https://www.faz.net/-gqz-12mht

Helge Schneider im Interview : „Man muss rauchen wollen“

  • Aktualisiert am

Mit den Alpakas hat es nichts zu tun?

Die Alpakas kommen ja gar nicht aus Argentinien. Argentinien ist viel zu heiß. Die kommen aus den Anden, aus Peru, 4000 Meter Höhe.

Etwas ganz anderes: Sie haben einen Rhetorikkurs gemacht. Dennoch scheint sich die eine oder andere sprachliche Unsauberkeit in Ihr Buch geschlichen zu haben. Muss man das als stilistisches Mittel begreifen?

Es war extra, sage ich mal ganz salopp. Ich wollte damit praktisch auch die Menschen ansprechen, die rhetorisch nicht so gewandt sind.

Hin und wieder erscheinen Sie in Ihrem Buch als zerrissene Persönlichkeit: Einerseits wollen Sie ein ganz normaler Mensch sein, andererseits gefallen Sie sich als Megastar. Wenn Sie uns diese Zerrissenheit bitte erklären könnten.

Der Traum eines jeden Jungen ist doch, Lokomotivführer zu werden oder Indianerhäuptling. Mein Traum war, Helge Schneider zu werden, und ich hab mir dann eines Tages diesen Traum wahrgemacht, habe mir den Namen zugelegt, von Geburt an, übrigens. Es ist ganz klar: Wenn man den Traum dann lebt, lebt man nicht nur die Schatten-, sondern auch die Sonnenseiten. Dazu gehört eben der unerreichte Starruhm, der auch wichtig ist für die Bank.

Man hat trotzdem den Eindruck, dass Sie unzufrieden sind. Weil Sie in dem, was Sie machen, nie perfekt sein können?

Die Russen können das, im Eislauf zum Beispiel erreichen sie diese Perfektion. Wir können das nicht. Und damit habe ich gelernt zu leben. Ich bin ja kein Russe, und es wird mir niemals möglich sein, ein Russe zu sein.

Könnten Sie uns Ihren Begriff von Wahrheit in Abgrenzung zur Wahrhaftigkeit erläutern?

Wahrheit ist, wenn man ein Gerät auf einen Tisch legt, weggeht, und man kommt zurück und es war keiner im Raum und das Gerät ist immer noch da. Wahrhaftigkeit ist: Das Gerät liegt auf dem Tisch, man ist überhaupt nicht da, man kommt nicht zurück und das Gerät liegt da. Aber nicht immer noch, sondern schon wieder.

Ihre Geschichten können gar nicht alle von Ihnen selbst erlebt worden sein. Wünschen Sie sich manchmal, ein anderer zu sein?

Draußen vielleicht, jetzt, da schiebt einer so eine Karre, ein Straßenfeger, das habe ich ja auch gelernt, da würde ich jetzt gerne mal zehn Minuten tauschen, wegen der frischen Luft. Ich möchte jetzt nicht mit Elvis tauschen, zum Beispiel, bloß, weil er so berühmt ist, nein. Ich möchte auch nicht mit Fliege tauschen, weil der schon gestorben ist. Oder lebt der noch? Ich habe ihn lange nicht im Fernsehen gesehen. Auch mit Johannes Paul II. hätte ich nicht tauschen wollen, gerade weil ich ihn so gut kannte. Die Leute, die ich kenne, mit denen möchte ich eigentlich nicht tauschen. Aber wenn ich jetzt da runter zu dem Straßenfeger gegangen wäre und gesagt hätte, Entschuldigung, würden Sie mal mit mir tauschen, dann hätte ich das vielleicht noch gemacht, obwohl ich ihn dann ja schon gekannt hätte, fast.

In dem Buch schreiben Sie, dass insbesondere Jazzmusik aus dem Moment lebt, für den Moment, und deshalb nicht konserviert werden kann. Gleichzeitig veröffentlichen Sie regelmäßig neue CDs. Wie passt das zusammen?

Weitere Themen

Manches klärt Freund George

Übersetzer : Manches klärt Freund George

Wenn etwas komisch klingt, liegt es am Übersetzer, sagt einer, der sich auskennt. Günter Ohnemus schreibt, übersetzt und versucht, den richtigen Ton zu treffen

Topmeldungen

Klima-Doku „Steigende Pegel“ : Das Meer kommt

Drei Millimeter pro Jahr steigt das Meer zurzeit, das klingt für viele Menschen nach gar nichts. Was es wirklich bedeutet, zeigt die Dokumentation „Steigende Pegel“ bei 3sat. Die Folgen sind schon jetzt dramatisch.
Das war einmal eine Tankstelle in Teheran. Sie wurde bei den Protesten zerstört, Benzin gibt es sowieso nur noch zur Phantasiepreisen.

Proteste in Iran : Niemand weiß, wie viele starben

Seit Wochen protestieren die Iraner gegen ihre Regierung, die sie vergessen hat. In den sozialen Netzwerken tobt ein Sturm. Was als Probeaufstand eingefädelt war, wurde zur Explosion in der Armutsfalle.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.