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Glenn Greenwalds „Die globale Überwachung“ : Es geht um Snowden

  • -Aktualisiert am

Gleen Greenwald und Laura Poitras, die in Hongkong das Enthüllungs-Interview mit Edward Snowden führten. Bild: AP

Glenn Greenwalds heute erscheinendes Buch über den Fall Snowden erläutert uns unser Schicksal in einer Gesellschaft, die nichts mehr verzeiht. Werden wir der Überwachung überhaupt noch entkommen?

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          Das Buch des Journalisten Glenn Greenwald über seinen Informanten Edward Snowden wartet mit wenig Neuigkeiten auf; es ist sehr gut geschrieben, liest sich aber nur mit Erschrecken. Inhaltlich ist es eines der wichtigsten Enthüllungsbücher überhaupt. Nur ist inhaltlich eben auch vieles schon bekannt. Folglich gab der Droemer-Verlag für Vorabdrucke eine Szene aus Hongkong frei: Als das Video entstand, mit dem sich Snowden im „Guardian“ der Weltöffentlichkeit so ruhig erklärend offenbarte, wusste er, dass ihm nur noch ein Tag bis zu seiner Flucht ohne Ziel blieb. Zwei NSA-Mitarbeiter, das bekam er in Hongkong mit, versuchten bereits, ihn in seiner Wohnung auf Hawaii aufzusuchen. Drei Tage zuvor begannen der „Guardian“ und die „Washington Post“ mit den Enthüllungen.

          Interessanter aber noch ist die Szene zuvor, das erste Treffen von Glenn Greenwald und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras mit Edward Snowden. Greenwald kannte da schon die Dokumente, er chattete viel mit Snowden, er wusste, dass dieser bereit war, alles zu opfern und den Rest seines Lebens im Gefängnis zu verbringen. „Ich habe mit der Entscheidung meinen Frieden gemacht“, schrieb Snowden ihm Wochen vorher. Doch Snowden war nicht der gestandene Geheimdienstagent am Ende seiner Karriere, den Greenwald erwartete.

          Es ging Snowden um die Welt, die er liebte

          Er war neunundzwanzig und schien noch einiges jünger. Fünf pausenlose Stunden redeten sie bei der ersten Begegnung miteinander. Snowden sprach über seine Zeit bei der NSA, der CIA, Dell, Booz Allen Hamilton; über die Berufsjahre in Genf, wie er Präsident Bush 2008 zum Nato-Gipfel begleitete und vom unstudierten Geheimdienstrekruten zum Ausbilder im Kampf gegen chinesische Hacker aufstieg. Und sie sprachen darüber, dass Snowden „in Echtzeit beobachtete, wie Drohnen potentielle Zielpersonen überwachten, um sie gegebenenfalls zu töten“.

          Snowden wurde in seiner rasanten Karriere erst zum Spezialisten und dann zum Störenfried. Frustriert über die wirkungslosen Versuche, sich intern darüber zu beschweren, dass die CIA „für nichts und wieder nichts“ mit den Schicksalen ihrer Zielpersonen spielte, verließ er 2009 den Geheimdienst. An eine Enthüllung der von ihm als illegal angesehenen Tätigkeiten seiner Arbeitgeber dachte er zu diesem Zeitpunkt nicht. Zu groß sei die Hoffnung des damals Fünfundzwanzigjährigen gewesen, dass der neue Präsident Barack Obama „einige der schlimmsten Missstände beheben würde“. Doch Obama setzte die Programme nicht nur fort, er intensivierte sie.

          Edward Snowdens Idealismus hat Glenn Greenwald  „überrascht und tief berührt“.

          Snowden ging zurück zur NSA, er verzichtete auf einen hohen Lohn, um sich zu dem privaten Unternehmen Booz Allen Hamilton, seinem letzten Arbeitgeber, versetzen zu lassen. Dort bekam er Zugriff auf die wichtigsten Dokumente, mit denen sich die Missstände öffentlich belegen lassen sollten. Snowden wollte nicht länger nur an eine bessere Welt glauben, schreibt Greenwald, sondern handeln und den „unschätzbaren Wert“ des Internets „um jeden Preis“ verteidigen. Es ging Snowden, schreibt Greenwald weiter, um „die Welt, die er liebte“, und um den „Augenblick“ in dem er offenlegen könne, „welches Konglomerat aus geheimen Absprachen, willkürlich gewährten Straffreiheiten und überbordenden Exekutivbefugnissen“ tatsächlich herrschte.

          Das habe Greenwald begeistert, „überrascht und tief berührt“. Es sei Snowden von Anfang an nicht darum gegangen, die NSA zu zerstören, sondern, „der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, zu entscheiden, wie es weitergehen soll“. Die Bevölkerung sollte erfahren, „was sie betrifft“. Snowdens Mut war ansteckend, schreibt Greenwald. Er habe selten einen so „glaubwürdigen, wohlüberlegten und aufrichtigen“ Menschen erlebt. Ist es also das Buch eines Journalisten, der seinem Informanten, dem er Weltruhm und Hunderte Millionen von Dollar Kapital für seine Arbeit verdankt, ein Heldendenkmal setzt? Nein. Ganz und gar nicht.

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