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Googles Buchimperium : Operation Parasitenverlag

  • -Aktualisiert am

An jedem Buch mitverdienen: Googles Buchstrategie Bild: ASSOCIATED PRESS

Google will nur unser Bestes: Geld. Beim umstrittenen Buchsuche-Projekt redet man endlich Klartext und täuscht nicht länger Visionen vor. Wohin die Reise geht, ist klar: Google strebt an, über den Schleichweg „Online-Zugang“ den gesamten Buchhandel zu dominieren.

          Wirklich geglaubt hatte man es Google ja nie, bloß spielen zu wollen und nebenbei Ordnung ins Weltwissen zu bringen. Viele Jahre lang aber gab es zu dem gewaltigen Buchscan-Projekt nur nebulöse Informationen. „In Deutschland durfte man dazu überhaupt nichts sagen“, verriet jetzt der Google-Pressesprecher Stefan Keuchel. Diese Strategie hat sich soeben grundlegend geändert. Das Unternehmen gibt sich plötzlich gesprächig – und legt dabei die Maske des digitalen Freiheitskämpfers ab. Nichts nämlich wäre hemmender als das alte Gratis-Image. Plötzlich wird deutlich, worum es hier von Anfang an ging: das große, ganz große Geschäft.

          Nun hat das Softwareunternehmen zum „Round Table Buchsuche“ in die Münchener Niederlassung geladen, die sinnigerweise in der Dienerstraße liegt. Im Dienste des Universalwissens zu stehen, damit hatte Google lange geschickt kokettiert. Das „kulturelle Erbe der Welt“ führte der Direktor der Google-Buchsuche für Europa, den Nahen Osten und Afrika, Santiago de la Mora, noch vor einem Jahr im Munde. In München war jedoch nur noch von „komplett neuen Businessmodellen“ die Rede. „Dinge verändern sich, Situationen verändern sich“, erklärt Annabella Weisl, die für Deutschland zuständige Buchsuche-Managerin, dazu lapidar. Es ist wohl eher so, dass Dinge und Situationen irgendwann sichtbar werden.

          Politik der vollendeten Tatsachen

          Vor fünf Jahren hat Google mit der systematischen Digitalisierung von Büchern begonnen. Große Teile der Bestände von dreiundzwanzig amerikanischen, sechs europäischen und einer asiatischen Spitzenbibliothek werden zurzeit eingescannt, darunter auch urheberrechtlich geschützte, nicht mehr im Handel befindliche Werke. Während gemeinfreie Texte auf „Google Books“ schon heute komplett einsehbar sind, werden von den noch geschützten Büchern nur einzelne Schnipsel anzeigt: Ob das schon Piraterie ist oder nur Zitation, ist rechtlich noch nicht geklärt.

          Ergänzend kommt das Partnerprogramm hinzu: Fünfundzwanzigtausend Verlage lassen Google heute digitale Komplettkopien ihrer Bücher für Vorschauzwecke erstellen, wobei in der Regel nur zwanzig Prozent des Inhalts in der Google-Buchsuche sichtbar sind. Wer das ganze Buch lesen möchte, muss es – bislang noch regulär – erwerben. Insgesamt umfasst die Datenbank bereits zehn Millionen neue und alte Bücher. Unruhig wurde die Buchbranche erstmals am 28. Oktober 2008, als der bislang noch nicht gerichtlich bestätigte Vergleich bekanntgegeben wurde, den Google mit amerikanischen Rechteinhabern geschlossen hat. Von Raub oder Enteignung ist die Rede, weil der einzelne Autor der Google-Vermarktung seines Werkes nicht mehr zustimmen muss, sondern nur das Recht hat, dies im Nachhinein ablehnen zu können („Opt out“). Die VG Wort versucht, ein allgemeines Opt-out für Bücher deutscher Rechteinhaber durchzusetzen.

          Auf dem Sprung zum Buchmonopolist

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