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Glosse zu Bestsellern : Islam böse, Fitness super

Überholt: Kollegah mit Rapperkollege Farid Bang Bild: dpa

Thilo Sarrazins Buch wurde an der Spitze der Bestsellerliste von Kollegahs neuem Ratgeber abgelöst. Und wer ist jetzt der Babo? Der Konzern, der beide Autoren verlegt.

          Nach vier Wochen im Sonnenlicht des ersten Platzes ist es in dieser Woche bei den Sachbüchern zu einem Überholvorgang auf der „Spiegel“-Bestsellerliste gekommen, der in seiner Wucht – von null auf eins – überrascht. Thilo Sarrazins Ende August erschienenes islamkritisches Buch „Feindliche Übernahme“ ist von einem Ratgeber verdrängt worden, dessen Autor sich Kollegah nennt, aber eigentlich Felix Blume heißt. Auch wer nicht sattelfest im deutschen Rap ist, weiß, dass der aus dem hessischen Friedberg gebürtige Kollegah ein ziemlich erfolgreicher und ebenso umstrittener Unterhaltungskünstler ist, der ganz andere Gruppen nicht so toll findet als der ehemalige Berliner Finanzsenator. Zuletzt machte er zusammen mit Farid Bang Skandal mit dem Album „Jung Brutal Gutaussehend 3“, das mit dem Echo-Musikpreis prämiert wurde. Es enthielt jenes Lied mit der Zeile über die Körper der Auschwitz-Insassen, die viele Künstler zur Rückgabe der Auszeichnung veranlasste und schließlich zur Einstellung des Preises führte. Kollegah und Farid Bang besuchten im Nachgang auf Einladung des Internationalen Auschwitz Komitees die Gedenkstätte Auschwitz.

          Und jetzt also „Das ist Alpha!“, eine Art Bibel, um aus einem „Lauch“ (dicker, zufriedener Mensch) einen „Boss“ zu machen: „Zunächst einmal möchte ich dir gratulieren, dass du dich zum Kauf dieses exquisiten Buches entschlossen hast. Du solltest es nicht nur besitzen, sondern auch lesen und vor allem begreifen.“ Dann folgen die „10-Boss-Gebote“. „Du sollst niemals den leichten Weg gehen! Du sollst aus deinen Fehlern lernen! Du sollst dir realistische Ziele stecken! Du sollst unverwechselbar sein! Du sollst deinen Geist bilden! Du sollst Charakter haben! Du sollst Vorbild und Anführer sein! Du sollst auf dein Geld achten! Du sollst deinen Körper trainieren! Du sollst immer bereit sein!“ Garniert mit Bildern des Autors als Muskelpaket und Zigarrenraucher.

          „Boss“ ist auf jeden Fall jetzt die Münchner Verlagsgruppe, die beide Autoren unter Vertrag hat. Seit einem Jahr gehört sie zu Bonnier Media, dem schwedischen Verlagshaus, das in Deutschland unter anderem die Verlage Piper, Ullstein und Carlsen besitzt. Islam böse, Fitness super – diese völlig disparate Doppelspitze verrät über die deutschen Kauf- und Lesegewohnheiten zumindest, dass es mit Buntheit keine Probleme gibt. Und wo Sarrazin den Alarmknopf drückt, hat sein Verlagskamerad stellenweise geradezu empfehlenswerte Einsichten. Unter dem Stichwort „Toleranz“ notiert er: „Verurteile niemanden aufgrund seiner Geisteshaltung oder Religion, auch wenn du seine Sicht überhaupt nicht nachvollziehen kannst. Es gibt Tausende Glaubensströmungen auf der Welt und jede einzelne hat Anhänger, die felsenfest davon überzeugt sind, nur ihre eigene Sicht der Dinge sei die wahre.“

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

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