre in keinem Fall in meinem Sinne.

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