https://www.faz.net/-gqz-12mht

Helge Schneider im Interview : „Man muss rauchen wollen“

  • Aktualisiert am

Kann ich genau sagen, warum ich das mache. Ich mache es, um die Gerätschaften, die in meinem Besitz sind, ab und zu mal zu gebrauchen. Aber da ich ja jetzt immer noch im Begriff bin zu lernen, habe ich auch jetzt gelernt, dass eine nächste Konservierung irgendwelcher Machenschaften diesmal nicht stattfindet. Es könnte also sein, dass ich es nicht mehr mache, obwohl ich die Instrumente dafür habe, weil das Bewusstsein dahin geht, dass ein Live-Erlebnis einem doch viel mehr geben kann wie so eine lächerliche Scheibe, die ich auch noch von Anfang an kritisiert habe in ihrer Eigenschaft als kleine, dünne Scheibe, im Gegensatz zur jetzt in Vergessenheit geratenen und viel zu teueren Schallplatte, die ja teilweise eben auch aus Vinyl war und trotzdem viel zu teuer und auch umwelttechnisch nicht mehr relevant. Trotzdem verabscheue ich diese kleinen elektronischen Datenträger genau wie den Computer.

Sind Sie ein reaktionärer Romantiker?

Das erste, was ich mache, wenn ich nach Hause komme, kucke ich, ob mir jemand eine E-Mail geschrieben hat, und jedes Mal denke ich, schade, dass es das gibt, es wäre doch so schön, wenn es das nicht gäbe, wenn der Briefträger käme. Wir hatten mal einen einbeinigen Briefträger, der kam mit dem Fahrrad, der hat das eine verbliebene Bein an der Pedale festgebunden, damit er das immer hochziehen konnte, ganz gefährlich. Aber ich bin mir dann gleichzeitig auch im Unklaren, ob nicht schon vor 500 Jahren oder ich weiß nicht, wann die Post erfunden wurde, ob die Leute nicht damals auch schon gedacht haben, man, das ist doch so ein modischer Scheiß, lass uns doch lieber so ein paar Löcher in Steine hauen, da weiß man doch auch, wie viele Kartoffeln Tante Erna braucht pro Tag.

Wie wollen Sie im Gedächtnis bleiben?

Für mich wäre es ein starkes Stück, wenn man eines Tages, so in 150 Jahren, denkt, ich wär' Atze Schröder, beispielsweise, das wär' doch was. Oder Hans-Joachim Fuchsberger. Blacky! Dann heißt es: Wir haben die Noten von Blacky Fuchsberger gefunden! Katzeklo! Wahnsinn, der Fuchsberger.

Wenn wir uns noch einmal dem Problem von Fiktion und Wirklichkeit zuwenden könnten. Sie beschreiben in Ihrem Buch, wie Sie sich auf 7000 Meter am Mount Everest mit Ihrer Zigarette gewärmt haben. Andere Bergsteiger sagen, es sei physikalisch unmöglich, da oben eine Zigarette anzuzünden, geschweige denn, sie zu rauchen.

Das geht natürlich nur mit, also erstmal keine Filterzigarette, das geht gar nicht. Du musst Dir das so vorstellen, die Luft ist ja dünn, sehr, sehr dünn. Allein der Prozess, Feuer zu machen, ist ja schon unheimlich anstrengend, das geht nur mit Spezialfeuerzeugen oder Streichhölzern. Feuerzeug geht gar nicht. Wenn Du dann diese Spezialstreichhölzer hast, das sind meist auch welche, die auch unter Wasser zünden, dann muss man dermaßen stark an der Zigarette ziehen, dass Du sie, wenn Du jetzt unten wärst, in einem Zug aufrauchen würdest. Also man muss schon diese Kraft haben. Da ich Saxophonist bin und Trompeter, habe ich natürlich von der Lungenkapazität mehr Kapazität wie andere Menschen. Deshalb ist es mir überhaupt möglich, auf einen Berg zu steigen, ohne Aufwärmphase.

Gibt es Beweise?

Ich hatte Filmaufnahmen davon, Super acht, die kleine Kamera. Wie so das Schicksal ist, ist sie mir aus der Hand in eine Gletscherspalte reingerutscht, ich noch hinterher, hab aber gesehen, nee, da unten, da lagen schon drei. Da habe ich gesagt, nee, da kommst Du nicht mehr lebend raus. Aber letztendlich geht es, es geht alles, man muss nur wollen. Man muss rauchen wollen. Ich schwöre also hier, so wahr mir Gott helfe: Ich habe geraucht.

Auf 7000 Metern.

Das ist jetzt nicht zur Diskussion.

Weitere Themen

„Motherless Brooklyn“ Video-Seite öffnen

Trailer : „Motherless Brooklyn“

„Motherless Brooklyn“, Reg.: Edward Norton. Mit: Edward Norton, Gugu Mbatha-Raw, Alec Baldwin. Start: 12.12.2019.

Manches klärt Freund George

Übersetzer : Manches klärt Freund George

Wenn etwas komisch klingt, liegt es am Übersetzer, sagt einer, der sich auskennt. Günter Ohnemus schreibt, übersetzt und versucht, den richtigen Ton zu treffen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.