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Hardcover plus E-Book : Nur Buch, das gibt’s nicht mehr?

  • -Aktualisiert am

Auch ein elektronisches Buch allein hat seinen Preis: Es soll um ein Viertel günstiger sein Bild: AFP

Seltsame Idee: Die Verlage Haffmans & Tolkemitt sowie Rogner & Bernhard verkaufen künftig ihre Hardcover zusammen mit dem E-Book - zum herkömmlichen Preis.

          Aus Amerika kennt man das Verkaufskonzept: „Buy one, get one free“, das sich längst überall dort etabliert hat, wo ein schwächelnder Absatz angekurbelt werden soll. Während nach den Vereinigten Staaten nun auch in Großbritannien im zu Ende gehenden Jahr erstmals mehr E-Books als gebundene Bücher verkauft wurden, haben die Berliner Verlage Haffmans & Tolkemitt sowie Rogner & Bernhard endlich die naheliegende Antwort auf diese Entwicklung in die Tat umgesetzt, frei nach dem Motto: „Buy one, get the other one for free.“

          In seinem Frühjahrsprogramm kündigt Rogner & Bernhard „Hardcover Plus“ als neue Freundschaft zwischen Buch und E-Book an: Alle Bücher, die dieses Signet tragen, werden inklusive E-Book verkauft. Wer das gedruckte Buch erwirbt, erhält einen Code, mit dem die E-Book-Version einmalig von der Verlagswebsite heruntergeladen werden kann - im EPUB-Format, das auf allen Lesegeräten funktioniert. So kann man das Buch dann beispielsweise unterwegs auf seinem Reader lesen und zu Hause wie gewohnt - und hat das Werk auch dann noch im Regal, wenn die nächste und übernächste Generation der Lesegeräte Rundumerneuerungen der persönlichen digitalen Bibliothek erfordern und alte Dateien womöglich nicht mehr gespeichert werden.

          Die Preisgestaltung dieser Verkaufsstrategie, auf die alle Leser, die aus der Wahl zwischen Buch und E-Buch kein Entweder-oder machen wollen, schon seit langem warten, dürfte bei anderen Verlagen allerdings für Unbehagen sorgen. Denn die Bücher, die Rogner & Bernhard und Haffmans & Tolkemitt als Hardcover Plus anbieten, sind trotz der zusätzlichen Download-Option keineswegs teurer, sondern werden zum herkömmlichen Preis angeboten. Verleger Till Tolkemitt vertritt den Standpunkt, dass E-Books heutzutage bei der Buchproduktion ohnehin automatisch mithergestellt werden, aber eben keine Papier-, Druck- oder Vertriebskosten verursachen, die an den Kunden weitergegeben werden müssten - was ignoriert, dass Autor und Verlag dennoch auch an diesem Vertriebsweg verdienen müssen, wenn die Standards gehalten werden sollen.

          Auf Dauer will Tolkemitt Titel darum entweder als Buch plus E-Book anbieten - oder aber als reines E-Book, das dann 25 Prozent günstiger ist als das gedruckte Exemplar. Das „Nur“-Buch werde es nicht mehr geben, so Tolkemitt.

          Nur Andrew Wylie wartet ab

          In den Vereinigten Staaten gibt es ebenfalls Buch und E-Book im Doppelpack, als sogenanntes „Bundle“. Kauft man dort Buch und E-Book im Paket, gibt es zwar einen Preisnachlass auf den addierten Preis beider Produkte, aber insgesamt ist das „Bundle“ dennoch deutlich teurer als die Einzelversionen. Abgesehen davon, dass diese Variante für Leser recht kostspielig ist, könnte sie in Deutschland zu Konflikten mit der Buchpreisbindung führen.

          Der Verleger Till Tolkemitt (links) glaubt nicht mehr an das „Nur“-Buch

          Die Reaktionen, so Tolkemitt, seien durchweg positiv. Nicht nur die Autoren und Leser, sondern auch internationale Rechtegeber seien von der Idee angetan. Einzig die Wylie Agency werde noch abwarten - die allerdings hat viele der bedeutendsten Schriftsteller der Welt unter Vertrag. Wie der stationäre Buchhandel Hardcover Plus aufnimmt und ob weitere Verlage dem für sie wenig profitablen Beispiel folgen werden, bleibt abzuwarten.

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