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Ströbele und sein Biograf : War Horst Mahler Ihr Freund?

  • -Aktualisiert am

Berlin, 1972: Hans-Christian Ströbele (links) und Otto Schily verteidigen Horst Mahler (Mitte) vor Gericht. Bild: Picture-Alliance

Gerade ist eine Biographie des grünen Politikers Hans-Christian Ströbele erschienen. Der fühlt sich darin falsch dargestellt, vor allem, was seine Zeit als Anwalt der RAF angeht. Ein Gespräch.

          Am 1. Mai 1969 gründeten Sie mit Horst Mahler und zwei weiteren Anwälten in West-Berlin das Sozialistische Anwaltskollektiv. Ihr Biograph Stefan Reinecke nennt es einen „der Orte, an denen sich der gewalttätige Linksterrorismus 1969/70 formierte“. Versuchte Mahler, Sie zu rekrutieren?

          Die These des Autors stimmt so nicht. Niemand wollte mich rekrutieren – dass ich diesen Schritt für mich ausschloss, ergibt sich aus meinem Verhalten.

          War Mahler ein Freund?

          Wir waren Kollegen und Genossen. Uns verband eine enge Zusammenarbeit. Ich trat nach dem Tod von Benno Ohnesorg 1967 in sein Anwaltsbüro ein. In dieser Zeit waren wir uns politisch und auch, was die Prozessführungen anging, weitgehend einig. Handwerklich habe ich viel von ihm gelernt und sehe auch keinen Grund, warum ich das nicht äußern sollte.

          Horst Mahler trieb maßgeblich die Entstehung der RAF voran, wurde 1970 festgenommen und zu 14 Jahren Haft verurteilt. Später trat er der NPD bei, gründete das rechtsextreme Deutsche Kolleg, stand wegen Volksverhetzung vor Gericht.

          Eine schreckliche Entwicklung. Als wir zusammen arbeiteten, gab es keine Anhaltspunkte dafür.

          Haben Sie sich mit ihm darüber auseinandergesetzt? Kündigt man die persönliche Verbindung irgendwann auf, weil der einst nahestehende linke Kollege ein Neonazi ist?

          Diese Entwicklung hatte ja verschiedene Etappen. 1980 wurde Mahler mit Hilfe seines damaligen Rechtsanwalts Gerhard Schröder aus der Haft entlassen. 1987 erlaubte der Bundesgerichtshof seine Wiederzulassung als Anwalt. Bis dahin arbeitete uns Mahler im Anwaltsbüro juristisch zu und stand in dieser Zeit der FDP nahe. Da gab es natürlich politische Gespräche. Wir verloren uns aus den Augen, als er wieder als Anwalt tätig wurde. Ende der Achtziger meldete er sich bei mir, schrieb meterlange Faxe – damals noch von Papierrolle. Darauf habe ich nicht mehr geantwortet. Damals begann eine andere Entwicklung bei ihm, die zunächst stark religiös geprägt war und sich wohl mehr und mehr ins Rechtsextreme wandelte.

          Es war aussichtslos, ihn davon abzubringen?

          Keine Ahnung. Anfang der neunziger Jahre standen wir uns in der Friedrichstraße in Berlin bei einer Demonstration gegenüber: er in der ersten Reihe der Neonazis und ich ganz vorn unter den Gegendemonstranten. Da habe ich ihn zum letzten Mal gesehen.

          Stefan Reinecke schreibt, dass Sie ein privates RAF-Archiv haben mit Prozessakten...

          ... aus den verschiedenen RAF-Verfahren, auch die 160 Leitz-Ordner der Staatsanwaltschaft stehen bei mir im Regal. Dann gibt es eine Handakte zu jedem Mandanten, in der ich mir während der Besuche Notizen machte, auch Briefe sind darin enthalten.

          Warum stellen Sie die Unterlagen keinem Archiv zur Verfügung?

          Es gibt über die Jahrzehnte viele Veröffentlichungen von Wissenschaftlern, Journalisten und Filmemachern, die behaupten zu wissen, was damals war mit der RAF, wie ich mich verhalten habe. Vieles stimmt nicht beziehungsweise sehe ich anders. Die Veröffentlichungen haben mich geärgert. Auch Stefan Reineckes Biographie konzentriert sich auf die Vorwürfe der Justiz gegen mich. Für das Buch gab ich ihm Interviews und stellte Material zur Verfügung. Darüber hinaus hat mich selbst gerade dieser Teil meiner Vergangenheit stark beschäftigt. Aber nicht nur über diese Zeit grübelte ich, wenn ich zuweilen nachts wach lag. Was hatte sich damals abgespielt, und wird es richtig verstanden, wenn jetzt darüber geschrieben wird? Irgendwann werde ich mich hinsetzen und eine Autobiographie schreiben – und die Unterlagen, die ich aufgehoben habe, einbeziehen. Es wird wohl ein sehr dickes Buch.

          Sie möchten verstanden werden?

          Ich möchte, dass meine eigene Einschätzung im Raum ist. Die muss nicht jeder teilen.

          Als RAF-Anwalt gingen Sie, so Reinecke, durch das „Säurebad der Kritik“ – angefeindet in der Öffentlichkeit, aber auch von den Gefangenen. Warum haben Sie sich dem ausgesetzt?

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