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Zukunft des Buchhandels : Bücher haben jedes Steuerprivileg verdient

Peter Kraus vom Cleff, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins Bild: Monique Wüstenhagen

Peter Kraus vom Cleff, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, über den Boykott russischer Verlage, One-Click-Shopping, Steuervorteile und die Zukunft seiner Branche.

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          Seit Beginn des Jahres ist Peter Kraus vom Cleff in Nachfolge des mehr als anderthalb Jahrzehnte amtierenden Alexander Skipis Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Wir sprechen in seinem Frankfurter Büro, das er sich mit der gelegentlich von dort aus arbeitenden Börsenvereins-Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs teilt.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Was mir gleich am Eingang des Börsenvereinsgebäudes hier in der Braubachstraße auffiel, war ein blau-gelbes Ukraine-Plakat mit dem Satz „Recht auf Frieden“. Wie sieht es aus mit dem diesbezüglichen Engagement Ihrer Organisation?

          Das ist für uns ein bedrückendes Thema, und wir engagieren uns sehr, auch persönlich. Vor wenigen Wochen bekam ich eine Nachricht der Federation of European Publishers, dass Olexandr Afonin, der Vorsitzende des ukrainischen Verlags- und Buchhandelsverbands UPBA, mit seiner Familie aus Kiew nach Berlin geflohen sei: Ob sich jemand dort um ihn kümmern könne? Ich habe mich dessen dann schnell angenommen, Kontakte vermittelt. Wir haben ihn auch gleich mitgenommen zu unserer Friedenskundgebung auf dem Nikolaikirchhof anlässlich der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur europäischen Verständigung. Es ist allerdings ein seltsames Gefühl, wenn Sie von einem linksliberalen Verständnis herkommen und bis zum 24. Februar 2022 an „Frieden schaffen ohne Waffen“ geglaubt haben, Ihnen Ihr Gast aber angesichts der hochgehaltenen Plakate sagt: „Statt ‚Recht auf Frieden‘ hätte ich lieber ‚Recht auf Waffen‘, damit wir uns verteidigen können.“ Da musste ich ehrlich gesagt schlucken. Wir helfen den ukrainischen Kollegen jetzt, indem wir Spenden sammeln und damit eine Stiftung unterstützen, die sich den Wiederaufbau der ukrainischen Buchbranche nach dem Krieg zum Ziel gesetzt hat. Und über den europäischen Verlegerverband FEP haben wir ein Crowdfunding-Projekt gestartet, mit dem wir Geld sammeln: Immer wenn 5000 Euro zusammen sind, drucken wir von den ukrainischen Kollegen vorgeschlagene Kinderbücher, die dann an den Ankunftsorten in den Aufnahmeländern verteilt werden. Im Rahmen einer weiteren Initiative sollen bilinguale Kinderbücher erstellt werden, die ukrainischen Flüchtlingskindern das Erlernen der Sprachen ihrer Gastländer ermöglichen werden.

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