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Grass liebt Walser : „Wenn ich heute Abend bei dir bleiben könnte . . .“

  • -Aktualisiert am

Martin Walser zu Günter Grass: „Du hast wirklich toll ausgesehen. Und das tust du auch heute noch” Bild: picture-alliance / dpa

Ist die Männerliebe jetzt im Kommen? Nachdem am Dienstag Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker bei Maischberger fast schon zärtlich miteinander geworden sind, liebkosen sich in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ Martin Walser und Günter Grass. Edo Reents hat ihnen gebannt gelauscht.

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          Kommt das jetzt in Mode: Männerliebe? Nachdem am Dienstag Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker bei Sandra Maischberger fast schon zärtlich miteinander geworden sind, langen nun, in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“, Martin Walser und Günter Grass richtig hin.

          Es geschah in Grassens Garten im Monat Mai, der Wein floss offenbar in Strömen. „Ich liebe ihn“, sagt Grass ohne Umschweife. Woraufhin, wie der Regieanweisung zu dem ellenlangen Interview zu entnehmen ist, der Walser auf die Frage, ob er den Grass auch liebe, diesem eine Kusshand zuwirft und sagt: „Und ob!“ Liebende soll man nicht aufhalten, also lauschen wir noch ein wenig dem Geflüster: „Du hast wirklich toll ausgesehen. Und das tust du auch heute noch“, sagt Walser zu Grass, denn: „Für mich spielt, Entschuldigung, das Aussehen eine wahnsinnige Rolle.“

          „Er war doch immer im aktuellen Dienst!“

          Walser zitiert dann aus seinem eigenen Tagebuch: „Günter Grass streichelt den Hermelin seines Erfolgs.“ Den Hermelin seines Erfolgs! Was das wohl ist? Grass sagt: „Schöne Formulierung.“ Wir aber fragen, ob es nicht vielmehr „der Hermlin seines Erfolgs“ heißen müsste, wegen dem Stephan, der war ja auch Schriftsteller. Die Interviewer mühen sich redlich dazwischenzugehen, aber wie das so ist bei Männern, die in so gefühlsduseliger wie nur noch schwer erträglicher, autoritärer Art jede kritische Nachfrage entweder für Dummheit oder Niedertracht erklären - es gelingt nicht immer.

          So kommen die beiden auch mit ihren Einlassungen zur SS-Sache durch. Walser fordert, man müsse doch „den ganzen Autor lesen“, wenn man das beurteilen wolle. Aber das haben ja alle getan - es passte nur dieses eine Detail nicht zum Ganzen, daher doch die ganze Aufregung! Warum Grass davon nie etwas gesagt habe, stellen die Interviewer schließlich die zwar schon zum hundertsten Mal gestellte, aber bis heute nicht befriedigend beantwortete Frage. Und auch da springt Walser dem Grass bei: „Er war doch immer im aktuellen Dienst!“

          Natürlich, wir wissen es jetzt: erst in der SS, dann in der SPD und schließlich in einem Land jenseits von Gut und Böse, wo sich Martin und Günter gute Nacht sagen. Es ist dann wirklich schon spät, so sagt Walser: „Wenn ich heute Abend bei dir bleiben könnte und nicht zurück müsste, würde ich . . .“ Dies sind wohl die, man kann es nicht anders sagen: spannendsten, verheißungsvollsten Pünktchen der bundesdeutschen Interviewgeschichte. Nur eines noch, was inmitten der öden Medienschelte, zu der die beiden wieder in aller Selbstzufriedenheit ansetzen, fast untergeht: Sie regen sich darüber auf, dass Elke Heidenreich im Zusammenhang mit ihnen von „Altmännerliteratur“ spricht. Männer, eine schönere Bestätigung als dieses sagenhafte Interview gibt es doch gar nicht!

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

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